Mit der „Gemeinsamen Erklärung zur Weiterentwicklung der strategischen und globalen Partnerschaft zwischen Deutschland und Indien“ bekräftigten beide Länder im letzten Jahr das gemeinschaftliche Interesse an der Lösung zentraler globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel und einer gesicherten Energieversorgung. Diese Agenda gilt es nun mit Leben zu füllen.
Zwischen dem 12. und 17. Oktober 2008 war eine Delegation indischer Parlamentarier auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Besuch in Berlin und München, um mit deutschen Mandatsträgern, Wissenschaftlern und Vertretern von Verbänden und Firmen die Perspektiven der strategischen Partnerschaft im Bereich der Klima- und Energiepolitik als auch Kooperationsmöglichkeiten im Bereich der Erneuerbaren Energien zu diskutieren.
Es wurde klar, dass auf indischer Seite ein groβes Interesse an der Kooperation im Bereich Erneuerbare Energien und an deutschen Umwelttechnologien besteht. In den vergangen fünf Jahren hat sich die indische Wirtschaft mit Wachstumsraten von durchschnittlich 8 % zwar rasant entwickelt. Damit verbunden ist jedoch ein stark steigender Energiebedarf, der nur zum Teil durch inländische Rohstoffe abgedeckt werden kann. Dies stellt das Land vor die Herausforderung, neue Wege in der Energieversorgung zu gehen. Ziel müsse es sein, so der indische Umwelt- und Energieminister a. D. Suresh Prabhu, die indische Sonne mit der deutschen Solartechnologie zusammen zu bringen.
Die Gespräche in der Bundeshauptstadt mit MdB Ulrich Kelber und dem Staatssekretär im Bundesumweltministerium Matthias Machnig kreisten vor allem um die Frage der Einbindung Indiens in globale Mechanismen zur Minderung des Klimawandels. Besonders kontrovers diskutiert wurde die Begrenzung und Verteilung von Emissionsrechten zwischen entwickelten Ländern und Schwellenländern.
Bei einem Fachgespräch in der Friedrich-Ebert-Stiftung stand zudem die Frage der zukünftigen Nutzung der Atomenergie in Indien auf dem Prüfstand. Während von indischer Seite in der friedlichen Nutzung von Nukleartechnologie ein Weg gesehen wurde die Energielücke des Landes zu schlieβen, sahen viele deutsche Teilnehmer die in diesem Zusammenhang jüngst erteilte Ausnahmeregelung der Nuclear Suppliers Group für Indien, aufgrund ihrer möglichen Auswirkungen auf den Atomwaffensperrvertrag kritisch.
Insgesamt bot das Besuchsprogramm für indische und deutsche Mandats- und Entscheidungsträger den Raum Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Klima- und Energiepolitik auszuloten. Während die Meinungen bei globalen Themen des Klimawandels zum Teil auseinander gingen, bestand im Bereich der Erneuerbaren Energien ein gleichsam großes Interesse an der Zusammenarbeit.
FES | 2008