Die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in Jakarta ist in mancherlei Hinsicht etwas Besonderes. Als drittgrößte Demokratie der Welt kommt Indonesien direkt nach Indien und den USA ins Ziel. Und obwohl der Anspruch unseres Teams sich an genau dieser Messlatte orientiert, bedarf es noch ein wenig Lobbyarbeit um dieses Bewusstsein auch in Deutschland und Europa zu wecken. Es ist ganz klar: Für die FES in Indonesien zu arbeiten ist der schönste Job nach Papst.
Die Natur und Eigenarten dieses großartigen Landes spiegeln sich in unserer täglichen Arbeit wieder. Es bräuchte eigentlich eine große Landkarte mit kleinen leuchtenden Punkten damit man hier jederzeit den Überblick bewahren kann, welcher der 17 Kollegen gerade wo unterwegs ist. Als Archipel mit 17.000 Inseln macht es uns Indonesien nicht gerade einfach unserem Anspruch gerecht zu werden, soziale Demokratie eben nicht nur in der Hauptstadt zu fördern. „Dari Sabang sampai Merauke“ – von Sabang (Insel im äußersten Westen Indonesiens) bis Merauke (Stadt im äußersten Osten Indonesiens) – versuchen wir zusammen mit unseren Partnern einen Beitrag zur Entwicklung der Demokratie in Indonesien zu leisten. In Städten wie Banda Aceh, Bandung, Makassar, Medan und Yogyakarta finden regelmäßig Veranstaltungen der FES und unserer Partner statt.
Um all das zu ermöglichen bedarf es vor allen Dingen zweierlei: 1.) Motivierte und kompetente Ortskräften, die 2.) wie die FES-Spinnen in einem Netzwerk von lokalen Partnerorganisationen aus ganz Indonesien sitzen. Im Bereich sozialdemokratischer Organisationen, im Bereich Gewerkschaften, im Bereich Konfliktprävention und Sicherheitssektorreform sowie in unserem Sonderprojekt in der Provinz Aceh. Zusätzlich zu diesen beiden Grundvoraussetzungen bedarf es dann natürlich einer ganzen Reihe von Sekundärtugenden und Ressourcen um dem Anspruch der FES gerecht zu werden: ForEverSeminar. Die wichtigsten sind Geduld zum einen und ein hochgelagerter gut ausgestatteter Dienstwagen zum anderen. Denn bevor man überhaupt nur daran denken kann eine Veranstaltung außerhalb von Jakarta zu besuchen oder zu organisieren, muss man erst einmal bis zum Flughafen kommen. Was um 4 Uhr morgens eine halbe Stunde dauert, ist im Berufsverkehr nicht unter 1 ½ Stunden zu bewältigen. Kommt die Regenzeit mit verbreiteten Straßenüberschwemmungen hinzu, wird jede Zeitprognose zur Kaffeesatzleserei. Die einzige wirkungsvolle Versicherung für diese Situation sind erfahrene Fahrer, ein gutes Navigationssystem und ein Auto mit großer Bodenfreiheit. Doch auch der normale Verkehr in Jakarta hält einen regelmäßig und lange von Schreibtisch und Meetings fern. Arbeit im Auto gehört hier zum Alltag. Ob es das Schreiben von Berichten, die Durchsicht der Abrechnung oder die Vorbesprechung eines Meetings ist: Der Dienstwagen ist das indonesische Zweit-Büro.
Das indonesische Hauptbüro in Jakarta liegt ein wenig abseits des Zentrums im Stadtteil Kemang in einem umgebauten Wohnhaus. Mit eigenem kleinem Seminarraum und einer kleinen überdachten Terrasse bietet es die idealen Voraussetzungen für ganztägige Planungsrunden, regelmäßige Roundtables, Redaktionssitzungen und die unerlässlichen Staff Meetings. Den schönen Abschluss eines anstrengenden Veranstaltungstages bildet dann nicht selten das gemeinsame Abendessen mit Partnern und Kollegen auf der Terrasse; wenn da nur nicht diese Mücken wären…
FES | 2008