Ein sonniger Freitagmorgen auf dem Compound der Friedrich-Ebert Stiftung in Kabul. Ein Team junger Afghanen erwartet voller Spannung die Ankunft ihrer pakistanischen Counterparts. Seit einem Monat haben beide Seiten per E-Mail untereinander und mit einem Trainer aus Berlin kommunziert, um eine Simulation vorzubereiten. Diese Simulation ist Bestandteil einer Reihe von Austauschprogrammen, die 2008 zwischen pakistanischen und afghanischen Journalisten, Politikern und jungen Eliten stattgefunden haben.
In den kommenden zwei Tagen wollen die jungen Nachwuchskräfte eine „Loya Jirga“ simulieren und spielerisch die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Afghanistan und Pakistan verbessern. Bei diesem Thema sehen sie grossen beidseitigen Nutzen und hoffen, so die verhärteten politischen Fronten aufzubrechen.
Da die Rollen zufällig verteilt werden, gibt es afghanische Jugendliche im pakistanischen Team und umgekehrt. Schnell schlüpfen alle in ihre Rollen, bauen ein echtes Teamgefühl auf und verhandeln leidenschaftlich mit der anderen Seite, um konstruktive Lösungen zu finden. Die Diskussionen lassen niemanden unberührt. Während der Simulation beschreibt ein Teilnehmer seine Eindrücke „Es ist nicht leicht für mich. Ich präsentiere ein Land, mit dem wir so viele Konflikte haben, im politischen und wirtschaftlichen Bereich, insbesondere jedoch im Bezug auf die Bekämpfung des Terrorism. Aber es ist unheimlich wertvoll und wichtig zu sehen, dass wir gemeinsame Probleme haben und diese durch Verhandeln und Verstehen der anderen Seite lösen können.“ Eine Einsicht, die alle anwesenden jungen Nachwuchskräfte auf ihrem weiterem Weg begleiten wird und ihr Bild des Nachbarlandes nachhaltig verändert.
FES | 2008