Das schwere Erdbeben in der südwestlichen chinesischen Provinz Sichuan am 12. Mai 2008 hat mit fast 100.000 Toten und über 300.000 Verletzten nicht nur große menschliche Opfer gefordert, sondern auch immensen materiellen Schaden verursacht. Darüber hinaus ist der ökologische Schutzwall an der Obenläufen des Yangtze-Flusses beträchtlich zerstört worden. Davon besonders betroffen ist der Minjiang-Fluss. Fast 80% des Schutzwalls, der in zehnjähriger Arbeit an diesem Fluss aufgebaut worden war, wurde vernichtet. Dabei waren die Arbeiten bei weitem noch nicht abgeschlossen. Dieser Wall besteht im Wesentlichen aus Aufforstung und Verbot von Abholzung, um die Bodenerosion zu reduzieren, und der Ansiedlung umweltschonender Betriebe sowie einer nachhaltigen Wasserwirtschaft mit Gewässerschutz. Denn schon seit geraumer Zeit hatte sich die Wasserqualität des Minjiang-Flusses beträchtlich verschlechtert, und zwar durch Erosion der umliegenden Berge und durch viele Hersteller von Aluminium, Zement, Salzchemie und Silikon, die fast alle ihre Abwässer ungeklärt in den Fluss leiten. Unzählige kleine Wasserkraftwerke sorgen für die notwendige Energie und reduzieren dabei die Durchlaufmenge aufs extremste. Durch die Inbetriebnahme der zweiten Phase des Drei-Schluchten Staudamms hat sich die Selbstreinigungsfähigkeit des Yangtze aufgrund der damit einhergehenden geringeren Wassermenge zusätzlich verringert. Die Verschmutzung des gesamten Yangtze, der Lebensader Chinas, findet bereits an seinem Oberlauf statt. Das Erdbeben hat allerdings auch viele der „dreckigen“ Betriebe und eine ganze Reihe der Wasserkraftwerke zerstört. Damit ist die Chance für einen umfassenden ökologisch nachhaltigen Wiederaufbau des Ökoschutzwalls gegeben.
Eine Gruppe von fünf Politik beratenden Instituten verschiedener Universitäten in Sichuan und Chongqing hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden drei Jahren den Wiederaufbau des Ökoschutzwalls durch Analysen und Politikempfehlungen zu begleiten. Gemeinsam mit ihrem Hauptpartner in Sichuan, der Freundschaftsgesellschaft mit dem Ausland, unterstützt die FES die Arbeit dieser Gruppe, die zum Auftakt des Projektes eine Feldforschung an den Minjiang unternahm. Die 18-köpfige Forschungsgruppe machte eine Bestandsaufnahme des Zustands des Ökoschutzwalls nach dem Erdbeben sowie der Folgeschäden für die Menschen und die ökologische Umwelt sowie für Infrastruktur, Industrie und Beschäftigung. Mithilfe digitaler Fernabtastung wurden Fotos der Landschaft auf einer Strecke von 1.000 Kilometern im Erdbebengebiet erstellt, um so die Folgeschäden auf die Umweltsituation zu untersuchen. Darüber hinaus wurden durch Interviews sozioökonomische Daten über die vom Erdbeben Betroffenen erhoben.
Die Ergebnisse der Feldforschung werden auf einer Tagung ausgewertet. Eine von der FES organisierte Studienreise nach Deutschland soll Anregungen für die Verbesserung der Wasserwirtschaft und des Gewässerschutzes liefern, die dann in eine umfassende Politikempfehlung an die Sichuaner Provinzregierung einfließen werden.
FES | 2008