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Beispiele aus unserer Arbeit
Bessere Bedingungen für Heimarbeiterinnen?

Regionaler Workshop der FES in Südostasien

Weltweit hat die Dezentralisierung der Produktion zur Ausweitung des informellen Sektors geführt. Vor allem der Anteil der Heimarbeiter ist gestiegen. Sie bilden das letzte Glied in einer Kette von Subunternehmern im produzierenden Gewerbe und zunehmend auch im Dienstleistungsbereich.

Von den insgesamt 100 Millionen Heimarbeitern weltweit finden sich allein 50 Millionen in Südasien. In Bangladesh, Sri Lanka, Nepal, Pakistan und Indien sind es zu 80% Frauen, die für die Textilindustrie Teppiche knüpfen, Stoffe weben oder Fußbälle nähen. Deren Produktionsstätten sind die eigenen vier Wände. Statt eines Arbeitgebers gibt es Agenten, die die Materialien liefern und die fertigen Produkte einsammeln und bezahlen. Gesetzliche Mindeststandards oder Verträge, die Auftrags- und Einkommenssicherheit garantieren, gibt es nicht. Krankheit, Überschwemmung oder ein Schaden am Webstuhl oder der Nähmaschine haben nicht nur den Ausfall des Einkommens zur Folge, sondern verursachen zusätzliche Kosten. Kranken- oder Arbeitsunfähigkeitsversicherungen gibt es nicht. Was im Katastrophenfall bleibt, ist der Weg zum örtlichen Geldverleiher, der hohe Zinsen und als Sicherheit häufig die Arbeitskraft eines Familienmitglieds verlangt. Die Leibeigenschaft ist in Südasien auch im 21. Jahrhundert noch weit verbreitet.

Der United Nations Development Fund for Women und die indische Gewerkschaft der selbständigen Frauen begründeten im Januar ein regionales Netzwerk zur Unterstützung der Heimarbeiter Südasiens.

HomeNet South Asia vereint 482 Organisationen mit insgesamt 1,5 Millionen Mitgliedern. In Bangladesh, Nepal, Sri Lanka, Pakistan und Indien haben die im Laufe der letzten fünf Jahre gegründeten nationalen HomeNet-Büros Datenmaterial gesammelt und politische Kampagnen geführt. Wo es keine oder nur unzureichende staatliche soziale Sicherungsprogramme gibt, bieten die Netzwerke auch medizinische Grundversorgung oder Kleinkreditprogramme an. Gemeinsam mit Home-Net South Asia, Home-Net Nepal und dem Global Labour Institut aus Genf veranstaltete die FES in Kathmandu im Februar dieses Jahres einen regionalen Workshop, auf dem von nationalen und internationalen Experten gemeinsam mit den Vertretern des HomeNet-Netzwerkes Strategien und Programme entwickelt wurden, um die ILO-Heimarbeiterkonvention 177 in allen Ländern Südasiens umzusetzen. Die bereits 1996 verabschiedete Konvention beinhaltet sichere Arbeitsbedingungen, gerechte Bezahlung und soziale Absicherung für Heimarbeiter. Die Chancen stehen gut, das Nepal als eines der ersten asiatischen Länder die Konvention ratifiziert und somit eine Vorreiterrolle übernimmt.

FES | 2008

net-edition:Ingo Schafhausen FES | 2008
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