Arbeiterbildung

AdsD - Arbeiter-Jugend! Wissen ist Macht!

Der Ausflug einer Jugendgruppe und eine Lehrveranstaltung werden um 1905 auf dieser Postkarte mit dem Eichenkranz und Schleife verbunden (AdsD).

Die ersten Ansätze zur Gründung von Arbeiterbildungsvereinen lassen sich schon vor der 1848er-Revolution belegen (zum Beispiel in Hamburg). Ihre Mitglieder waren oft einfache Handwerker, kleine Gewerbetreibende sowie Heimarbeitende, die von Armut, Arbeitslosigkeit und sozialer Deklassierung bedroht waren. Sie suchten in den Vereinen nach Foren zur Selbstorganisation und Interessenartikulation. Durch die Erfahrung der Unterdrückung der Revolution (besonders dem Organisationsverbot) sowie der rasanten Industrialisierung grenzten sie sich, mit den spezifischen politischen und ökonomischen Interessen von Arbeitern und Arbeiterinnen, immer stärker zu bürgerlichen Bildungsvereinen ab. Elementarbildung, berufliche und politische Bildung wurden nebeneinander betrieben. August Bebel (1840–1913) kann als ein Prototyp für die Gründer von Arbeiterbildungsvereinen und ihren Mitgliederinteressen gelten. Bestrebungen, von der Bildung zur „Klassenbildung“ beziehungsweise zum gesellschaftlichen Aufstieg zu gelangen, galten parallel und wurden konfliktiv ausgetragen. Diese Pole blieben ein andauerndes Thema. Insbesondere während des „Sozialistengesetzes“ (1878–1890) erlebten die meist sozialdemokratischen Arbeiterbildungsvereine einen massenhaften Aufschwung als wichtiger Teil der Arbeiterkulturbewegung.

Während der Weimarer Republik waren die Arbeiterbildungsvereine Teil eines ausdifferenzierten Vereinswesens und des sozialdemokratischen Milieus. Es gab Neugründungen im Bereich der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, aber auch eine Öffnung hin zu pluralistisch eingestellten Bildungseinrichtungen – wie beispielsweise den Volkshochschulen – fand statt. Vorbildhaft hierfür waren die Leipziger Volkshochschule oder auch die Heimvolkshochschule Sachsenburg, hier gelten Hildegard Reisig und Gertrud Hermes als Vorreiterinnen. Sie entwickelten erste theoretische Ansätze zur Arbeiterbildung.

Seit 1945 wird die Arbeiterbildung stark von der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit und der Organisation „Arbeit und Leben“ (eine Kooperation von Gewerkschaften und Volkshochschulen) bestimmt. Insbesondere Oskar Negt, Adolf Brock und auch Paul Röhrig entwickelten über einen spezifischen an die „Klasse“ gebundenen exemplarischen Lernbegriff die Theorie der Arbeiterbildung weiter.

Im Rahmen der Geschichte der Erwachsenenbildung haben die Arbeiterbildungsvereine als international bedeutende soziale Bewegung, im Sinne der Selbstorganisation unterdrückter Bildungsinteressen, einen hohen Stellenwert gewonnen.

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