Frühzeit der Arbeiterbewegung

Vorderseite der Traditionsfahne der SPD, 1873

Vorderseite der Traditionsfahne der SPD, gefertigt 1873 für den ADAV (AdsD).

Arbeiter(bildungs)vereine entstanden in Deutschland in größerem Umfang seit den 1840er Jahren. Sie dienten allgemeiner und beruflicher Fortbildung und Geselligkeit, vereinzelt schon demokratischen oder sozialistischen Bestrebungen oder deren Abwehr. Die eigentlich politische Diskussion fand in den von wandernden Gesellen im Ausland gegründeten Vereinen statt, zu denen auch der Bund der Kommunisten gehörte. Während der Märzrevolution 1848 setzte eine Neugründungswelle ein, die ihren Höhepunkt im Zusammenschluss zur "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverbrüderung" und den Forderungen nach sozialen und politischen Reformen fand. Nach Verbot oder Selbstauflösung der meisten Vereine in der Reaktionszeit kam es Anfang der 1860er Jahre zur Reorganisation bei personellen Kontinuitäten oder zu Neugründungen. Diese wurden häufig vom liberalen Bürgertum kontrolliert und trugen meist einen betont "unpolitischen" Charakter. Sie propagierten bürgerliche Selbsthilfekonzepte, wozu u.a. der individuelle Aufstieg durch Bildung gehörte. Ihr Zusammenschluss 1863 zum Vereinstag Deutscher Arbeitervereine (VDAV) (ab 1867: Verband Deutscher Arbeitervereine) war zunächst auch eine Gegengründung zu dem sich als politische Partei konstituierenden Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV). 1868 schloss sich unter dem Einfluss August Bebels eine Mehrheit im VDAV dem Programm der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) an. Bei Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) 1869 löste sich der VDAV auf. Ein Teil der Arbeitervereine ging in der neuen Partei auf, andere Vereine wurden Teil der sozialdemokratischen Arbeiterkulturbewegung oder dienten weiterhin bewusst "unpolitischen" Zwecken.

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