Bundesrepublik Deutschland - Berlin

Besuch des amerikanischen Präsidenten, John F. Kennedy, in Berlin.

Besuch des amerikanischen Präsidenten, John F. Kennedy, in Berlin (Landesbildstelle Berlin).

„Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt“. Bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit war Berlin durch die Berlin-Blockade Schauplatz und Austragungsort eines sich verschärfenden Ost-West-Konflikts; mit seinem Ausspruch unterstrich der sozialdemokratische Bürgermeister Ernst Reuter die Sonderrolle Berlins. Diese sollte die Stadt auch während der Epoche des geteilten Deutschlands behalten: Nicht nur, dass in Berlin die deutsch-deutsche Grenze verlief, in Berlin wurde vielmehr die europäische Teilung in ganz besonderer Weise offenbar.

Ohnmächtig musste Reuter den Volksaufstand des 17. Juni 1953 mitansehen, der durch streikende Arbeiter in Ostberlin ausgelöst wurde. Es blieb ihm nur die scharfe Verurteilung der Niederschlagung sowie der sich anschließenden Verhaftungs- uns Säuberungswelle. Ohnmächtig musste auch Willy Brandt – seit 1955 Nachfolger Otto Suhrs als Regierender Bürgermeister – dem Bau der Mauer am 13. August 1961 zusehen. Vorangegangen war die seit vier Jahren schwelende Berlinkrise. Am 27. November 1957 hatte Nikita Chruschtschow in seiner als Berlin- oder Chruschtschow-Ultimatum bezeichneten Note ein Ende des Besatzungsregimes und die damit verbundene Umwandlung Berlins in eine „freie“, entmilitarisierte Stadt gefordert. Dabei bestand der Regierungschef der Sowjetunion auf einem Abzug der westlichen Truppen. Die Westmächte wie auch die Bundesrepublik lehnten diese Forderungen Chruschtschows jedoch ab: Westberlin wurde weiterhin als integraler Bestandteil des westlichen, des demokratischen Deutschlands betrachtet. Als Reaktion auf stetig steigende Flüchtlingszahlen ließ die DDR-Führung die Berliner Mauer – deklariert als „antifaschistischer Schutzwall“ – errichten. Die Westmächte beschränkten sich zunächst auf diplomatischen Protest, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Im Zuge der brandtschen Ostpolitik spielte Berlin ebenfalls eine gewichtige Rolle, da die Auswirkungen des geteilten Deutschlands hier besonders spürbar waren: Im Zuge der „Politik der kleinen Schritte“, des „Wandels durch Annäherung“, erreichte die sozial-liberale Koalition für die Berliner Bevölkerung zahlreiche Verbesserungen: Mit dem Viermächteabkommen über Berlin, das am 3. September 1971 unterzeichnet wurde, konnten Erleichterungen bezüglich des Transitverkehrs zwischen der Bundesrepublik und Westberlin sowie der Reisemöglichkeiten innerhalb Berlins erzielt werden. Zudem ist das Abkommen als Voraussetzung für weitere Verträge anzusehen; sowohl durch den Transitvertrag (17. Dezember 1971) als auch durch den Grundlagenvertrag (21. Dezember 1972) wurden weitere Verbesserungen und Erleichterungen verhandelt. Obgleich sich die Verhältnisse in Berlin in der Folge spürbar entspannten, kam es zu weiteren Differenzen, genannt sei an dieser Stelle die Auseinandersetzungen um das Bundesumweltamt in Berlin 1974, was zu Diskussionen auf höchster politischer Ebene führte. Es stellte sich die Frage, ob der Sitz einer Bundesbehörde in Westberlin mit dem Vier-Mächte-Status vereinbar sei. Die Westmächte bejahten dies, wohingegen das DDR-Außenministerium erwartungsgemäß protestierte.

Obwohl die Gründe für den Zusammenbruch der DDR vielfältig waren und deren Ursprünge nicht in Berlin lagen, haben doch vor allem die Bilder des Mauerfalls in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 Einzug in das kollektive Gedächtnis gefunden. Mit dem Fall der Mauer endete nicht nur die 40-jährige Teilung Berlins und Deutschlands, sondern auch die europäischen Teilung: Es wuchs zusammen, was zusammen gehörte.

Quellen und Materialien

 

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