Besatzungszeit - Berlin

Siegesparade der alliierten Truppen in Berlin 1945

Siegesparade der alliierten Truppen auf der West-Ost-Achse in Berlin, 06.09.1945 (AdsD).

Die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 bedeutete das Ende einer zwölf Jahre währenden Schreckensherrschaft. Mit der Proklamation Nr. 1 des Alliierten Kontrollrats vom 5. Juni 1945 erfolgte die „Übernahme der obersten Regierungsgewalt“ durch die Alliierten. Diese beschlossen die Aufteilung Deutschlands sowie der ehemaligen Reichshauptstadt Berlin in vier Besatzungszonen. Berlin nahm somit eine Sonderrolle ein. Auch wenn es in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) lag, sollte es dem Anspruch nach von allen vier Besatzungsmächten gleichermaßen regiert werden. Tatsächlich blieb jedoch die Sowjetische Militäradministration (SMAD) dominant, die Kommunisten hatten in Berlin die Vorherrschaft.

In der SBZ wurden Parteien früher als in den Westlichen Besatzungszonen (WBZ) mit dem Befehl Nr. 2 der SMAD vom 10. Juni 1945 wiederzugelassen. Dies führte Mitte Juni 1945 zur Gründung des „Zentralausschuss der SPD“ (ZA) unter Vorsitz von Otto Grotewohl in Berlin, der sogleich einen Führungsanspruch für die SPD Gesamtdeutschlands erhob. Dies blieb nicht unbeantwortet. Noch vor der Kapitulation hatte Kurt Schumacher die politische Bühne betreten und am 6. Mai 1945 eine programmatische Rede gehalten, in der er den Wiederaufbau der SPD proklamierte und deren zukünftigen Kurs absteckte. Insbesondere in der Frage nach der Vereinigung der Arbeiterparteien zeigte sich früh ein Dissens zwischen den beiden Gruppierungen. Schumacher konnte sich schließlich in den WBZ einschließlich Westberlins durchsetzen, Grotewohls Einfluss blieb auf die SBZ und Ostberlin beschränkt.

Zunächst lehnte auch der ZA eine Vereinigung von KPD und SPD ab, gab seinen Widerstand jedoch in der Folge auf. Am 21. Dezember 1945 stimmte die Berliner SPD-Führung auf der sogenannten Sechziger Konferenz einem Kompromiss mit der KPD zu, der die Vereinigung im Prinzip beinhaltete. Dennoch verband sie dieses Zugeständnis mit einer Aufschubstrategie, die sofortige Verschmelzung wurde abgelehnt und die endgültige Entscheidung Reichsparteitagen beider Parteien überantwortet. Weder die Westmächte noch führende Sozialdemokraten in den Westzonen schlossen sich dieser Vorgehensweise an, was zur Isolation des ZA führte.

Am 11. Februar 1946 kapitulierte schließlich die Mehrheit der Mitglieder des ZA vor der Sowjetmacht, die eine Kommunikation unter Sozialdemokraten durch Pressezensur und Komunikationsbeschränkungen fast unmöglich gemacht hatte. Der Bruch zwischen Führung und Basis, die einem Zusammenschluss von KPD und SPD eher ablehnend gegenüberstand, lässt sich jedoch nicht allein durch das repressive Vorgehen der SMAD erklären, da die Kommunikationssperre in Berlin nicht so effektiv erfolgen konnte wie in der SBZ. Bereits der Kompromiss vom 21. Dezember hatte in Berlin zu Aufruhr geführt, die Kapitulation des ZA vor der Sowjetmacht verschlechterte das Verhältnis von Basis und Führung weiter. Kleine und mittlere Funktionäre initiierten schließlich eine Urabstimmung aller SPD-Mitglieder, die am 31. März 1946 stattfand, 82% lehnten eine Vereinigung ab, 60% befürworteten jedoch eine enge Zusammenarbeit von KPD und SPD. In der SBZ wurde diese Urabstimmung untersagt.

Die Sowjetische Militäradministration, die KPD und die Mitglieder des Zentralausschusses setzten sich über das Ergebnis hinweg und gründeten am 20. April 1946 die SED. Unter dem Schutz des Viermächte-Status bestand die SPD in Berlin jedoch weiter. Bei den Stadtbezirkswahlen am 20. Oktober 1946 erzielte sie in ganz Berlin über 48 Prozent der Stimmen und war auch in Ostberlin die stärkste Partei geworden. Die SMAD behinderte die Arbeit der Funktionäre erheblich, außerdem wechselten Funktionsträger der mittleren Führungsebene zur SED. Nach dem Auszug der sowjetischen Besatzungsmacht aus dem Alliierten Hauptquartier im Juli 1948 existierte keine gemeinsame Verwaltung der Vier-Sektoren-Stadt mehr. Obwohl Sozialdemokraten wegen ihrer Parteizugehörigkeit aus der Verwaltung ausgeschlossen wurden, die endgültige Spaltung der Stadt bereits 1948 greifbar und eine politische Mitgestaltung unter diesen Umständen nicht mehr möglich war, wurde die Parteiorganisation der SPD in Ostberlin bis 1961 aufrechterhalten. Die acht Ostberliner Kreisorganisationen mit ihren 13.000 Mitgliedern stellten, wie Willy Brandt es ausdrückte, eine „demokratische Insel im Sowjetmeer“ dar.

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