FES / Internationale Gewerkschaftspolitik / Unsere Arbeit in den Regionen / Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika

Unsere Arbeit in den Regionen

Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika

© Giorgio Fochesato - Istockphoto.com

Politische Rahmenbedingungen und Situation der Gewerkschaften

Die politischen Rahmenbedingungen in der Region Nahost/Nordafrika waren über Jahrzehnte nicht förderlich für freie, demokratische Gewerkschaftsarbeit. In vielen Ländern waren Gewerkschaften eng mit den Regierungen, darunter viele autoritäre Regime, verbunden und kamen ihrer Rolle der Vertretung von Arbeitnehmer_inneninteressen gar nicht oder nur unzureichend nach. Als Stützen der bestehenden politischen Systeme waren sie auf die finanzielle Unterstützung der Regierungen angewiesen und vielfach auch an der Verteilung der Pfründe beteiligt. Meinungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit sowie grundlegende gewerkschaftliche Rechte waren in vielen Ländern gravierenden Einschränkungen unterworfen und die Unterdrückung unabhängiger gewerkschaftlicher Organisationen Teil des politischen Alltags.

Mit den politischen Umwälzungen des arabischen Frühlings sind diese verkrusteten Verhältnisse zumindest in einigen Ländern aufgebrochen, so dass heute eine neue Dynamik in der arabischen Gewerkschaftsbewegung zu erkennen ist. Im Zuge des Wandels hat sich etwa in Tunesien der alte Gewerkschaftsdachverband emanzipiert und demokratisiert und den demokratischen Transformationsprozess im Land maßgeblich vorangetrieben und mitgestaltet. In vielen anderen Ländern haben sich neue, unabhängige Gewerkschaften gegründet, welche sich von den etablierten Gewerkschaftsstrukturen und ihren politischen Positionen klar abgrenzen. Mit der Gründung eines Arabischen Gewerkschaftsbundes (ATUC) innerhalb des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) im Oktober 2014 sind auch neue regionale Strukturen zur besseren Vernetzung der arabischen Gewerkschaften geschaffen worden.

In der ganzen Region sehen sich die Gewerkschaften wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen gegenüber, die gemeinsam mit dem Unmut über die politischen Systeme ausschlaggebend für die Protestbewegungen der letzten Jahre waren. Die Ansätze politischen Wandels haben daran bisher kaum etwas geändert – weiterhin prägen starke soziale Ungleichheit, hohe Arbeitslosigkeit, mangelnde soziale Sicherung und fehlender wirtschaftlicher Aufschwung das Bild. Ein großer informeller Sektor in den meisten Ländern trägt zur Verschärfung der sozialen Probleme bei. Gewerkschaften sind als Vertreter von Arbeitnehmer_inneninteressen von den soziopolitischen Problemen unmittelbar betroffen, treten jedoch in vielen Ländern der Region wirtschafts- und sozialpolitisch bisher kaum in Erscheinung.

Die Gewerkschaftsarbeit der FES

Die Gewerkschaftsarbeit der FES in der Region wird derzeit vor allem von den neun Länderbüros umgesetzt, die nationale Dachverbände und zum Teil auch Branchengewerkschaften beraten und unterstützen. Auf regionaler Ebene wird ein Regionales Gewerkschaftsprojekt mit Sitz in Tunis aufgebaut, das an die neue Dynamik in der arabischen Gewerkschaftsbewegung anknüpfen möchte. Im Mittelpunkt sollen dabei die  Konsolidierung progressiver gewerkschaftlicher Ansätze sowie ihre programmatische Stärkung stehen, damit sie Arbeitnehmer_inneninteressen effektiv und demokratisch vertreten und sich aktiv in sozial- und wirtschaftspolitische Reformprozesse einbringen können. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Beteiligung von Frauen und Jugend. Ein weiterer regionaler Schwerpunkt ist der Aufbau transnationaler betrieblicher und branchenspezifischer Gewerkschaftsnetzwerke in Zusammenarbeit mit den Global Union Federations (GUFs) über das Globale Gewerkschaftsprojekt der FES, der den Sozialdialog auf globaler Ebene, u. a. in Form Internationaler Rahmenabkommen, stärken soll.

Kontakt:

Hannah Steinfeldt

Friedrich-Ebert-Stiftung
IEZ / Referat Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika
Hiroshimastraße 28
D-10785 Berlin
Tel.: (030) 26935-7419
Fax: (030) 26935-9233
Hannah.Steinfeldt[at]fes.de


Regionales Gewerkschaftsprojekt Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika

Merin Abbass
Friedrich-Ebert-Stiftung
4, rue Bachar Ibn Bord
2078 La Marsa - Corniche, Tunesien
Tel.: +216-71775343
Fax: +216-71742902
Merin.Abbas[at]festunis.org

 

Weiterführende Informationen:

Weitere Informationen auf der
>>> Website des Regionalen Gewerkschaftsprojekts


Publikationen zur Region Naher/ Mittlerer Osten und Nordafrika finden Sie hier