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Internationale Politik und Gesellschaft
International Politics and Society

Fokus: Weltpolitik / Krieg und Frieden
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Kräftekonstellationen, Bündnisse, Geopolitik

Konflikt- und Friedensstrukturen

Sicherheitsrisiken

Die klassische realpolitische Perspektive auf das Weltgeschehen stellt internationale Kräftekonstellationen, Konflikt- und Bündnisstrukturen in den Vordergrund. An ihnen setzt ein Großteil des Nachdenkens über Probleme, Lösungsoptionen und Zukunftsperspektiven an. "Sicherheit" ist dabei eine zentrale Kategorie. Aus der Sicht des einzelnen Staates ergibt sich die "klassische" außenpolitische Perspektive, die einen globalen Blickwinkel einnehmen bzw. auf Zielregionen fokussiert sein kann.

Aber der Kampf um Macht und Einfluss definiert nur eine Perspektive auf das Weltgeschehen. Seine Zähmung, Zivilisierung und letztendliche Überwindung eine andere. Die Einbindung der souveränen Staaten in ein System suprastaatlicher "Governance"-Strukturen gilt dabei als der Weg schlechthin zur Überwindung realpolitischer Nullsummenspiele. Die Vorstufe sind multilaterale Strukturen der Politikabstimmung und der Streitschlichtung.

Die Ereignisse des 11. September 2001 haben den Blick endgültig freigegeben auf eine neue Dimension internationalen Machtkampfes: Nichtstaatliche Akteure fordern von außen einen Staat oder eine Gruppe von Staaten heraus. Als Ergebnis kann es zur Frontstellung "Gemeinschaft der Staaten" gegen die Herausforderer (Terroristen, Mafia, Piraten), aber auch zur Neupositionierung von Staaten im internationalen Gefüge - zu neuen Frontstellungen, Allianzen, Machtverschiebungen - kommen. Die nichtstaatliche Herausforderung wird unweigerlich auf die Staatenwelt projiziert.

 

KRÄFTEKONSTELLATIONEN, BÜNDNISSE, GEOPOLITIK

Das transatlantische Bündnis
Kampf um die Positionierung der Staatenwelt

Unter der "realistischen" Perspektive ist das Verhalten und Verhältnis der wichtigen Akteure im internationalen Geschehen das zentrale Element deskriptiver und normativer Analyse. Wichtig sind insbesondere die (globalen oder regionalen) "Großmächte" und diejenigen Staaten, die bestehende Ordnungen offen in Frage stellen.

Das Ende des Kalten Krieges markiert dabei eine Wasserscheide, die lange Zeit die außenpolitische Problemwahrnehmung und deren wissenschaftliche Reflektion beschäftigte. Neue geopolitische Rivalitätsstrukturen begannen sich herauszubilden, latente alte Konfliktlinien gewannen an neuer Brisanz. Der 11. September 2001 mag sich als neue Wasserscheide erweisen.

Das transatlantische Bündnis

Das auf den einstigen Ost-West-Konflikt orientierte westliche Bündnis hatte nach 1990 seine wesentliche raison d'être verloren und ist seitdem in turbulenteres Fahrwasser geraten. Einerseits ließ "realpolitische" Interessenpolitik eine Art asymmetrische Rivalität zwischen den Bündnispartnern stärker hervortreten. Andererseits stand immer auch die Idee einer Wertegemeinschaft im Raum, die unabhängig von Bedrohungsszenarien Bestand hat und letztlich für alle Staaten "guten Willens" offen sein müsste. Mit dem 11. September 2001 hat das Bündnis "schlagartig" wieder einen Feind und eine verstärkte Wertefundierung als wehrhafter Kern der "zivilisierten" Welt bekommen (siehe hierzu das AIP-"Politikinfo" Welt im Herbst: Neue Risiken und neue Fronten nach dem 11. September).

Transatlantische Interessendivergenzen sind aber nicht überwunden; denn sie leiten sich aus fortbestehenden strukturellen Ursachen ab, nämlich

Vorerst aber sehen beide Seiten das Bündnis noch als politischen Aktivposten, dessen Wert es zu bewahren und gegen Abnutzungserscheinungen zu schützen gilt. Diese Perspektive kennzeichnet den Transatlantik-Schwerpunkt in der 2/2001-Ausgabe von IPG (Peter Rudolf: "A Distinctly American Internationalism". Amerikanische Weltpolitik unter Präsident George W. Bush; Größere Berührungsflächen - mehr Reibungspunkte. Amerika und Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Ein Gespräch mit Karsten D. Voigt; Oliver Thränert: Transatlantische Beziehungen in der Krise) sowie Gerd Föhrenbachs Beitrag in der 1/2001-Ausgabe (Die transatlantische Sicherheitspartnerschaft an der Schwelle zum 21. Jahrhundert).

 

Kampf um die Positionierung der Staatenwelt

Das Machtgefälle zwischen der "einzigen verbliebenen Supermacht" USA und anderen Großmächten mit offenem oder latenten Anspruch auf Statusgleichheit mit den USA hat sich nach 1990 bislang als prägendes Strukturmerkmal der Weltpolitik herausgeschält. In den Augen Vieler ist das zentrale strategische Ziel der US-Außenpolitik der Erhalt ihrer Vormachtstellung (z.B. Stephan Böckenförde: Militärische Gewalt als Mittel künftiger amerikanischer Außenpolitik in IPG 4/2001). Eine Re-Ideologisierung der Weltpolitik im Namen des Antiterrorismus könnte diesem Ziel zugute kommen. Andererseits stellt die US-Hegemonie eine Herausforderung für andere weltpolitische Akteure dar - Großmächte wie China, kleine Staaten, die sich als Opfer sehen (Kuba u.a.), nichtstaatliche Anwälte "gedemütigter" Völker oder Kulturen (islamistische Terroristen).

Der Kampf der Staaten um Macht und Einfluss hat geographische Arenen, findet aber auch in den Gremien der sich evtl. herausbildenden "Global Governance" (UNO, IWF, WTO) statt. Nach dem Ende des Kalten Krieges haben zudem regionale "Machtspiele" an Bedeutung gewonnen, besonders deutlich wahrnehmbar in Südasien.

Arena der internationalen Organisationen
Osteuropäische Arena
Arena Kaspische Region
Arena Naher Osten
Ostasiatische Arena
Südasiatische Arena

Arena der Internationalen Organisationen

Die Gremien der "Global Governance", allen voran die Vereinten Nationen, können als Ansatz gesehen werden, dem Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts entgegenzusetzen (vgl. unten Friedensstrukturen). Aber sie sind auch Arenen, in denen die Staaten ihre Interessen durchzusetzen suchen. Der Einfluss dieser Gremien auf das Weltgeschehen macht den Einfluss auf ihre Entscheidungen zum wichtigen Ziel staatlicher Machtpolitik. So ist die Vorherrschaft des Westens bzw. der USA im internationalen Währungsfonds ein ebenso wichtiger wie umkämpfter Parameter weltpolitischer Machtstrukturen. Damit befasst sich u.a. das AIP-"Politikinfo" Die Reform des Internationalen Währungsfonds. Der weltpolitische Herausforderer China sucht mit seinem Eintritt in die WTO nicht zuletzt auch mehr Einfluss auf die Politik dieser Organisation zu erlangen (Jürgen Kahl: Großer Sprung in die Globalisierung. China vor dem Beitritt in die WTO in IPG 4/2001).

Osteuropäische Arena

Der Kampf um Einflusssphären im Kontext der ideologiefreien asymmetrischen Rivalität trat an den Rändern des einstigen "Ostblocks" verstärkt zutage. Das geschwächte Russland ist dabei allerorten in die Defensive geraten. Im Westen steht die zweite Phase der NATO-Osterweiterung auf der Tagesordnung. Am Südwestrand - auf dem Balkan - haben sich die USA als Ordnungsmacht etabliert - auf Russlands Kosten, meint John Steinbruner in der 3/1999-Ausgabe von IPG (The Consequences of Kosovo). Neuerdings sucht Russland verlorenes Terrain als sicherheitspolitischer Partner der USA gegen den gemeinsamen Feind "Terrorismus" wiederzugewinnen

Arena Kaspische Region

In der Region um das Kaspische Meer mit seinen Ölreserven und Transitrouten spricht man von einer Neuauflage des "Great Game". Siehe hierzu Conrad Schetter: Afghanistan zwischen Chaos und gezielter Machtpolitik in der 2/1998-Ausgabe und Uwe Halbach: Zentralasien: Eine Weltregion formiert sich neu in der 3/1997-Ausgabe von IPG. Auch hier kann der Kampf gegen militanten Islamismus neue Akzente setzen.

Arena Naher Osten

Im Nahen Osten stellt die Kontrolle über die dortigen Ölreserven den Hintergrund dar, vor dem alle Auseinandersetzungen, wie der Palästinakonflikt, die Ächtung Saddam Husseins und auch der Kampf gegen Bin Laden interpretiert werden müssen. Dieser Punkt wird aufgegriffen in den AIP-"Politikinfos" Welt im Herbst: Neue Risiken und neue Fronten nach dem 11. September sowie 11.September 2001: Anschläge auf welche Zivilisation?.Siehe auch Andrä Gärber: Die politische Lage im Nahen Osten und Nordafrika nach dem 11. September in IPG 1/2002.

Ostasiatische Arena

In Ostasien, das auch zu Zeiten des Kalten Krieges bereits von einer tripolaren Kräftekonstellation geprägt war, haben sich für das nicht mehr imperiale Russland neue Allianzmöglichkeiten - und damit neue Herausforderungen für die USA - eröffnet. Siehe Buchbesprechung Russia and Asia: The Emerging Security Agenda (IPG 1/2001).

Südasiatische Arena

Die Dauerauseinandersetzung zwischen Indien und Pakistan um Kaschmir könnte zum ersten Atomkrieg nach Hiroshima führen, meint Heinrich Kreft in der 1/1999-Ausgabe von IPG (Der eskalierende Konflikt in Südasien). Es geht aber in der Region nicht nur um Kaschmir, sondern auch um Indiens Stellung in der Welt und nicht zuletzt seine Ambitionen vis-à-vis China. Hierzu schreiben in der IPG Muchkund Dubai (India: Outstanding Achievements and Dismal Failures, 1/2000-Ausgabe) und C.Raja Mohan (India and Nuclear Weapons, 4/1998-Ausgabe).

 

KONFLIKT- UND FRIEDENSSTRUKTUREN

Globale Ordnungsstrukturen
Supranationale Strukturen im Westen

Multilaterale Ansätze in Asien
Konfliktstoff Identitätspolitik
Der Sonderfall Palästina
Frieden durch Demokratie
Ordnungspolitik und Machtpolitik

Die "realistische" Sicht des internationalen Geschehens setzt an der Souveränität der Staaten und der damit verbundenen prinzipiellen Anarchie der Staatenwelt an. Die daraus abgeleitete, inhärent konfliktträchtige, politische Rationalität ließe sich jedoch vielleicht durch zwei Mechanismen überwinden: demokratische Kontrolle von innen durch die Bürger und Kontrolle von außen durch suprastaatliche "Governance"-Strukturen. Man kann dies als "Zivilisierung" der Staatenwelt sehen.

Konflikte entstehen aber nicht nur aus der Struktur der Staatenwelt. Weitere Konfliktquellen sind:

  • Wirtschaftsweisen, die Rivalitäten (etwa um Ressourcen oder um Märkte) begründen,
  • der Diskrepanz zwischen der der heutigen Staatenwelt zugrundeliegenden "nationalen Idee", d.h. der Vorstellung, dass den Staaten Völker ("Nationen") entsprechen, und dem historischen Erbe vieler staatenloser Völker. Siehe unten Konfliktstoff Identitätspolitik.

Globale Ordnungsstrukturen

Die Staatenwelt hat frühzeitig Normen des zwischenstaatlichen Umgangs entwickelt. Sie fanden ihre Kodifizierung im klassischen Völkerrecht. Sie hat darüber hinaus Ansätze friedlicher Konfliktbewältigung und gemeinsamer globaler Problembewältigung entwickelt. Hierfür steht die Einrichtung "Vereinte Nationen". Die immer wieder vorgeführten Grenzen ihrer Wirksamkeit rühren daher, dass sie letztlich auf die Aufhebung nationaler Souveränität hinausläuft. Hierzu schreibt Stephen Schlesinger in der 4/1999-Ausgabe von IPG (Transcending or Defending the World of States? The United Nations and its Members).

Es ist schwer vorstellbar, dass die mächtigen Staaten - derzeit allen voran die USA - ihre Souveränität zugunsten einer Weltordnungsinstanz aufgeben werden. Andererseits wächst der Druck jener Probleme, die sich nationalen Lösungen versperren ("global commons"), was eine "Global Governance" mit niedrigem Profil befördern kann, die jedoch halt macht vor Fragen von Krieg und Frieden.

Der Weg zu einer globalen Friedensordnung ist allerdings in einigen nationalen Verfassungen (u.a. der deutschen), die das Recht auf Krieg für die eigene Nation drastisch einschränken, angelegt. Die Frage ist, wie weit solche Friedensverpflichtung einen Prozess hin zu einer Weltfriedensordnung voranbringt. Die "reale Welt des Krieges" mag Verstrickungen bereit halten, aus denen sich auch programmatische Friedensfreunde wie die Grünen in Deutschland schwer lösen können. Eine derartige Verstrickung diskutiert Robert Ch. van Ooyen in der IPG 1/2002 (Die neue Welt des Krieges und das Recht. Out-of-area-Einsätze der Bundeswehr im verfassungsfreien Raum).

Supranationale Strukturen im Westen

Das westliche Bündnis, selbst geopolitischer Akteur, sieht sich mit einem Auge als Nukleus einer weltweiten Friedensgemeinschaft - in erster Linie aufgrund seiner demokratischen Wertebasis. Paradigmatische Bedeutung hat auch das Projekt der Europäischen Einigung, wobei zur demokratischen Kontrolle von innen die Souveränitätsabtretung nach außen kommt (vgl. Werner Kamppeter: European Integration and the Price of Peace in IPG 2/2000). Eine weichere Art der Souveränitätsabtretung und internationalen Vergemeinschaftung legt Ernst-Otto Czempiel (Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung) seinem Projekt einer gesamteuropäischen Friedensordnung zugrunde (Eine neue Ordnung für Europa, IPG 4/1998). Er sieht dies als dezidiertes Gegenprojekt gegen die immanent konfliktträchtige klassische Machtpolitik, zu der die USA aufgrund ihrer momentanen Stärke tendieren (siehe Czempiel: Die Versuchung der USA in der 2/1997-Ausgabe). Den gleichen Grundgedanken macht Dirk Messner (Stiftung Frieden und Entwicklung) in der 1/2001-Ausgabe zum Leitbild für eine künftige EU-Außenpolitik. (Kooperative Weltmacht. Die Zukunft der Europäischen Union in der neuen Weltpolitik).

Mulitlaterale Ansätze in Asien

Multilaterale Strukturen European-style auch in Asien? Hierzu berichtet Eric Teo aus Singapur in der 1/2001-Ausgabe und plädieren Nikolas Busse / Hanns Maull (Universität Trier) in der 3/1999-Ausgabe von IPG. (Eric Teo: The Emerging Regionalism in East Asia, Nikolaus Busse / Hanns Maull: Enhancing Security in the Asia-Pacific. European Lessons for the ASEAN Regional Forum). Ähnlich wie im Westen durch die USA werden die Grenzen eines gleichberechtigten Multilateralismus in Asien durch das Bestehen der „Weltmacht“ China auf dem klassischen Souveränitätsprinzip markiert (siehe Qingguo Jia: The Evolution of Chinese Foreign Policy since the 1980s in der 2/1999-Ausgabe von IPG).

Konfliktstoff Identitätspolitik

Der inhärenten Konfliktträchtigkeit der anarchischen Staatenwelt lassen sich stabilisierende multilaterale, Interdependenz erhöhende Strukturen entgegensetzen. Dies setzt freilich eine grundsätzliche Friedensdisposition voraus, die gleichsam den Normalfall beschreibt. Die Funktion der Friedensstrukturen wäre es, den Normalfall zu perpetuieren. Vielfach geht es hingegen darum, eine derartige Friedensdisposition überhaupt erst herzustellen. Dies ist par excellence dort der Fall, wo die Zugehörigkeit von Menschengruppen zu Staaten umstritten ist. Man könnte hier vom unvollendeten Projekt der nationalstaatlichen Weltordnung sprechen, das nach dem Ende des Kalten Krieges und der Freigabe früherer staatlicher Zwangszusammenschlüsse wieder in den Vordergrund gerückt ist. Siehe zu diesem Problemkomplex die Buchbesprechungen Neue und alte Kriege. Organisierte Gewalt im Zeitalter der Globalisierung in IPG 4/2001 und Mörderische Identitäten in IPG 4/2001.

Zu den z.Zt. besonders virulenten Fällen gehört der Kaschmirkonflikt, in dem das klassische Sicherheitsdilemma des souveränen Einzelstaates eine wichtige konfliktverstärkende Rolle spielt. Mehr Interdependenz würde hier zumindest das Risiko eines offenen Krieges mindern und den Kaschmirkonflikt gleichsam "einfrieden" (siehe Heinrich Kreft: Der eskalierende Konflikt in Südasien in IPG 1/1999).

Die "Gemeinschaft der Staaten" hat identitätspolitische Konflikte in unterschiedlichem Maße als friedenspolitische Herausforderung angenommen. Hiermit befasst sich die 4/1999-Ausgabe von IPG (Bernard von Plate: Notfalls mit Gewalt. Zur künftigen Rolle der OSZE als Friedensstifter, Winrich Kühne: Peace Support Operations: How to Make them Succeed). Andreas Wittkowsky diskutiert in der 4/2000-Ausgabe die Friedenschancen im Kosovo-Konflikt auf (Give War a Chance? Optionen zur Konsolidierung des Kosovo). Siehe auch die Buchbesprechung Krisen, Kriege, Konflikte. Die Weltgemeinschaft vor neuen Gefahren in der 4/2000-Ausgabe. Innergesellschaftliche Strukturen, die das identitätspolitische Konfliktpotenzial entschärfen können, stellt der Soziologe Amitai Etzioni in der 2/2001-Ausgabe in den Vordergrund (On Ending Nationalism).

Sonderfall Palästina

In Palästina liegt - machtpolitisch gesehen - eine total asymmetrische Konstellation vor. Das Friedensproblem besteht im Übergang zu einer stabilen Symmetrie. Dies ist das zentrale Thema der 3/2001-Ausgabe von IPG:

In der 1/2002-Ausgabe diskutiert Matthes Buhbe einem möglichen Strategiewechsel des alles entscheidenden "Brokers" USA (Strategiewechsel im Nahostkonflikt?).

Frieden durch Demokratie

Das prinzipielle Sicherheitsdilemma der souveränen Staaten ist - einer weithin anerkannten These gemäß - weit weniger konfliktträchtig, wenn die staatliche Politik demokratisch auf die Interessen ihrer Bürger verpflichtet ist. Auch die Zähmung gewaltsamer interner Konflikte läuft letztlich auf die Etablierung bzw. Stärkung demokratischer Prozesse der Konfliktaustragung hinaus. Chetan Kumar diskutiert dies am Beispiel Haiti in der 4/1999-Ausgabe von IPG (Chetan Kumar: Sustainable Peace as Sustainable Democracy. The Experience of Haiti).

Die neue Welt "entstaatlichter" Kriege stellt auch friedliebende Demokratien vor schwierige Herausforderungen. Gegen welche Art von nichtstaatliche Gewalt ist staatliche Gegengewalt legitim? Robert Ch. van Ooyen schreibt hierzu in der IPG 1/2002 (Die neue Welt des Krieges und das Recht. Out-of-area-Einsätze der Bundeswehr im verfassungsfreien Raum).

Ordnungspolitik und Machtpolitik

Dass der Aufbau von Friedensstrukturen auch auf missliche Weise mit Machtstrukturen verbunden ist, ist mit den NATO-Interventionen im ehemaligen Jugoslawien überdeutlich geworden. Sogenannte Humanitäre Interventionen befördern nicht nur die Sache der „Zivilität“, sondern mitunter auch die geopolitischen Interessen der Ordnungsmächte (Siehe hierzu: John Steinbruner: The Consequences of Kosovo in IPG 3/1999).

SICHERHEITSRISIKEN

Wer sind unsere – des Westens – Feinde?
Terrorismus

Rüstungskontrolle
Aufrüstung

Die sicherheitspolitischen Herausforderungen, denen sich Staaten gegenüber sehen, sind sozusagen die Kehrseite der internationalen Konflikt- und Kräftekonstellationen. Antworten lassen sich im Rahmen des "klassischen" Paradigmas der anarchischen Staatenwelt formulieren. Hier zielen sie auf Stärke (Rüstung und Verbündete). Sie lassen sich auch im Rahmen eines Paradigmas der Friedensstrukturen formulieren. Hier steht nicht Auf-, sondern Abrüstung im Vordergrund. Die Politik der Stärke hat sich allerdings von jeher auch friedenspolitisch gerechtfertigt hat (si vis pacem, para bellum). Die jäh in den Vordergrund gerückte Herausforderung des Terrorismus lässt sich weniger klar auf Strukturen der Staatenwelt zurückführen, wenngleich diese nicht ausgeklammert bleiben.

Aus der Sicht der einzelnen Staaten ergeben sich neue sicherheitspolitische Herausforderungen aus dem Auftreten neuer Feinde und dem Machtzuwachs alter Feinde – beides natürlich nicht nur als Fakt, sondern auch als Erwartung/Befürchtung gesehen. Aus systemischer Sicht besteht die Gefahr vornehmlich darin, dass bestehende Kräfte-„Gleichgewichte“ gestört werden (etwa als Resultat längerer Prozesse, in deren Verlauf sich Unzufriedenheit akkumuliert oder Machtvorsprünge erodieren). Eine andere Gefahr ist, dass inhärente, evtl. unterdrückte, Konfliktdynamiken (siehe etwa Konfliktstoff Identitätspolitik) eskalieren.

Wer sind unsere – des Westens – Feinde?

Seit dem 11. September 2001 ist die Antwort wieder klar: der internationale Terrorismus, derzeit in Gestalt des militanten Islamismus. Endlich der von Huntington vorausgesagte Kampf der Kulturen? Möglicherweise. Zumindest entspricht das dem Wahrnehmungsmuster und dem politischen Ziel der Terrororganisation Al Qa'eda. Was macht sie zu Feinden des Westens? Hiermit befasst sich das AIP-"Politikinfo" 11. September 2001: Anschläge auf welche Zivilisation?.

Neue Konfliktlinien können alte überlagern, aber auch relativieren. Typischerweise schafft das Auftreten neuer Feinde auch neue Verbündete, zu denen selbst die Gegner von gestern gehören können. Der Westen kann versuchen, sie mit Konzessionen in die Antiterror-Allianz einzubinden (Palästina?). Unzufriedene mit der westlich/amerikanisch dominierten Weltordnung können versuchen, durch Eintreten in die Allianz zu punkten (Russland?). Zu solchen Fragen nimmt aktuell das AIP-"Politikinfo" Welt im Herbst: Neue Risiken und neue Fronten nach dem 11. September Stellung.

Es darf freilich nicht angenommen werden, dass die Herausforderung des Terrorismus in der Staatenstruktur verankerte machtpolitische Rivalitäten aus der Welt schafft. Die sich anbahnende Frontstellung USA-China, die Stephan Böckenförder in der 4/2001-Ausgabe von IPG hervorhebt (Militärische Gewalt als Mittel künftiger amerikanischer Außenpolitik), dürfte für die künftige Weltpolitik bedeutend bleiben. Andererseits wird die neue Antiterror-Allianz fundamentale Unzufriedenheiten mit der westlichen/amerikanischen Dominanz nicht beseitigen. Einige der Unzufriedenen mögen sich auf die Seite der Al Qa'eda stellen (Saddam Hussein?). Andere werden die postulierte Frontstellung Zivilisierte Welt vs. Terrorismus ablehnen und aus dieser Warte auf feindseliger Distanz zur machtpolitischen Figur "Der Westen" bleiben (Iran? Kuba?).

Terrorismus

Natur und Relevanz der terroristischen Herausforderung stehen im Zentrum dreier AIP-"Politikinfos":

In der 1/2002-Ausgabe von IPG schreibt Winfried Veit hierzu (Mit dem fundamentalistischen Terror leben); Hans-Ulrich Klose (Risiken in Kauf nehmen, um Risiken zu mindern) und Jens Uwe Hetmann (Weltweite Inklusionspolitik statt westlicher Selbstherrlichkeit) befassen sich mit der Antwort auf die Herausforderung.
Kai Hirschmann analysierte bereits in der 3/2000-Ausgabe von IPG das Terrorismus-Phänomen, das bis dato nur von wenigen als ernsthafte Bedrohung wahrgenommen wurde (The Changing Face of Terrorism).

Rüstungskontrolle

Die Wahrscheinlichkeit, dass sogenannte "Problemstaaten" die nötigen Machtmittel erwerben, um die Sicherheit des Westens zu gefährden, wird heute als hoch angesehen. In der 4/2001-Ausgabe von IPG plädiert Harald Müller allerdings für eine gelassenere Sichtweise (Middle Eastern Threats to the Atlantic Community). Den Club der Besitzer von Massenvernichtungsmitteln so exklusiv zu halten, wie bislang, erscheint insgesamt jedoch zunehmend problematischer. "Non-proliferation" ist das Stichwort. Hierzu: Oliver Thränert (ed.): Preventing the proliferation of weapons of mass destruction: what role for arms control? (1999), Stansfield Turner: Nuclear Non-Proliferation After India and Pakistan in der 4/1998-Ausgabe und die Buchbesprechungen The Coming Crisis. Nuclear Proliferation, U.S. Interests, and World Order in der 4/2001-Ausgabe sowie India's Nuclear Bomb. The Impact on Global Proliferation in der 1/2001-Ausgabe von IPG.

Aufrüstung

Vor allem gegen ABC-bewaffnete „Problemstaaten“ richtet sich das amerikanische Projekt eines Raketenabwehrsystems. Aber natürlich bliebe dies – im Rahmen der asymmetrischen Rivalität der Großmächte – nicht ohne Konsequenzen für das globale Kräftegleichgewicht und damit für die internationale Sicherheitslage aus systemischer Sicht. Offenbar sehen die Befürworter der Raketenabwehr „Problemstaaten“ als dauerhaften oder immer wiederkehrenden Fakt an. Die Option, auch sie in Friedensstrukturen einzubinden, erscheint ihnen zumindest als hoch riskant. Die Problematik wird diskutiert von

LITERATURTIPPS:

Gespräch mit Ernst-Otto Czempiel: "Das Verständnis von Bedrohung umpolen". In: Blätter für deutsche und internationale Politik, November 2001

Gerhard Stuby: Internationaler Terrorismus und Völkerrecht. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, November 2001

Erik Borg: Steinbruch Gramsci. Hegemonie im internationalen politischen System. In: iz3w, Oktober 2001

Peter Ludlow: Wanted: A Global Partner. In: The Washington Quarterly, Summer 2001

Michael Stürmer: Balance From Beyond the Sea. In: The Washington Quarterly, Summer 2001

Jeffrey D. Sachs: The Strategic Significance of Global Inequality. In: The Washington Quarterly, Summer 2001

Review Essay: Randall L. Schweller: The Problem of International Order Revisited. In: International Security, Summer 2001

Review article: Michael Clarke: War in the new international order. In: International Affairs, July 2001

Charles King: The Benefits of Ethnic War: Understanding Eurasia's Unrecognized States. In: World Politics, July 2001

Sibylle Tönnies: Weltfrieden und Völkerrecht: Made in the USA oder Aufgabe der UNO? In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Juli 2001

Henry Kissinger: America at the Apex. In: The National Interest, Summer 2001

Andrei P. Tsygankov: The final triumph of the Pax Americana? Western intervention in Yugoslavia and Russia's debate on the post-Cold War order. In: Communist and Post-Communist Studies, June 2001

Charles R. Beitz: Human Rights as a Common Concern. In: American Political Science Review, June 2001

Kurt P. Tudyka: Go West. Plädoyer für einen Beitritt der europäischen Staaten zur Amerikanischen Union. In: Vorgänge - Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, Juni 2001

Themenheft: Wird der Atlantik breiter? Internationale Politik Juni 2001

Tobias Debiel / Hartwig Hummerl: Weltpolitik in privaten Händen. Über Entstaatlichung und Kommerzialisierung. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Mai 2001

Michael T. Klare: The New Geography of Conflict. In: Foreign Affairs, May/June 2001

G.John Ikenberry: Getting Hegemony Right. In: The National Interest, Spring 2001

Mark W. Zacher: The Territorial Integrity Norm: International Boundaries and the Use of Force. In: International Organization, Spring 2001

Erik Gartzke / Quan Li / Charles Boehmer: Investing in the Peace: Economic Interdependence and International Conflict. In: International Organization, Spring 2001

Marvin C. Ott: East Asia: Security and Complexity. In: Current History, April 2001

Themenheft "Machtkonstellationen in Asien" Internationale Politik, April 2001

Lothar Schöter: Ein neuer Bellizismus für das 21. Jahrhundert? In: Utopie kreativ - Diskussion sozialistischer Alternativen, Februar 2001.

William Pfaff: The Question of Hegemony. In: Foreign Affairs, January/February 2001

Research Note "Stabilizing the Peace After Civil War: An Investigation of Some Key Variables. In: International Organization, Winter 2001

Michael W. Doyle / Nicholas Sambanis: International Peacebuilding: A Theoretical and Quantitative Analysis. In: American Political Science Review, December 2000

Anton Bebler: Rückkehr des Krieges. In: Europäische Rundschau - Vierteljahreszeitschrift für Politik, Wirtschaft und Zeitgeschichte, Heft 3/2000.

Bradley A. Thayer: Bringing in Darwin: Evolutionary Theory, Realism, and International Politics. In: International Security, Fall 2000.

Samuel Berger: A Foreign Policy for the Global Age. In: Foreign Affairs, November/December 2000.

Themenschwerpunkt "Europäische Sicherheit" in: Aus Politik und Zeitgeschichte 17. November 2000.

Review article: Nicholas J. Wheeler: Humanitarian intervention after Kosovo: emergent norm, moral duty or the coming anarchy? In: International Affairs, January 2001.

Gu Xuewu: Strategische Irrtümer: Eine kritische Betrachtung der dominierenden Ansätze zur Gestaltung der Sicherheitsordnung in Ostasien. In: Asien - Deutsche Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur, Oktober 2000.

Bruce Kuniholm: The Geopolitics of the Caspian Basin. In: The Middle East Journal, Autumn 2000.

 

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