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Débats

La France et l'Allemagne
au sein de l'Europe

Jugendarbeitslosigkeit ohne Ausweg ?

Seminar der Friedrich-Ebert-Stiftung und des
Deutsch-Französischen Jugendwerks

vom 2.10.1997 in Paris

Publication No. 1/1998

Am 2. Oktober 1997 veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) im Pariser "Maison de l'Amérique Latine" eine Konferenz zu Fragen der Berufsbildung und Jugendarbeitslosigkeit. Das deutsch-französisches Expertentreffen, an dem hochrangige Vertreter der zuständigen Ministerien und der Sozialpartner teilnahmen, diente, wie Dr. Stetter, der Leiter des Pariser Büros der Ebert-Stiftung, in seiner Begrüßung betonte, nicht nur der inhaltlichen Vorbereitung der Europäischen Berufsbildungskonferenz im November in Duisburg, sondern auch dazu, ein dauerhaftes Forum deutscher und französischer Berufsbildungsexperten zu schaffen.

Als Mitveranstalter wies der Generalsekretär Herr BELLANGER vom DFJW in seiner Begrüßung der Teilnehmer darauf hin, daß ein Viertel der Mittel seiner Institution für berufsorientierende Maßnahmen ausgegeben werden. Dazu gehören auch 8-12 wöchige Bildungsmaßnahmen für Arbeitslose im Ausland. Durch diese Aufenthalte lassen sich deren Vermittlungschancen auf dem nationalen Arbeitsmarkt signifikant steigern. Im Rahmen des vom DFJW bei der EU beantragten Projektes TRANSNET soll durch aktives Engagement lokaler Partnerorganisationen die Suche nach Praktikumsplätzen in Betrieben künftig erheblich erleichtert werden.

Stellungnahmen französischer und deutscher Jungsozialisten
Damit nicht nur Experten "über" junge Leute sprechen, wurden die Einführungsreferate von jeweils einem Vertreter der Jungsozialisten beider Länder gehalten.

Franck PUPUNAT vom "Mouvement des jeunes socialistes" - der der französischen Sozialistischen Partei (PS) nahestehenden Jugendorganisation - verwies zu Beginn seines Beitrages auf die große Bedeutung von Arbeit für die soziale Anerkennung und die sozialen Bezüge der Menschen. Diese Einstellung wird auf dem Hintergrund der Knappheit an Arbeitsplätzen in unseren Gesellschaften zunehmend problematisch.

Zwar hat gegenüber früheren Zeiten eine offene Ausbeutung in der Arbeit abgenommen. Daß dies jedoch nicht alle Arbeitnehmer betrifft, zeigen Umfragen in Frankreich, die deutlich machten, daß noch immer zwei von drei Beschäftigten ihren Arbeitsplatz während der Arbeitszeit nicht verlassen dürfen.

Die Beschäftigungsprobleme Jugendlicher spiegeln seiner Ansicht nach generelle Probleme des Arbeitsmarktes. Insofern gilt es, allgemeine, die Arbeitslosigkeit insgesamt betreffende Lösungen zu finden. Dabei stehen zwei Wege zur Auswahl: zum einen Strategien, die den Abbau von Arbeitslosigkeit durch mehr Wachstum anstreben. Auf dieser Denktradition basieren auch die (meisten) europäischen Programme. Die andere Lösungsstrategie will mehr Beschäftigung über Arbeitszeitverkürzung erreichen.

Mit dem von der neuen französischen Regierung vorgeschlagenen Beschäftigungsprogramm sollen sich die Sozialpartner darauf einigen, in den nächsten zwei Jahren die 35-Stundenwoche ohne Lohnreduzierung einzuführen. Als Zukunftsoption möchte man zudem eine weitere Reduzierung auf 32 Stunden.

Wie schon im Wahlkampf angekündigt, sollen im öffentlichen und im privaten Sektor jeweils 350.000 Arbeitsplätze für Jugendliche bzw. junge Erwachsene geschaffen werden. Im privaten Sektor soll dies ermöglicht werden mittels der Formel: staatliche Förderung der Beschäftigung junger Menschen gegen Frühverrentung für Arbeitnehmer vom 55. Lebensjahr an. Bei der Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen im öffentlichen Sektor läßt sich die französische Regierung von dem Gedanken einer Verbesserung sozialer Dienste leiten. Angestrebt werden zusätzliche Arbeitsplätze in neuen Berufen in den Bereichen Kinderbetreuung, Kriminalitätsprävention, Mieterberatung etc.

Zum Handeln ist die Regierung gezwungen aufgrund der Arbeitsmarktsituation Jugendlicher. 25% der Jugendlichen unter 25 Jahren in Frankreich sind arbeitslos. Jugendliche sind beim Berufseintritt strukturell benachteiligt. Dies zeigt sich u.a. darin, daß sie ihre erste Tätigkeit häufig in Arbeitsstellen mit ungewissen Aussichten oder zeitlicher Begrenzung beginnen. Inflationsbereinigt ist zudem die Entlohnung junger Berufsanfänger heute um 6% niedriger als vor zehn Jahren. 18% der Haushalte in der Altersgruppe unter 30 Jahren haben ein Einkommen unter 3300 FF.

Die allgemeinen Intentionen des Regierungsprogramms mit dem Titel "Nouveaux emplois, nouveaux services" lassen sich mit dem Begriff einer "solidarischen Ökonomie" umschreiben. Diese Programmatik beinhaltet die Schaffung neuer - nicht unbedingt ökonomisch, aber doch sozial rentabler - Tätigkeiten.

An wen richtet sich das Programm? Zunächst an junge Menschen unter 26 Jahren bzw. unter 30, wenn diese noch keine Leistungen der Arbeitsverwaltung bezogen haben. Dabei soll das Qualifikationsniveau keine Rolle spielen. Als Anstellungsträger im öffentlichen Bereich vorgesehen sind zu drei Viertel freie Träger und Gebietskörperschaften; für das verbleibende Viertel kommen staatliche Ministerien oder andere öffentliche Verwaltungen in Frage. Die Arbeitsverträge sind privatrechtlicher Natur. Sie sind auf 60 Monate befristet.

Die Einrichtung bzw. die Auswahl von Maßnahmen erfolgt so, daß die interessierten Einrichtungen ihre Vorschläge bei der jeweiligen Präfektur präsentieren, wo jeweils ein Steuerungskommitee die Maßnahmen koordiniert, begleitet und auswählt. Die entsprechende Förderzusage kann jährlich erneuert bzw. entzogen werden.

Die staatliche Förderung beträgt 80% des Mindestlohns (SMIC), d.h. 92.000 FF

im Jahr. 20% dieses Betrags müssen als Kofinanzierung von den jeweiligen öffentlichen Einrichtungen aufgebracht werden. Die zu schaffenden neuen Berufstätigkeiten sollen in bestehende Tarifverträge eingefügt werden bzw. sollen neue Tarifverträge geschaffen werden. Möglicherweise müssen auch neue Abschlüsse geschaffen werden, um diese neuen Tätigkeiten und Dienste zu professionalisieren und ihnen zu Anerkennung zu verhelfen.

Abschließend betonte Franck PUPUNAT, daß die neue französische Regierung im Rahmen globaler gesellschaftlicher Zielsetzungen erstmals mit den Konzepten bricht, mit denen bisher - auch unter sozialistischen Regierungen - Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit bekämpft wurden.

In der Diskussion wurde von einem deutschen Teilnehmer eingewandt, daß das französische Programm auf dem Papier durchaus konsistent sei, daß die deutschen Erfahrungen jedoch gegen seine Realisierungschancen sprächen. Weiter wurde gefragt, wie denn Arbeitgeber im Rahmen einer nationalen Beschäftigungskonferenz ohne massive Subventionen zu überzeugen sind, 350.000 Stellen zu schaffen und gleichzeitig auch noch die 35-Stunden-Woche einzuführen. Würde hier nicht eher ein bloßer Mitnahmeeffekt erreicht, und wie käme es zur Sicherstellung dauerhafter Arbeitsplätze?

In seiner Entgegnung machte der französische Jungsozialist deutlich, daß die Aussicht auf Weiterbeschäftigung nach Auslaufen der fünfjährigen Förderung sowie das Vorhandensein einer Kofinanzierung, ein wichtiges Auswahlkriterium sei. In dem Programm gäbe es seiner Meinung nach somit eine Interessenidentität zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Die Frage, was mit den Betroffenen nach Auslaufen der Fördermaßnahme geschieht, stellt man sich auch im Bildungsministerium, einem der wichtigen öffentlichen Anstellungsträger für das Regierungsprogramm. Es ist seines Erachtens aber auch an den Bürgern und an den Sozialpartnern, Vorschläge für Lösungen zu finden.

Im privatwirtschaftlichen Bereich kann man auf bereits bestehende Erfahrungen zurückgreifen. So ließe sich das System der Frühverrentungszuwendungen für Arbeitnehmer, die 40 Jahre lang Beiträge eingezahlt haben, auf freiwilliger Basis verallgemeinern. Im Austausch dafür müßten die Unternehmen junge Arbeitnehmer einstellen.

In ihrem Beitrag präsentierte Kerstin GRIESE als Vertreterin der SPD-Parteijugend Vorschläge der Jusos und der SPD zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Verwiesen wurde von ihr auf einen von der SPD im Bundestag eingebrachten Antrag für ein "Sofortprogramm für Arbeit und Beschäftigung für junge Männer und Frauen".

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Jugendwerk der Deutschen Shell zeigt hinsichtlich der allgemeinen Einstellungen junger Deutscher zwei Trends:

  1. die gesellschaftliche Krise hat die Jugend erreicht: ihre Angst vor Arbeitslosigkeit steigt, 45 % nennen Arbeitslosigkeit als Hauptproblem;
  1. Jugendverdrossenheit der Politik: Jugendliche haben den Eindruck, daß sich die Politik nicht für sie interessiert.

Neu ist, daß die Jugendarbeitslosigkeit derzeit in Deutschland über der allgemeinen Arbeitslosigkeit liegt. Im August 1997 betraf sie 544.000 (13,4%) junge Menschen unter 25 Jahren. Frauen und ausländische Jugendliche sowie junge Menschen ohne Ausbildung und solche mit Wohnsitz in Ostdeutschland sind besonders betroffen. Die Zahlen wären sogar noch höher, würde man die "Warteschleifen" berücksichtigen, in denen sich viele Jugendliche befinden. Die Dauer der Arbeitslosigkeit junger Menschen beträgt durchschnittlich vier Monate; zunehmend ist diese Personengruppe aber auch von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen (10% waren mehr als ein Jahr arbeitslos).

Unter den jungen Arbeitslosen ist der Anteil derjenigen hoch, die keine Ausbildung haben (etwa 90% der Arbeitslosen unter 20 haben keinen Berufsabschluß; in der Altersgruppe 20-24 sind es ca. 60%). Anzusetzen ist deshalb insbesondere bei der Ausbildung. Aufmerksamkeit ist auch der Situation junger Mädchen und Frauen zu widmen, deren Schulabschlüsse zwar besser seien, bei denen aber die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch sei. Dies erklärt sich u.a. damit, daß sich weibliche Jugendliche häufiger in außerbetrieblichen Ausbildungsgängen mit schlechteren Eingliederungseffekten befinden. In Ostdeutschland wandern noch immer viele Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung oder Beschäftigung nach Westdeutschland ab.

Folgende allgemeine Trends bestimmen die Entwicklung in Deutschland:

  1. Die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft mit neuen Tätigkeitsprofilen;
  2. Der Trend zu Informations- und Mediengesellschaft: Wobei sich Arbeitsabläufe und Inhalte verändern und Schlüsselqualifikationen wichtiger werden. Die Verfahren zur Neuordnung bzw. Einführung neuer Berufe werden dieser Entwicklung noch nicht gerecht (z.B. gibt es gerade drei neue Berufe im Medienbereich).
  3. Globalisierung: Die zunehmende internationale, ökonomische Verflechtung verlangt von den jungen Leuten mehr Mobilität, das Erlernen von Sprachen und eine bessere Kenntnis fremden Kulturen;
  1. Demografische Entwicklung: Das steigende Lebensalter hat Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme. Von daher bedarf es eines neuen Generationenvertrags. Berufsbiographien ändern sich, und Arbeitnehmer müssen flexibler und auch mit mehr Weiterbildungsbereitschaft reagieren. Die soziale Sicherung wird nicht mehr allein abhängig sein können von den Beitragszahlungen der abhängig Beschäftigten.
  1. Ein Trend zur Verstaatlichung der beruflichen Bildung: Im dualen System werden Ausbildungsplätze abgebaut, und in Ostdeutschland ist es erst gar nicht gelungen, ein funktionierendes "duales" Berufsbildungssystem aufzubauen. So hat die staatliche Finanzierung von beruflicher Bildung zugenommen, obwohl dies eigentlich Aufgabe der Wirtschaft ist.

Deshalb fordert die SPD-Fraktion von der Bundesregierung die Einrichtung eines Sofortprogramms "Arbeit und Beruf für junge Frauen und Männer". Damit sollen - im Vergleich zu Frankreich bescheidene - 100.000 Arbeitsplätze für junge Leute geschaffen werden.

Dieses Programm ist nur ein Baustein des arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitischen Gesamtkonzepts der SPD, welches auf den folgenden Säulen beruht:

  • Umweltgerechtes Wachstum;
  • Erschließung neuer Beschäftigungsfelder;
  • aktive Arbeitsmarktpolitik;
  • gerechtere Verteilung von Arbeit.

In dem genannten Sofortprogramm werden von der SPD sieben Maßnahmen vorgeschlagen:

  1. Umlagefinanzierung ("solidarische Ausbildungsfinanzierung");
  1. Ergänzung außerbetrieblicher Ausbildung mit regionalen Schwerpunkten in Ostdeutschland und in strukturschwachen Gebieten;
  1. Individualisierte Maßnahmen für benachteiligte Jugendliche (z.B. besondere Berufsvorbereitung);
  1. Neue Regelungen zur Erleichterung des Übergangs "Ausbildung-Beruf" ("2. Schwelle"): durch Reform der Altersteilzeit, wobei auch Modelle diskutiert werden , daß Jugendliche zunächst mit einem geringeren Zeitkontingent in den Arbeitsmarkt einsteigen und ihre Arbeitszeit später erhöht wird;
  2. Zielgerichteter Einsatz der Arbeitsmarktpolitik durch intensive Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen; wobei angestrebt wird, daß Arbeitslose unter 27 Jahren unabhängig von vorgängigen Beitragszahlungen einen Rechtsanspruch auf Fördermaßnahmen erhalten, und dann für sie ein gezielter Eingliederungsplan aufgestellt wird;
  1. Förderung lokaler Beschäftigungsinitiativen und von Selbsthilfegruppen in den Bereichen Umwelt, Kultur, Breitensport, Sozialbetreuung u.ä.;
  2. Bundesprogramm zum Nachholen von schulischen Abschlüssen.

Leitprinzip ist es, "Arbeit statt Arbeitslosigkeit" zu finanzieren. Wichtig ist aber auch der europäische Kontext. Daß es jetzt einen europäischen Beschäftigungspakt geben soll, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

In der auf den Beitrag folgenden Diskussion wurde von Seiten der französischen Gewerkschaften auf die Berufseingliederungsprobleme nach dem 25. Lebensjahr hingewiesen, weil sich der Berufseintritt immer stärker hinauszögert. Von deutscher Seite wurde auf eine Studie des BIBB zum Ausbildungsverhalten der Betriebe aufmerksam gemacht. Diese zeigt, daß Jugendarbeitslosigkeit ein Phänomen des Beschäftigungssystems insgesamt ist, d.h. der Rückgang des Ausbildungsplatzangebots auf dem Hintergrund eines generellen Rückgangs von Arbeitsplätzen stattfindet.

Alternierende Ausbildung in Frankreich
In ihrem Beitrag ging Thérèse BRODU als Vertreterin des französischen Arbeitsministeriums auf zwei Typen "alternierender" Ausbildung ein:

  1. die Lehrlingsausbildung ("apprentissage"): 1911 wurde diese traditionelle Form der Berufsausbildung durch einen zweiten schulischen Lernort ergänzt, und 1971 wurden die Lehrlingsausbildungszentren (CFA) geschaffen. 1983 wurde branchenübergreifend die Ausdehnung über das Facharbeiterniveau (Niveau V) hinaus beschlossen. Seit 1987 besteht eine Öffnung für alle Quali- fikationsniveaus.
  2. Qualifizierungsverträge ("contrats de qualification").

Die Finanzierung der Ausbildungsgänge (13 Mrd. FF "apprentissage", 8 Mrd. FF "contrats") geschieht wie folgt: (1) in der Lehrlingsausbildung werden die Mittel aufgebracht über die von den Betrieben zumeist in entsprechende Fonds der Kammern eingezahlte Lehrlingausbildungssteuer ("taxe d'apprentissage"); (2) bei den Qualifizierungsverträgen ("contrats de qualification") werden die von den Betrieben eingezahlten Beiträge von den Sozialpartnern verwaltet. Zwischen beiden Bereichen findet ein Finanzausgleich statt; so gingen 1 Mrd. FF, die im Rahmen der "contrats de qualification" eingenommen wurden, an die Lehrlingsausbildungszentren (CFA), in denen der schulische Teil der Ausbildung der Lehrlinge stattfindet.

Eine neuere Studie zeigt starke Unterschiede in den Zielgruppen beider Ausbildungsgänge. Während 65% der Lehrlinge zwischen 15-18 Jahren alt sind, sind dies nur 9% der Jugendlichen in den Qualifizierungsverträgen. Was das Qualizierungsniveau betrifft, so zeigt die genannte Studie, daß die Lehrlingsausbildung in der Regel auf niedrigerem Niveau stattfindet, als die Qualifizierungsverträge. 90% der Lehrlinge werden auf Facharbeiterniveau ausgebildet, während dies nur für 50% der Inhaber von Qualifizerungsverträgen gilt. Lehrlinge werden zudem häufiger in Kleinbetrieben (Handwerk, Gastronomie) ausgebildet.

  apprentissage

Insges:

290.000

contrats de qualification

Insges.

120.000

Abschlußniveau    
Facharbeiter-/Gesellenabschluß (CAP ): Niveau V/Vbis 90% 45%
berufliches Abitur 10% 36%
höhere Abschlüsse: Niveau I-III 4% 20%
Unternehmensgröße    
Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten 72% 45%
Unternehmen zwischen 10 und 50 Beschäftigten 17% 25%
Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten 11% 30%
Branche    
Dienstleistungen 55% 72%
Gewerbe (einschl. Bau) 22% 18%

Die folgende Tabelle beschreibt die Verteilung der Lehrlinge ("apprentissage") auf einzelne Beschäftigungs- bzw. Ausbildungsbereiche und Ausbildungsniveaus:

Niveau V (Facharbeiter/Geselle) Bau/Holzbearbeitung, Landwirtschaft/Lebensmittel, Elektro
Niveau IV
(berufliches Abitur)
insbesondere: Elektrotechnik, dann: Bau/Holzbearbeitung und Landwirtschaft/Fischerei/Gartenbau
Niveau III
(BTS: Abitur+)
vor allem Landwirtschaft, dann Handel, "industrielle

Basistechnologien"

Niveau II+I
(z.B. Ingenieur, Betriebswirt)
58% der Ingenieure werden von der gewerblichen

Industrie ausgebildet; 30% für kaufmännisch-verwaltende Tätigkeiten

Was die beruflichen Eingliederungseffekte betrifft, so zeigt sich, daß ca. 50% derjenigen, die im Rahmen einer Lehrlingsausbildung einen Facharbeiter- bzw. Ge-sellenabschluß (CAP) erwarben, danach einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhielten. Damit bestehen erhebliche Eingliederungsvorteile gegenüber den Absolventen vollzeitschulischer Ausbildungsgänge.

Wichtig für die Qualität der Lehrlingsausbildung und die berufliche Eingliederung ist auch in Frankreich die Ausbildungsrichtung. Lehrlinge sind oft nur billige Arbeitskräfte, die nach Abschluß der Ausbildung nicht weiterbeschäftigt werden. Dies gilt z.B. für den "Hotel-Gaststätten"-Bereich und das Kfz-Handwerk.

Insgesamt läßt sich aber auch zeigen, daß diese Form der Ausbildung, die jährlich fast 20 Mrd. FF kostet, eher zu einer dauerhaften beruflichen Eingliederung führt. Die Übernahmequoten im Bereich der Industrie und der Landwirtschaft sind hoch.

Unter ausbildungsrechtlichen Aspekten handelt es sich bei der Lehrlingsausbildung ("apprentissage") um eine Form der Erstausbildung und bei den Qualifizierungsverträgen ("contrats de qualification") um Weiterbildung. Jedoch zeigt die Statistik, daß 60% der Qualifizierungsverträge faktisch mit einer Erstausbildung gleichzusetzen waren. Zu bedenken ist ebenfalls, daß die Qualifizierungsverträge für die Betriebe finanziell günstiger sind, von daher gibt es hier einen besonderen "Mitnahmeeffekt".

Die Lehrlingsausbildung umfaßt im wesentlichen traditionelle Berufe. Seit 1995 gibt es jedoch auch Ausbildungen in vier neuen Berufsgruppen des technischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Bereichs.

In der Diskussion des Beitrags wurde von Seiten der französischen Gewerkschaften angemerkt, daß ein Vergleich zwischen "dualem System" in Deutschland und der "Apprentissage" kaum möglich sei, da die Lehrlingsausbildung im französischen Gesamtkontext zu marginal sei. In Deutschland würde dieses System zudem durch eine breite gesellschaftliche Übereinkunft getragen.

Was die Qualität der französischen Lehrausbildung betrifft, so zeigt eine Umfrage unter französischen Lehrlingen ("apprentissage") im Großraum Paris (Bereich der "Ile-de-France") teilweise widersprüchliche Ergebnisse. Danach waren 30% der Lehrlinge Opfer von Arbeitsunfällen, aber mehr als 50% der Lehrlinge äußerten sich zufrieden über ihre Meister. Letzteres steht wiederum in Kontrast zu dem noch immer negativen Bild von Lehrlingen in der französischen Öffentlichkeit und zeigt die große Entwicklung, die dieser Ausbildungsgang gemacht hat. Ein anderes Ergebnis war, daß über 60% der Lehrlinge Überstunden machen müssen, und die Hälfte der befragten jungen Leute gab an, keinerlei Vergütung zu erhalten. Die Umfrage zeigt auch eine mangelnde Kontrolle der betrieblichen Ausbildung. Dennoch müssen auch die französischen Gewerkschaften anerkennen, daß der Eingliederungseffekt bei der Lehrlingsausbildung in Frankreich insgesamt günstig ist.

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