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"Blühende Landschaften" der CDU in Internet

Am 24. August stellte letztendlich auch die CDU ihre neu bearbeiteten Internet-Seiten für den elektronischen Wahlkampf vor. Der CDU-Generalsekretär Peter Hinze präsentierte auf der CeBit Home den Relaunch des CDU-Internet-Angebotes und stellte sich einer Online-Diskussion.

Denjenigen Internet-Nutzern, die Informationen zum Wahlkampf suchten, bot die CDU in der Rubrik "Wahlplattform" das gemeinsame Wahlprogramm der CDU/CSU und das Zukunftsprogramm der CDU (als Text-Dateien zum Download). Im Bereich "Blühende Landschaften" befand sich ein kurzer Text, in dem besonders die Leistungen der letzten Regierung zum Aufbau im Osten betont wurden. "Beispiele sind das Chemiedreieck, die Werften an der Ostsee, die Automobilwerke in Sachsen und Thüringen, die boomende Mikroelektronik in Dresden. [...] Wir haben blühende Landschaften versprochen und wir haben blühende Landschaften bekommen." - stellte die Redaktion fest.

Besonders ausgebaut wurde der Bereich "Weltklasse für Deutschland" in dem hauptsächlich Informationen über Helmut Kohl zu finden waren. Mit vielen Photos und Zitaten der Staatsmänner aus anderen Länder, wie Bill Clinton oder Boris Jelzin, wurden das Leben und das Werk von Kohl im Dienste der Staates dargestellt. Ein anklickbares Filmband führte Besucher zu den 25 einzelnen Jahren Helmut Kohls als Parteivorsitzender von 1973 bis 1998. Die Beschreibungen zu den einzelnen Jahren waren leider sehr knapp und begrenzen sich meistens auf lapidare Aussagen, wie z.B. "Deutschland erfüllt die Stabilitätskriterien für den Euro. Die CDU legt ihr Zukunftsprogramm vor, das Perspektiven über das Jahr 2000 hinaus aufzeigt.".

Der Lebenslauf, die Rubrik "Politische Ziele" und die Reden (zum 8.9.98 befand sich in dieser Rubrik genau ein Bericht des CDU-Vorsitzenden zu 10. Parteitag in Bremen) beschlossen das Internet-Angebot zum Thema Wahlen.

In dem Bereich "Helmut Kohl für Deutschland" wurde ein "Duell" zwischen den Kanzlerkandidaten Schröder und Kohl durchgeführt. Die Redaktion stellte in diesem Bereich die - ihrer Meinung nach - wichtigsten Leistungen der beiden Politiker in den Jahren 1982-88 in tabellarischer Form zusammen. So wurde zum Beispiel für das Jahr 1994 folgende Informationen aufgenommen: "Helmut Kohl verabschiedet die letzten russischen Truppen aus Deutschland." und "Schröder stemmt sich lange gegen das vom Bundestag beschlossene Verbrechensbekämpfungsgesetz." Informationen zur Briefwahl und zu den Aufgaben für das Jahr 1999 vervollständigten diese Website.

"Funktioniert, läßt aber kalt" - mit diesen Worten bezeichnete bereits Anfang des Jahres Paulus Neef, Chef der Agentur Pixelpark, die CDU-Homepage im Gespräch mit dem Stern-Journalist Hans-Martin Tillack ("Der Wahlkampf mit der Maus", konr@d, März 1998).

Am 17. September wurde "der etwas mißglückte erste Live-Chat" (Werben&Verkaufen-Newsletter von 18.09.98) mit Helmut Kohl auf den CDU-Webseiten veranstaltet. Der damalige Kanzler sollte sich zwei Stunden lang den Fragen der Netzuser stellen. "Hauptproblem beim Online-Chat mit dem CDU-Chef waren [...] weniger virtuelle Krawallmacher oder kritische Fragen, sondern eine überlastete Technik." - berichtete Uly Foerster beim Spiegel-Online ("Kohl: Der Elefant im Netz", Uly Foerster, 18.09.98). Deshalb meldete sich Kohl fast eine halbe Stunde zu spät mit der ersten Antwort und verließ auch vorzeitig das Forum. Helmut Kohl setzte sich natürlich nicht selber an dem PC. Zwei Sekretärinnen tippten für ihn die Antworten auf die Fragen zu Wirtschaft, Arbeitslosigkeit oder zum Mehrwehrtsteuer-Versprechen von Ministerinn Nolte: Insgesamt 17 Antworten, wie Uly Foerster für den Spiegel-Online ausgerechnet hatte. "Das Ziel des Chats, Wähler zu gewinnen, wurde von der Partei jedoch verfehlt: ‚Dieser Chat ist ein Grund, nicht CDU zu wählen', war nach kurz vor halb eins im Forum zu lesen." - berichtete am nächsten Tag der elektronische Newsletter der Zeitschrift "Werben&Verkaufen".

Ähnlich wie die SPD, versuchte auch die CDU, einen Personality-Server für den Helmut Kohl außerhalb des CDU-Online-Angebots zu gestalten. Unter der URL http://www.weltklasse.de konnte man Texte zum Thema "Weltklasse für Deutschland" mit zum größten Teil statistischen Informationen zu den Veränderungen in Deutschland während der Kohl-Ära nachlesen oder aber eigene Briefe in der Rubrik "Meine Weltklasse" schreiben. Der Server startete zu spät, um sich in der Internet-Welt noch vor der Wahl zu etablieren: Vor der Wahl bestand er zum größten Teil immer noch aus den Baustellen.



© FES | net edition ola | März 1999