Die Friedrich-Ebert-Stiftung trauert um Horst Ehmke

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Pressekonferenz des Bundesjustizministers in Berlin, 8.5.1969. (Sammlung Telegraf / FES)

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Als Chef des Bundeskanzleramts, ca. 1971. (Foto: J.H. Darchinger/FES)

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Poträt zur Bundestagswahl 1976. (Foto: J.H. Darchinger/FES)

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Debatte im Deutschen Bundestag, Mai 1981. (Photothek/Thomas Imo)

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Debatte zur Regierungserklärung von Helmut Kohl im Deutschen Bundestag, 1982 (Foto: J.H. Darchinger/FES)

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Mitglied des Bundestages, ca. 1984. (Foto: J.H. Darchinger/FES)

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SPD-Parteitag in Münster, 31.8.1988. (Foto: J.H. Darchinger/FES)

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Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion, Bonn, ca. 1989. (Foto: J.H. Darchinger/FES)

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SPD-Parteitag in Bremen, 29.5.1991. (Foto: J.H. Darchinger/FES)

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Ausstellungseröffnung "Willy Brandt 1913-1992" in der FES Bonn, 6.12.1993. (Foto: J.H. Darchinger/FES)

Am vergangenen Sonntag starb Horst Ehmke im Alter von 90 Jahren. Der ehemalige Bundesminister und Chef des Bundeskanzleramts war als enger Vertrauter von Willy Brandt maßgeblich an der Umsetzung der Ostpolitik beteiligt und galt als Spezialist für die Außenpolitik der SPD. Die Friedrich-Ebert-Stiftung trauert um ihr ehemaliges Vorstandsmitglied.

Horst Ehmke wurde am 4. Februar 1927 in Danzig geboren, wo er das Städtische Gymnasium besuchte; nach dem Notabitur im Jahr 1944 wurde er als Fahnenjunker-Gefreiter bei Berlin eingesetzt und geriet nach einer Verwundung bis 1945 in sowjetische Gefangenschaft. Bereits 1946 erlangte Horst Ehmke die Hochschulreife in Flensburg, studierte danach Jura und Volkswirtschaft in Göttingen und trat 1947 als Student der SPD bei, der er bis zu seinem Lebensende eng verbunden blieb. Bei einem Auslandsaufenthalt an der Universität Princeton in den Vereinigten Staaten begann er sich der Geschichte und der Politikwissenschaft zuzuwenden. Von 1952 bis 1956 war Horst Ehmke wissenschaftlicher Assistent des SPD-Bundestagsabgeordneten Adolf Arndt. Zeitgleich promovierte er 1952 in Göttingen zum Dr. jur. über die "Grenzen der Verfassungsänderung", um sich anschließend 1960 in Bonn zum Thema "Wirtschaft und Verfassung – Die Verfassungsrechtbesprechung des Supreme Court zur Wirtschaftsregulierung" zu habilitieren. Im Alter von 34 Jahren übernahm er 1963 den Lehrstuhl für Öffentliches Recht in Freiburg. Bekannt wurde Ehmke zudem im Zuge der Spiegel-Affäre als einer der Strafverteidiger Conrad Ahlers' vor dem Bundesgerichtshof sowie als Prozessvertreter im Verfassungsbeschwerdeverfahren des Nachrichtenmagazins.

Horst Ehmkes Karriere in der aktiven Politik startete Anfang 1967, als er zu Beginn der Großen Koalition sein Amt als Staatssekretär im Bundesjustizministerium unter Gustav Heinemann antrat; im März 1969 wurde er dann selbst zum Bundesjustizminister ernannt. Bundeskanzler Willy Brandt berief ihn bereits ein halbes Jahr später zum Bundesminister für besondere Aufgaben und zum Leiter des Bundeskanzleramts, wo er sich als "Spezialist für alles" mit legendärer Energie als wichtige Stütze vor allem für die Ostpolitik der sozialliberalen Bundesregierung erwies. Nach der vorgezogenen Bundestagswahl 1972 wurde Ehmke zugleich Bundesminister für Forschung und Technologie sowie Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen und trat im Mai 1974 nach dem Rücktritt Willy Brandts von seinem Ministeramt zurück. Lange Jahre blieb er Mitglied des Deutschen Bundestags, ab 1980 als Abgeordneter für den Wahlkreis Bonn. Von 1973 bis 1991 war er Mitglied des SPD-Parteivorstands. Im Dezember 1976 nahm Horst Ehmke den stellvertretenden Fraktionsvorsitz der SPD ein und ab Januar 1977 war er außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Nach der Bundestagswahl 1990 gab er all seine Fraktionsämter ab und nahm sein Mandat noch bis 1994 wahr.

Auch abseits der aktiven Politik engagierte sich Horst Ehmke für eine sozialdemokratische Gesellschaft: Er fühlte sich der Friedrich-Ebert-Stiftung stets verbunden und war langjähriges Mitglied des Stiftungsvorstands wie auch der Mitgliederversammlung. Das Archiv der sozialen Demokratie verwahrt bereits seit Jahrzehnten Ehmkes schriftliche Unterlagen und wird seinen Nachlass weiterhin pflegen.

Nach seinem Abschied aus dem Bundestag stand Horst Ehmke als gefragter Zeitzeuge gerne Rede und Antwort und reüssierte nach seinen politischen Erinnerungen (Mittendrin, 1994) als Schriftsteller auf für Politiker im Ruhestand ungewöhnlichem Terrain: Mit dem Politthriller Global Players (1998) und vier weiteren Kriminalromanen wurde Horst Ehmke erneut enorm populär und lieferte einmal mehr den Nachweis dafür, dass eine oft erzählte Anekdote gestimmt haben mag, wonach sich Ehmke einmal in seinen Dienstwagen geworfen und die Frage des Chauffeurs nach dem Fahrtziel selbstsicher beantwortet haben soll: "Egal, ich werde überall gebraucht!"

Am 12. März 2017 ist Horst Ehmke im Alter von 90 Jahren in Bonn gestorben.

In der Bibliothek der FES finden sich zahlreiche Veröffentlichungen von und über Horst Ehmke.

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