29.05.2017

„Ich will nur mein Minimum, ein ganz normales Leben führen“

Der Dokumentarfilm „Als Paul über das Meer kam“ zeigt: Unsere Staatsangehörigkeit bestimmt, wie frei wir uns bewegen können.

Bild: von ©farbfilm verleih GmbH

Der Zugang zu Mobilität ist extrem ungleich verteilt. Menschen mit Geld und der richtigen Staatsangehörigkeit steht die Tür zur Welt weit offen: Der deutsche Pass ist die visafreie Eintrittskarte für 177 Länder, das kamerunische Dokument hingegen berechtigt nur zur visafreien Einreise in halb so viele Länder, von denen die meisten eine ähnlich schlechte Lebensperspektive bieten wie der Staat in West-Afrika.

Paul Nkamani hat das am eigenen Leib erfahren. Mehrfach hatte er versucht, auf „legalem“ Weg aus Kamerun auszuwandern – vergeblich. Jakob Preuss‘ Dokumentarfilm „Als Paul über das Meer kam“ erzählt, wie Paul nach Europa gelangte. Über Westafrika führte ihn sein teilweise lebensgefährlicher Weg in die Wälder Marokkos, nach Spanien, Frankreich und schließlich Berlin – immer auf der Suche nach einem besseren und freieren Leben.

Pauls Geschichte illustriert auch, dass die Gründe, warum Menschen ihr Land verlassen, vielseitig sind und sich nicht in starre Kategorien pressen lassen. Paul selbst sagt von sich: „Ich will nur mein Minimum, ein ganz normales Leben führen.“ Und er beklagt: „Viele wissen nicht, warum Menschen aus Afrika nach Europa kommen und welche Gründe sie antreiben. Es wird zu wenig darüber und vor allem zu wenig miteinander gesprochen, dadurch sind die Leute zu wenig informiert.“

Selbst wenn sie einmal irgendwo in Europa angekommen sind, plagt alle Geflüchtete die Ungewissheit und das ewige Warten auf eine Entscheidung über ihren Aufenthaltsstatus. „Ich wünsche mir nur ein bisschen Freiheit. Vor allem, dass ich verstehe, warum welche Entscheidungen getroffen werden in der Behörde und dass sich meine Situation aufklärt, ob ich hierbleiben darf oder nicht“, sagt Paul.

So zeigt der Film, wie schwer es ist, sich ohne privilegierten Reisepass zu bewegen, obwohl Freizügigkeit ein Menschenrecht ist. Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beinhaltet das Recht, sich in seinem Heimatland frei zu bewegen und dieses verlassen zu können – aber nicht das Recht, in ein anderes Land einzureisen. Daher können Staaten „unsichtbare Mauern“ aus strikten Einreiseregelungen bauen.

Ist der ungleiche Zugang zu Freizügigkeit und Mobilität gerecht? Ist es gerecht, dass Menschen mit dem richtigen Pass und viel Geld die Welt weit offen steht, während Paul, der händeringend nach einer Zukunftsperspektive sucht, vor verschlossenen Türen steht?

Anhand einer persönlichen Fluchtgeschichte stellt „Als Paul über das Meer kam“ die großen Fragen über die europäischen Außengrenzen, sichere Flucht- und Migrationswege sowie die Integration in eine neue Gesellschaft.

 

Der Film wird am 02.06.2017 im Kino Hackesche Höfe in Berlin im Rahmen der internationalen Themenwoche „Zeit für Gerechtigkeit! Ungleichheit hat ausgespielt“ präsentiert.

Nach der Filmvorführung diskutieren wir, wie sich die deutsche Politik mit diesen und weiteren Fragen auseinandersetzt.

Zur Veranstaltung können Sie sich hier anmelden.

Den Trailer sehen Sie hier.

Kontakt: Felix Braunsdorf

Arbeitseinheit: GPol, Migration und Flucht global

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