Regionalbüro Mainz

Unsere Themen

Das Regionalbüro Mainz ist bemüht, neben den „Hauptstadtaktivitäten“ in Mainz und Saarbrücken auch in der Fläche präsent zu sein. Zahlreiche Veranstaltungen finden in der Region statt.

Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Praxis werden zu diesen Veranstaltungen als Referentinnen und Referenten eingeladen. Aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen stehen im Zentrum der häufig perspektivisch ausgerichteten Gespräche.

Aktive Demokratie und Bürgergesellschaft

Sich für den Wert und den Erhalt unserer parlamentarischen Demokratie einzusetzen, über Möglichkeiten einer Weiterentwicklung demokratischer Strukturen und Verfahren nachzudenken wie auch den Bürger_innen verstärkt demokratische Teilhabemöglichkeiten anzubieten, ist heute und auch in Zukunft wichtiger denn je. Verschiedene wissenschaftliche Studien in den letzten zehn Jahren haben klar belegt, dass es in weiten Teilen der Bevölkerung ein zunehmendes Misstrauen gegenüber der etablierten Parteiendemokratie gibt, die Politikverdrossenheit zunimmt, die Beteiligung an Wahlen abnimmt und der Wert der Demokratie insgesamt an Bedeutung verliert. Für Politik und Gesellschaft ist es eine zentrale Aufgabe, diesen Trends entgegenzuwirken.

Arbeit und Soziales

Bild: von fotolia.de 

„Gute Arbeit“ ist die Grundlage für gesellschaftlichen Wohlstand und Zufriedenheit der arbeitenden Bevölkerung. Dazu gehören eine angemessene und ordentliche Bezahlung, geregelte und möglichst unbefristete Beschäftigungsverhältnisse, die den Menschen einerseits eine langfristige Perspektive bieten und gleichzeitig ein Einkommen garantieren, das ein Mindestmaß an Lebensqualität und auch Teilhabemöglichkeiten in der Gesellschaft bietet und die Menschen nicht permanent in soziale Bedrängnis und Not bringt. Leider hat sich in den letzten Jahrzehnten die Schere zwischen Reich und Arm in Deutschland immer weiter aufgetan.

Es gibt kaum ein anderes Land im europäischen Kontext, in dem soziale Ungleichheit so stark zugenommen hat wie in Deutschland. Die Anzahl von Menschen im Niedriglohnsektor, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten müssen, ist seit Anfang 2000 spürbar gestiegen. Die Einführung eines Mindestlohns auf Bundesebene mit Beginn der letzten Legislaturperiode ist ein wichtiger Schritt gewesen, diesen Missstand zu beheben. Rheinland-Pfalz hat bereits zuvor Reformmaßnahmen zur Verbesserung der Situation der Beschäftigten verabschiedet.

Neben dem Thema Arbeit spielt im Kontext des demographischen Wandels die Frage der Alterssicherung, also auch das Thema Rente, eine immer wichtigere Rolle. Wie kann Altersarmut verhindert werden und welche Herausforderungen stellen sich für ein tragfähiges Gesundheitssystem und das Thema Pflege im Alter? Das FES-Regionalbüro Mainz plant, diesen Themenbereich weiterhin als besonderen Schwerpunkt beizubehalten.

Bildung und Kultur

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Die Relevanz von Bildung für gesellschaftlichen Fortschritt und als Schlüssel für soziale, wirtschaftliche und politische Teilhabe in unserer Gesellschaft ist unbestritten. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung kognitiver Fähigkeiten und Fragen bildungsökonomischer Verwertung. Ebenso relevant sind Aspekte wie Chancengleichheit, Gerechtigkeit, die Vermittlung sozialer Kompetenzen und auch die Bedeutung von Inklusion. Rheinland-Pfalz hat in der Bildungspolitik unter den Bundesländern eine Vorreiterrolle: Gebührenfreie Bildung in allen Bereichen, das Modell von Ganztagsschulen und der konsequente Ausbau des Angebots inklusiver Bildung sind seit vielen Jahren ein Selbstverständnis. Auch im Saarland hat das Thema Inklusion zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Ein weiteres Augenmerk gilt dem Kulturbereich – häufig im politischen Diskurs vernachlässigt, aber aus unserer Sicht doch sehr wichtig. Es gilt, die Frage zu beantworten: Welche Bedeutung wollen wir der Kultur in dieser Gesellschaft eigentlich zumessen? Gerade die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an Kultur ist eine zentrale bildungspolitische Aufgabe und sollte kompensatorisch auch auf Bundes- und Landesebene begleitet werden, da gerade im Kulturbereich als freiwillige Leistung in Zeiten knappen Geldes auf kommunaler Ebene häufig eingespart wird.

Es geht nicht zuletzt um die Wertschätzung, die den Kunst- und Kulturschaffenden entgegengebracht wird, inwiefern der erbrachte Wirtschaftsfaktor und die Identitätsstiftung darin auch monetär abgebildet werden sowie welche Rahmenbedingungen insbesondere in Rheinland-Pfalz und im Saarland den verschiedenen Künsten und Künstler_innen geboten werden.

Europa und Internationales

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Nicht erst die Ergebnisse der Europawahlen im Jahr 2014 haben deutlich gemacht, dass sich das Projekt eines gemeinsamen und solidarischen Europa in einer tiefen Krise befindet. Die zum Teil erschreckenden Zugewinne rechtspopulistischer und antieuropäischer Parteien haben eine tiefe Europaskepsis und das Wiedererstarken nationalistischer Tendenzen zutage gebracht. Aber bereits zuvor haben sich im Kontext der Finanzkrise tiefe Risse innerhalb der EU gezeigt. Mit der Unfähigkeit der Europäischen Union, ein einheitliches Krisenmanagement in der Flüchtlingspolitik zu entwickeln und mit dem Votum der Briten für einen Ausstieg aus der EU („Brexit“) haben die zentrifugalen Strömungen innerhalb der EU noch einmal zusätzlich Auftrieb erhalten. Darüber hinaus stellen die Frage des EU-Beitritts der Türkei und auch die verschiedenen Konflikte an den Außengrenzen der EU alle Protagonisten, die sich nach wie vor für die Idee eines gemeinsamen Europa einsetzen wollen, vor riesige Herausforderungen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung insgesamt sieht in einer Stärkung gemeinsamer europäischer Ansätze die einzig sinnvolle Lösung. In den Bundesländern Rheinland-Pfalz und auch dem Saarland, beide mit Außengrenzen zu mehreren EU-Staaten, besteht eine hohe Affinität zu europapolitischen Fragen. Regionale grenzübergreifende Kooperationsprojekte dokumentieren den Willen, konstruktiv zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. In beiden Bundesländern hat das Regionalbüro Mainz in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl europapolitischer Veranstaltungen durchgeführt. Im Vordergrund standen und stehen immer noch vor allem Bestrebungen, die Idee eines solidarischen und sozialen Europa zu stärken wie auch die Gefahr des Rechtspopulismus einzudämmen.

Familie und Jugend

Die Kinder und Jugendlichen von heute sind die potentiellen Entscheidungsträger_innen von morgen – eine gute Familienpolitik ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, soziale Gerechtigkeit und auch für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Für junge Menschen ist es wichtig, ernst genommen zu werden und Möglichkeiten zu haben, sich in der Gesellschaft mit klaren Wertvorstellungen verorten und auch aktiv in einen gesellschaftspolitischen Diskurs einbringen zu können. Dies kann in speziellen Einrichtungen für Jugendliche oder in politischen Parteien erfolgen, aber auch in vielen Organisationen der Zivilgesellschaft wie in Vereinen, Bürgerinitiativen, Kirchen etc. Neben der enorm wichtigen Sozialisationsfunktion der Familie kann auch Schule hier viel leisten, indem  durch gezielte Inhalte und Unterrichtsformen Beteiligungsmöglichkeiten gestärkt werden. Für die Jugendarbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung sind die Schulen ein wichtiger Partner. Mit dem Angebot, an Schulen gezielt Planspiele zu politischen Themen wie Kommunalpolitik oder Europa durchzuführen, wird die Zielsetzung verfolgt, jungen Menschen projektbezogen das Erlernen politischer Inhalte zu ermöglichen wie auch Formen eines politischen Diskurses zu erproben. Weitere Planspiele für Jugendliche sind vorgesehen, aber auch öffentliche Veranstaltungen, in denen jugendpolitische Fragen in Form einer Podiumsdiskussion thematisiert werden.

Eine klar wertebasierte Familienpolitik, die sich an den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung, gesellschaftlicher Toleranz, sozialer Gerechtigkeit, Inklusion und auch der Gleichstellung orientiert, dürfte ein zentrales Steuerungsinstrument für den angestrebten Zusammenhalt und Frieden innerhalb der Gesellschaft darstellen. In einer sich sehr schnell verändernden Welt, die durch zunehmende Heterogenität, durch einen rasant fortschreitenden Wandel der Arbeitswelt, Digitalisierung sowie zunehmende soziale Ausdifferenzierung geprägt ist, muss eine starke und finanziell auch gut ausgestatte Familienpolitik auf diese komplexen Herausforderungen reagieren können und Zukunft gestalten. Dies kann nur im Diskurs mit ganz vielen Beteiligten geschehen: Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Verbände, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und auch die Medien – sie alle müssen in die Debatte einbezogen werden und sich beteiligen. Sowohl in Rheinland-Pfalz wie auch im Saarland wird diesem Thema eine besondere Priorität beigemessen.

Flucht, Migration und Integration

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Kaum ein anderes Thema dürfte gegenwärtig so stark im Mittelpunkt eines gesellschaftlichen Diskurses in Politik und Gesellschaft stehen. „Deutschland ist ein Einwanderungsland und braucht dringend ein Einwanderungsgesetz.“ Über diesen Satz wurde zwischen den politischen Parteien lange gestritten wie auch über die Frage der doppelten Staatsbürgerschaft.Der politische Diskurs zum Thema Migration und Integration war schon vor der Flüchtlingsbewegung von großer Bedeutung und von unterschiedlichen Positionen gekennzeichnet. Einerseits gab es Bemühungen zur verbesserten Integration, der Schaffung von mehr Teilhaberechten und der Würdigung der Chancen durch den Zuzug von Migranten für die deutsche Gesellschaft. Andererseits Befürchtungen vor Überfremdung, zunehmender Dominanz des Islam, der Entstehung von Parallelgesellschaften und einer von Rechtsextemen bzw. Rechtspopulisten postulierten rassistischen Ablehnung und Ausländerfeindlichkeit.

In diesem großen Spannungsfeld hat sich die Bundespolitik über viele Jahre grundsätzlich nicht klar positioniert. Durch die enorm große Flüchtlingsbewegung ab Ende 2014 hat sich die Problematik noch einmal verschärft. Deutschland hat zum einen eine gerade auch von der Zivilgesellschaft getragene Willkommenskultur entwickelt, die es in diesem Ausmaß vorher nicht gab. Das ehrenamtliche Engagement ist beeindruckend! Auf der anderen Seite gibt es bei einem wachsenden Teil der Bevölkerung auch massive Ängste und Verunsicherung mit der Folge, dass ein Teil der verunsicherten Bürger_innen rechtspopulistische Positionen vertritt - für Politik und Gesellschaft eine riesige Herausforderung. Im Hinblick auf Rheinland-Pfalz gilt, dass die Politik sich schon seit vielen Jahren um eine Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte bemüht, indem sie u.a. versucht, Teilhabemöglichkeiten zu schaffen und einen intensiven Dialog mit ganz unterschiedlichen Verbänden und Vereinen, die als Interessensvertretungen von Bürger_innen mit Migrationsgeschichte fungieren, sucht. Auch bei der Bewältigung der gewaltigen Aufgabe, die vielen Flüchtlinge aufzunehmen, sie angemessen unterzubringen und zu versorgen, hat Rheinland-Pfalz vorbildlich agiert. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sich das FES-Regionalbüro Mainz schon seit einer ganzen Reihe von Jahren um die Thematik Migration und Integration gekümmert hat und nun auch eine Reihe von Veranstaltungen zur Flüchtlingsthematik durchgeführt hat und auch weiter durchführen wird.  Mit der Ausstellung „50 Jahre „Gastarbeiter“ aus der Türkei“ hat das FES-Regionalbüro Mainz an vielen Orten in Rheinland-Pfalz und auch im Saarland das Leben türkeistämmiger Bürger_innen in Deutschland gezeigt und dabei bei zahlreichen Eröffnungsveranstaltungen einen integrationspolitischen Diskurs geführt. Ergänzend dazu hat eine Vielzahl von Veranstaltungen, die sich den Themen Willkommenskultur, doppelte Staatsbürgerschaft und interkultureller Dialog gewidmet haben, stattgefunden und dies wird auch in Zukunft von hoher Relevanz sein. Neu hinzugekommen sind zahlreiche Veranstaltungen zur Flüchtlingsthematik, die sich vor allem mit der Integrationspolitik von Flüchtlingen beschäftigen – auch mit der Zielsetzung, Best Practice-Lösungen auf lokaler Ebene zu dokumentieren, die Akzeptanz bei der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu stärken und Vertrauen zu schaffen. Darüber hinaus sind auch Veranstaltungen zum Thema „Fluchtursachen“ von hoher Relevanz. Für die Friedrich-Ebert-Stiftung insgesamt, aber auch für das FES-Regionalbüro Mainz bildet dieser Themenbereich einen der aktuell wichtigsten Projektschwerpunkte.

Frauen und Gender

Bild: Toppled von Summer Skyes 11 lizenziert unter CC BY 2.0

Die Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Gesellschaft und auch in der Arbeitswelt sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Dennoch gibt es in Deutschland immer noch eine Benachteiligung von Frauen. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich allerdings einiges bewegt. So ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen signifikant gestiegen. Gesellschaft und auch die Wirtschaft nehmen mehr Rücksicht auf die Interessen von Frauen. Durch den Ausbau von Kitas und Ganztagseinrichtungen zur Betreuung von Kleinkindern können junge Mütter schneller wieder in den Beruf zurück. Doch was sich als allgemeiner positiver Trend abzeichnet, weist bei genauerem Hinsehen auch einige Schwachstellen auf. Immer noch definiert der soziale Status und das Ausbildungsniveau zu stark die Möglichkeiten einer gleichberechtigten Teilhabe. Frauen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, haben die höchste Gefahr, später einmal in die Falle der Altersarmut zu laufen. Und immer noch ist es so, dass es männer- und frauenspezifische Rollen und Berufsmuster gibt, die dokumentieren, dass traditionelle Wert- und Rollenbeschreibungen sich hartnäckig halten.

Und auch bei der Sorgearbeit für Kinder und Angehörige, die z.B. pflegebedürftig sind, ist es nach wie vor so, dass im Zweifel die Frauen diese Aufgaben übernehmen müssen und erwartet wird, dass sie – und nicht die Männer – Abstriche bei der Karriere und Erwerbsarbeit machen. Politik, Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt sind hier gefragt, an der Beseitigung dieser Benachteiligungen zu arbeiten. In diesem Sinne versucht auch das FES-Regionalbüro Mainz einen Beitrag zu leisten: zum einem durch eine Vielzahl von öffentlichen Diskussionsveranstaltungen in Rheinland-Pfalz und im Saarland, bei denen diese Probleme thematisiert werden und zum anderen durch die Durchführung eines Kompetenztrainings, das Frauen befähigen soll, sich in Führungspositionen besser zu behaupten, ihre Interessen besser durchzusetzen und sich wichtige Informationen und Kenntnisse zu zentralen gesellschaftspolitischen Fragen zu erarbeiten. In diesem Kontext gibt es seit vielen Jahren eine Seminarreihe, die zum Empowerment und zur Stärkung von Frauen beitragen soll.

Kommunalpolitik

In Zeiten knappen Geldes und von Schuldenbremsen kommen auf die Kommunen große Herausforderungen zu, da in den letzten zwei Jahrzehnten eine Vielzahl von Aufgaben, für die ehemals der Bund und auch die Länder zuständig waren, in den Zuständigkeitsbereich der Kommunen verlagert worden sind – insbesondere im sozialen Bereich. Eine Vielzahl von Kommunen ist hoch verschuldet, dies gilt auch für eine Reihe von Städten in Rheinland-Pfalz und im Saarland. In diesem Kontext stellt sich die Frage einer Neuordnung des vertikalen Finanzausgleichs und einer stärkeren Unterstützung der Kommunen durch Bund und Länder. Rheinland-Pfalz hat in den letzten Jahren umfangreiche finanzielle Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet, allerdings sind die durch die Flüchtlingsbewegung entstandenen Herausforderungen und finanziellen Belastungen auf kommunaler Ebene so gewaltig, dass zusätzliche Mittel vor allem vom Bund dringend benötigt werden. Aber Kommunalpolitik muss sich auch zahlreichen anderen Herausforderungen stellen:

Wie kann der demographische Wandel bewältigt werden? Wie kann mehr bezahlbarer Wohnraum gerade in den Ballungszentren geschaffen werden? Wie kann verhindert werden, dass immer mehr Menschen ländliche Regionen verlassen und in die großen Städte ziehen – gerade für Rheinland-Pfalz als ein Bundesland mit vielen kleinen Gemeinden im ländlichen Raum eine große Herausforderung? Wie sollen die Daseinsvorsorge, die Sicherheit der Bürger_innen, aber auch die medizinische Versorgung und die Pflege auf kommunaler Ebene nachhaltig sichergestellt werden? Und welche Herausforderungen stellen sich im Bereich der Energiewende auf kommunaler Ebene? Diese und auch andere Themen hat das FES-Regionalbüro Mainz in den letzten drei Jahren verstärkt im Rahmen einer inhaltlich-konzeptionellen Partnerschaft mit der SGK (Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik) in Rheinland-Pfalz behandelt. Im Rahmen zahlreicher öffentlicher Podiumsdiskussionen versuchen Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in den Debatten Lösungswege zu entwickeln. Diese Veranstaltungen sollen auch in Zukunft fortgesetzt werden. Darüber hinaus bietet das FES-Regionalbüro immer wieder auch Kompetenz- und Qualifizierungsseminare für Kommunalpolitiker_innen und kommunale Mandatsträger_innen an.

Medienpolitik und Digitalisierung

Bild: von fotoliaxrender, Artalis-Kartographie / fotolia.de 

Die rasante Veränderung der Medienwelt und die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung für fast alle Lebensbereiche sind Entwicklungen, die als globale Trends auch zu zentralen Herausforderungen der Bundes- und Landespolitik werden. Nicht umsonst hat die Landesregierung in Rheinland-Pfalz das Thema Digitalisierung mittlerweile als einen zentralen Schwerpunkt der Landespolitik definiert. Das gilt in ähnlicher Weise auch für das Saarland. Im Hinblick auf die weitere Medienentwicklung sieht sich Rheinland-Pfalz mit Mainz als traditionellem Medienstandort in einer besonderen Verantwortung. Medienpolitik und Digitalisierung stehen in einer besonders engen Verbindung. Die Digitalisierung im Medienbereich und damit einhergehend eine ungeheure Beschleunigung von Kommunikationsabläufen wie auch eine Flut von Informationen haben einerseits im positiven Sinne zu einer Erweiterung der Möglichkeiten geführt, auf der anderen Seite sind mit der zunehmenden Digitalisierung im Medienbereich auch Entgrenzungen geschaffen worden, die im ethischen Sinne bedenklich sind. Fragen einer Medienethik, der Werteentwicklung und die Möglichkeiten einer steuernden ordnungspolitischen Medienpolitik sind daher Themen, die hinsichtlich der weiteren Medienentwicklung ganz oben auf der Agenda sehen sollten. Dies gilt auch für die allumfassende Digitalisierung – Chancen und Risiken gilt es hier gleichermaßen in einen zukunftsorientierten und auf Nachhaltigkeit bedachten Diskurs zu beachten.

Rechtspopulismus und Rechtsextremismus

Das Problem eines latenten und auch manifesten Rechtsextremismus existiert in Deutschland seit vielen Jahrzehnten – in Form von Gesinnung, politischen Parteien, Ausländerfeindlichkeit bis hin zu rechtsextremen Straftaten. Nach der Wende konzentrierte sich das Problem eines Rechtsextremismus stärker auf die Realität in den neuen Bundesländern. Dort waren und sind rechtsextreme und jetzt rechtspopulistische Parteien oder auch Bewegungen besonders stark und dort war auch die Anzahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten besonders hoch. Leider hat das Problem des Rechtsextremismus sowohl in einigen Bundesländern als auch auf der Ebene der Bundespolitik nicht die nötige Aufmerksamkeit erfahren. Nicht umsonst wurde der Politik entgegengehalten, „auf dem rechten Auge blind zu sein“.

Erst durch die NSU-Mordserie und den Versuch einer Aufarbeitung geriet das Thema Rechtsextremismus in den Fokus der Aufmerksamkeit von Politik, Medien und Gesellschaft. Durch die große Flüchtlingsbewegung gerade nach Deutschland erhielten rechtextreme Einstellungen eine Verstärkung und es fand gleichzeitig auch ein Anstieg rechtsextremistisch motivierter Straftaten statt. Darüber hinaus erhielt das Phänomen des Rechtspopulismus eine neue Dimension. Auch wenn in Deutschland sich das Phänomen des Rechtspopulismus eher in Form einer Gesinnung manifestierte und es im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern erstaunlicherweise keine starken rechtspopulistischen Parteien gab, so hat sich dies jetzt im Kontext der Flüchtlingsbewegung klar verändert - für Politik und Gesellschaft eine große Herausforderung, denn der verstärkte Zulauf zu rechtspopulistischen Parteien oder auch Bewegungen in Deutschland ist häufig nicht etwa eine tatsächliche Identifikation mit den Inhalten dieser Parteien, sondern Ausdruck von Politikverdrossenheit und sozialen Abstiegsängsten. Auch wenn in den beiden Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland Probleme des Rechtsextremismus und Rechtspopulismus nicht die Dimension haben wie in anderen Regionen Deutschlands, nehmen Politik und Zivilgesellschaft die Bedrohung von rechts sehr ernst.

Mehr dazu auf dem FES-Themenportal Flucht, Migration, Integration

Soziale Demokratie

Bild: von Stiftung Deutsches Historisches Museum 

Die Ideen und Wertvorstellungen der Sozialen Demokratie haben eine lange Tradition in Deutschland und darüber hinaus auch in anderen europäischen Ländern. Diese Tradition und historische Entwicklung umfasst einen Zeitraum von mehr als 150 Jahren. Auf der Grundlage der Wertvorstellungen einer Sozialen Demokratie ist es namhaften Protagonisten, politischen Parteien und auch sozialen Bewegungen gelungen, gesellschaftlichen Fortschritt, der den Leitgedanken von Modernisierung, Teilhabe, Gleichberechtigung, sozialer Gerechtigkeit und internationaler Völkerverständigung gleichermaßen verpflichtet gewesen ist, durchzusetzen. Gleichzeitig hat es in dieser Entwicklung immer wieder Brüche und auch interne Auseinandersetzungen gegeben, die eine temporäre Schwächung der Sozialen Demokratie implizierten. Dennoch ist es immer wieder gelungen, die Idee der Sozialen Demokratie mit neuem Leben zu erfüllen.

Die Aufarbeitung dieser Geschichte und auch die Auseinandersetzung über die Deutung des historischen Verlaufs ist einerseits eine wichtige Grundlage auch für den aktuellen Diskurs über die Zukunftsperspektiven der Sozialen Demokratie, mit der Rückbesinnung und Erinnerung an die Leistungen, die im Kontext der Sozialen Demokratie erreicht worden sind, wird aber auch ein identitätsstiftendes Element geliefert. Darüber hinaus ist ein auf die Zukunft ausgerichteter Diskurs, welche Werte und Inhalte die Soziale Demokratie in unserer globalen Gesellschaft verfolgen sollte und wie dies in konkrete Programme und Politik umgesetzt werden kann, unverzichtbar. Die Friedrich-Ebert-Stiftung sieht hier für sich ein großes Aufgabenfeld, die Auseinandersetzung mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Sozialen Demokratie ist ein Kernelement der gesamten Stiftungsarbeit und auch das FES-Regionalbüro Mainz hat an Hand von Ausstellungen, Liederabenden, anderen kulturpolitischen Maßnahmen und auch von Diskussionsveranstaltungen dieses Thema immer wieder aufgegriffen und mit Leben erfüllt.

Reihen und Gesprächskreise:

Weinbaupolitisches Seminar

Bild: von Gina Sanders/fotolia.com 

Bereits seit vielen Jahren ist das Weinbaupolitische Seminar des FES-Regionalbüro Mainz ein zentrales Markenzeichen des gesamten Projekts. Traditionell im Januar jeden Jahres wird alternierend in den großen Weinanbauregionen von Rheinland-Pfalz eine ganztägige Veranstaltung durchgeführt, bei der Expert_innen aus Politik, Weinbau, der gesamten Weinwirtschaft, Wissenschaft und auch interessierte Bürger_innen die Möglichkeiten haben, sich über aktuelle Themen des Weinbaus zu informieren. Dabei geht es um technische Aspekte des Weinbaus, Fragen der Kultivierung und der Weinvermarktung, der Verbindung von Weinbau und Tourismuskonzepten, dem Generationswechsel bei den Winzern bis hin zur Weinbaupolitik auf der Ebene von Land, Bund und sogar der europäischen Ebene. Bei jeder dieser Veranstaltungen ist es auch Ziel, die spezifischen Besonderheiten der jeweiligen Region mit zu berücksichtigen, darüber hinaus aber Themen zu diskutieren, die die Weinwirtschaft in ganz Rheinland-Pfalz bestimmen.

Perspektiven des ländlichen Raums im Saarland

Bild: von fotolia.de 

Seit Ende 2014 hat das FES-Regionalbüro Mainz an verschiedenen Orten im Saarland Veranstaltungen über die Perspektiven des ländlichen Raums durchgeführt. Dabei standen Themen wie die wirtschaftliche Entwicklung, Aspekte der Sozialstruktur und der dörflichen Entwicklung wie auch Auswirkungen der Digitalisierung für den ländlichen Raum. Und schließlich ging es auch um die Frage einer nachhaltigen Gesundheitsvorsorge und Pflege im ländlichen Raum. Für die Zukunft sind weitere Veranstaltungen in diesem Bereich geplant.

Forum Westerwald der Friedrich-Ebert-Stiftung

Bild: von fotolia.de 

Dieses Veranstaltungsformat existiert seit Ende 2015. Es geht dabei insbesondere um Fragen der Regionalentwicklung im Westerwald. In einem relativ begrenzten Kreis diskutieren Multiplikator_innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über Perspektiven der wirtschaftlichen Entwicklung, Aspekte eines Standortmarketing und weitere regionalspezifische Themen.

Trierer Wirtschaftsgespräch

Bild: von Marcus Kretschmar/Fotolia.com 

Diese Veranstaltungsreihe existiert schon seit längerer Zeit. Zielsetzung ist die Erörterung unterschiedlicher wirtschaftspolitischer Themen mit hochkarätigen Ansprechpartner_innen aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft. Zielgruppe sind vor allem Akteure der Wirtschaft aus dem Großraum Trier, aber auch ein wirtschaftspolitisch interessiertes Fachpublikum.

Gesprächskreis Wissenschaft und Politik des FES-Regionalbüro Mainz in Rheinland-Pfalz

Es handelt sich um einen Gesprächskreis mit der Zielsetzung, einen themenorientierten Dialog zwischen hochkarätigen Ansprechpartner_innen der Landespolitik mit namhaften Wissenschaftler_innen vorwiegend aus Rheinland-Pfalz, aber auch aus anderen Bundesländern zu organisieren. Dabei ging es thematisch vorwiegend um Fragen, wie Politik zielgruppenorientierter kommunizieren kann, wie der Politikverdrossenheit wirksam begegnet werden kann, welche Möglichkeiten es gibt, um dem wachsenden Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in der Gesellschaft entgegenzutreten und wie die Herausforderungen der Flüchtlingsbewegung gemeistert werden können.

Immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe „Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung“

Bild: von Archiv der sozialen Demokratie 

Ende 2014 wurde das „Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung“ in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Damit wurde eine politisch-künstlerische Ausdrucksform anerkannt, die zwischenzeitlich fast in Vergessenheit zu geraten drohte.

Das Regionalbüro Mainz der Friedrich-Ebert-Stiftung pflegt seit Jahren die Tradition des politischen Liedguts in Form von Liederabenden und Liederwerkstätten mit dem Liedermacher, Sänger und Gitarristen Uli Valnion aus Mutterstadt. Neben der musikalischen Herangehensweise werden weitreichende zeithistorische Hintergründe und politische Einordnungen vermittelt. Besondere Betonung erfährt auch die Aktualität der musikalischen Ausdrucksform in Zeiten von neu entflammten Konflikten.

Bei diesem Veranstaltungsformat ist Mitsingen ausdrücklich erwünscht.

Friedrich-Ebert-Stiftung
Regionalbüro Mainz

Rheinland-Pfalz / Saarland

Große Bleiche 18-20

55116 Mainz

06131 / 96067 - 0
06131 / 96067 - 66

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