Referat Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika

Jemen

Im Rahmen des Arabischen Frühlings fanden auch im Jemen Massenproteste von überwiegend jungen Jemenit_innen statt, die die Beendigung der 33-jährigen Amtszeit von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh herbeiführten. Der darauffolgende politische Transitionsprozess ist jedoch gescheitert: seit März 2015 befindet sich der Jemen in einem Mehrfrontenkrieg. Eine Allianz bestehend aus der Huthi-Bewegung und dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh loyalen Truppen stehen hierbei einer Vielzahl von lokalen bewaffneten Gruppen gegenüber. Mit dem Ziel, die Huthis aus Sanaa zu vertreiben und den im Januar 2015 geflohenen Präsidenten Hadi wieder an die Macht zu bringen, griff im März 2015 eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition mit Luftschlägen in den Konflikt ein.  

Seit Ausbruch des Krieges befindet sich die jemenitische Wirtschaft im freien Fall. Die humanitäre Lage ist katastrophal und dem Jemen droht eine Hungersnot. Im Zuge der Auseinandersetzungen ist vor allem in den südlichen Landesteilen ein Machtvakuum entstanden, welches radikal-islamistische Gruppen wie al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) und der Islamische Staat (IS) zur Konsolidierung ihrer Präsenz ausnutzen. Aufgrund der de-facto-Teilung in einen durch die Huthi-Saleh-Allianz dominierten Norden und einen formell von der Hadi-Regierung regierten Süden ist die Existenz des Jemen als einheitlicher Staat akut gefährdet. Die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft entlang lokaler, regionaler und teilweise konfessioneller Gräben beschleunigt diesen Fragmentierungsprozess. Der Jemen-Konflikt stellt ein erhebliches Risiko für die Sicherheit und Stabilität der gesamten Golfregion dar.

Bisherige Bemühungen um einen Friedensschluss blieben ergebnislos. Die Gründe für das Scheitern des demokratischen Transitionsprozesses sowie für den Ausbruch des Krieges liegen in der jahrzehntelangen Misswirtschaft, geprägt durch Patronage und Korruption, ineffizienten Institutionen, einem Sicherheitsproblem und mangelnder Durchsetzungsfähigkeit des Staates sowie der Exklusion der Bevölkerung von politischer und wirtschaftlicher Partizipation.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) engagiert sich seit 1997 im Jemen und begann ihre Kooperation mit der Universität Aden. Seit 1999 ist die FES auch mit einem eigenen Büro in der Altstadt von Sana’a vertreten. Das FES-Team im Jemen befindet sich in engem Kontakt mit staatlichen wie auch nichtstaatlichen Einrichtungen und Organisationen sowie akademischen Forschungseinrichtungen. Das Büro will zivilgesellschaftliche Akteure und politische Entscheidungsträger_innen in die Lage versetzen, aktiv am gesellschaftlichen Dialog teilzunehmen und auf politische Entscheidungsprozesse einzuwirken. Nach den revolutionären Ereignissen von 2011 und im Zuge des politischen Transitionsprozesses sind Frauen und Jugendliche stärker in den Fokus der Projektarbeit gerückt. Der Krieg und die fortschreitende Militarisierung drohen die Errungenschaften der Transitionsphase, wie z.B. die größere Sichtbarkeit von Frauen und Jugendlichen im öffentlichen Leben, aufzuheben. Um diese Errungenschaften nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verlieren, bildet die Förderung gesellschaftspolitischer Partizipation von Frauen und Jugendlichen weiterhin einen Schwerpunkt der Projektarbeit.

Das Ausbleiben wirtschaftlicher und sozialpolitischer Reformen und damit das Ausbleiben einer sozio-ökonomischen Dividende des Wandels für die Bevölkerung hat letztendlich zum Scheitern des Transitionsprozesses beigetragen. Langfristige Friedenskonsolidierung und Stabilisierung des Jemen kann nur erfolgen, wenn soziale Gerechtigkeit und sozioökonomische Teilhabe in den Mittelpunkt der Reform- und Wiederaufbaudebatte gerückt werden. Daher fördert die FES im Jemen die Auseinandersetzung mit sozioökonomischen Herausforderungen und bietet eine Plattform zur Entwicklung von Lösungsansätzen. Zudem fördert das Büro die Integration des Jemen in regionale und internationale Beratungs-, Diskussions- und Verhandlungsprozesse. Mit Trainingsangeboten im Bereich Konflikttransformation und Friedensförderung unterstützt die FES im Jemen zivilgesellschaftliche Initiativen bei der Bewältigung von Konflikten auf lokaler Ebene und bei der Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Partner des Büros sind Universitäten, Institutionen der Zivilgesellschaft im Bereich Demokratieförderung, politische Bildung und soziale Gerechtigkeit sowie unabhängige Think Tanks. Es bestehen Arbeitskontakte zum Planungsministerium sowie zu anderen staatlichen Institutionen.

Erfahren Sie mehr auf der Seite des Landesbüros.

Publikationen zum Jemen

[Yemen political transition and its socioeconomic and humanitarian repercussion]

Sana'a

Publikation herunterladen (5 MB, PDF-File)


Yassen, Taha

[Guide of human rights terms

Sana'a

Publikation herunterladen (930 KB, PDF-File)


Ğaiyūsī, 'Auda Rašid al-

[Renewable energy in the arab world]

[transfer of knowledge and prospects for Arab cooperation]
Amman

Publikation herunterladen (10 MB, PDF-File)


[Solar energy guide]

Beirut

Publikation herunterladen (790 KB, PDF-File)


[Solar energy]

Beirut

Publikation herunterladen (14 MB, PDF-File)


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