Soziale Gerechtigkeit

Bild: São Paulo, Brazil: Mass demonstrations in favor of democracy and the government president Dilma Rousseff in Paulista Avenue von Alf Ribeiro lizenziert unter Shutterstock.com

Lateinamerika hat im letzten Jahrzehnt rasante politische und wirtschaftliche Entwicklungen durchlaufen. Die meisten Länder der Region wiesen ein stabiles Wirtschaftswachstum auf, und viele der teils noch jungen Demokratien konsolidierten sich. Gerade Südamerika stand im Zeichen eines progressiven Aufbruchs. So gab es eine günstige Ausgangslage für die Gewerkschaften, um die Interessen der Arbeitnehmer_innen durchzusetzen. Spätestens seit 2015 hat der Verfall der Weltmarktpreise für Rohstoffe jedoch negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft Lateinamerikas. Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik prognostiziert eine Zunahme der Arbeitslosigkeit und eine Ausweitung des informellen Sektors. Die Gewerkschaften stehen daher – auch angesichts geänderter politischer Vorzeichen – vor der Herausforderung, bisherige Errungenschaften zu verteidigen und sicherzustellen, dass beim Krisenmanagement der Regierungen arbeitsmarkt- und sozialpolitische Ziele nicht außen vor gelassen werden.

Durch die Globalisierung werden auch die klassischen Handlungsfelder der Gewerkschaften immer mehr von regionalen Entwicklungen und globalen Trends bestimmt, wie z. B. vom zunehmenden Einfluss transnationaler Unternehmen. Zusätzlich stehen die Gewerkschaften vor existenziellen Herausforderungen: Die Lohnentwicklung bleibt weit hinter dem Wachstum der Arbeitsproduktivität zurück; rund 50 Prozent der Lateinamerikaner_innen sind im informellen Sektor oder in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt. In zahlreichen Ländern bleiben Gewerkschaften zum Teil massiven Repressionen ausgesetzt. Die Bandbreite der Verletzung gewerkschaftlicher Rechte reicht dabei von tätlicher Gewalt, Drohungen und Schikanen bis hin zu gewerkschaftsfeindlichen Praktiken und gesetzlichen Bestimmungen, welche die Organisationsfreiheit am Arbeitsplatz oder Tarifverhandlungen unterminieren. Hinzu kommen geschlechtsspezifische und ethnische Diskriminierung sowie hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Eine Besonderheit der lateinamerikanischen Gewerkschaftsbewegung ist die Existenz starker und unabhängiger Regionalorganisationen, von denen wichtige sozial- und gewerkschaftspolitische Impulse ausgehen, die auf die nationale Ebene zurückstrahlen. Eine zentrale Rolle spielen zum einen die 2008 als Regionalorganisation des IGB gegründete Confederación Sindical de Trabajadores/as de las Américas (CSA), ein Zusammenschluss von 53 Gewerkschaftsdachverbänden aus 23 Ländern mit ca. 50 Millionen Mitgliedern, und zum anderen die subregionalen gewerkschaftlichen Koordinationsinstanzen wie die Coordinadora de Centrales Sindicales del Cono Sur. Dennoch ist die Gewerkschaftslandschaft regional ungleichgewichtig und sehr heterogen: Der Großteil der relevanten Organisationen konzentriert sich im südlichen Lateinamerika; in Zentralamerika und der Andenregion ist der Organisationsgrad weiterhin sehr niedrig, und Gewerkschafter_innen werden immer wieder Opfer von Gewalt und Verfolgung.

Mit ihrer Projektarbeit in 20 Ländern Lateinamerikas unterstützt die FES ihre Partner darin, die Rahmenbedingungen und Wirkungen gerechter und solider Sozial- und Arbeitsmarktpolitiken zu verbessern und bietet zudem Foren des Erfahrungsaustauschs zwischen den Ländern. Die Stiftung will die Gerechtigkeitsaspekte der sozialen Demokratie durch die Förderung von demokratischen Arbeitsbeziehungen ausbauen, die es Arbeitnehmer_innen und ihren Organisationen erlauben, ihre Interessen national, regional und global angemessen zu vertreten. Das regionale Gewerkschaftsprojekt der FES mit Sitz in Montevideo stärkt neben der nationalen die regionale und internationale Arbeit der Gewerkschaften und pflegt enge Beziehungen zu den subregionalen Koordinationsinstanzen sowie zur Regionalorganisation CSA. Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem die Unterstützung des europäisch-lateinamerikanischen Gewerkschaftsdialogs, die regionale Integration und der innergewerkschaftliche Reformprozess. Die FES fördert den Austausch zwischen lateinamerikanischen Gewerkschaftsbewegungen und anderen politischen Akteuren zu programmatischen Themen wie Entwicklungsmodellen, Arbeitswelten, Steuergerechtigkeit und sozialer Inklusion sowie zu Themen gemeinsamer globaler Verantwortung wie Klima- und Energiepolitik. In Kooperation mit dem globalen FES-Gewerkschaftsprojekt werden auch Fragen der globalen Gewerkschaftspolitik wie die Umsetzung von internationalen Arbeits- und Sozialstandards aufgegriffen; Schwerpunkt ist hierbei die Vernetzung von regionaler und nationaler Gewerkschaftsarbeit mit den Global Union Federations.

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    Bild: von FES 

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