Internationale Politik

Bild: President Barack Obama shakes hands with Cuban President Raul Castro during their meeting at the Palace of the Revolution in Havana, Cuba von Pablo Martinez Monsivais lizenziert unter picture-alliance.com / AP Photo

Allianzpartner – die Bedeutung Lateinamerikas für Deutschland und Europa

Die Rollen Lateinamerikas und Europas in der Welt haben sich seit den 1990er Jahren stark gewandelt. Spricht man von den Beziehungen der beiden Regionen, musste traditionell immer auch ein dritter Spieler berücksichtigt werden: die USA. Heute gibt es auch noch einen vierten: China. Man konkurriert um politischen Einfluss und Marktanteile. Die EU ist zwar noch immer der größte ausländische Investor in Lateinamerika und der zweitgrößte Handelspartner. Doch alle Staaten Lateinamerikas exportieren vermehrt in den asiatischen und pazifischen Wirtschaftsraum. So lieferte Brasilien 2010 fast dreimal so viele Waren nach Asien wie noch zehn Jahre zuvor. China ist Hauptabnehmer vieler Rohstoffe in Lateinamerika, und das Interesse Chinas an großen Infrastrukturprojekten in der Region steigt. Die Folge: Chinas wirtschaftlicher Einfluss auf Lateinamerika steigt – in rasantem Tempo. Im Gegensatz dazu stagnieren Europas Anteile am lateinamerikanischen Export oder nehmen gar ab.

In vielen Ländern Europas hat die Finanzkrise schwere Wirtschaftskrisen ausgelöst, auch demokratische Werte geraten in der Folge unter Druck gesetzt. Europas diverse und offene Gesellschaften werden durch Radikalismus und Extremismus herausgefordert. Lateinamerikas Erfahrungen mit Finanzkrisen und als traditionelle Einwanderungs- und Migrationsregion können den europäischen Dialog über strukturelle Herausforderungen in einem neuen geopolitischen Umfeld beleben. Die biregionalen Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika sollten diesen Veränderungen Rechnung tragen und die Regionen gemeinsam die Weichen für mehr Menschlichkeit, Demokratie, Frieden und Wohlstand stellen.

Lateinamerika verfügt über enorme natürliche Ressourcen, die in Hinblick auf technologische Innovation (z. B. Lithium), Klimapolitik (Regenwald) und Ernährungssicherheit (Agrarproduktion und Süßwasserreserven) weltweite Relevanz haben bzw. erlangen werden. Lateinamerika tritt heute selbstbewusst in globalen Fragen auf, statt Hilfe wünscht man Verhandlungen und Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Jenseits von Rohstoffen, Handel und Investitionen finden progressive Kräfte Europas starke Allianzpartner in lateinamerikanischen Parteien, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft, die wir zur nachhaltigen und gerechten Gestaltung der Globalisierung brauchen. Sie stehen in vielen Bereichen der Gesellschafts-, Wirtschafts- und Demokratieentwicklung vor ähnlichen Fragen und experimentieren bereits mit durchaus interessanten Lösungsansätzen. Aus der historischen Erfahrung mit dem nördlichen Nachbarn gehören die Lateinamerikaner zu beharrlichen Unterstützern eines multilateralen Ordnungssystems.

An diesen Punkten knüpft die Arbeit der FES an. Im Dialog über gemeinsame, aber auch unterschiedliche Probleme bringen wir gesellschaftspolitische Akteure zusammen. Die gemeinsame „Werte“- und Interessenbasis sozialdemokratischer und progressiver Kräfte in Europa und Lateinamerika sollte wesentlich stärker für die sozial gerechte und nachhaltige Gestaltung globaler Prozesse genutzt werden.

  • Kontakt

    Dr. Svenja Blanke

    Hiroshimastr. 28
    10785 Berlin

    +49 30 26935-7482

    svenja.blanke(at)fes.de

  • Expertise
    Bild: von FES 

    Das Referat Lateinamerika und Karibik arbeitet in folgenden Themenfeldern:

    • Soziale Gerechtigkeit
    • Demokratie
    • Sozial-ökologische Transformation
    • Friedens- und Sicherheitspolitik
    • Internationale Politik

    Wir fördern den politischen Austausch zwischen Lateinamerika, Deutschland und Europa.

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