Referat Lateinamerika und Karibik

19.06.2017

Gespräch am Nachmittag - der Film »La última tarde« aus Peru

Bild: Filmplakat La última tarde von © Regie Joel Calero

»hingeschaut«

Wie sehr verändern wir uns und unsere Überzeugungen und Ideale im Laufe des Lebens? Dies ist eine der zahlreichen Fragen, denen der peruanische Regisseur Joel Calero in seinem Film »La Ultima Tarde« nachgeht.

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Nach fast zwanzigjähriger Trennung treffen sich zwei Menschen, die mal ein Paar waren, zur Unterzeichnung der Scheidungsdokumente. Laura (Katerina D'Onofrio), aus großbürgerlichem Milieu in der Hauptstadt Lima, hatte sich in ihrer Jugend gemeinsam mit dem militanten Universitätsaktivisten Ramón (Lucho Cáceres) einer links-subversiven Bewegung im Andenhochland angeschlossen. Als Laura abrupt die Beziehung abbricht, entwickeln sich ihre Lebenswege auseinander: Laura ist nach der Trennung in ihre gutbürgerlichen Welt zurückgekehrt und arbeitet erfolgreich in einer Werbeagentur, Ramón wird verhaftet und verwaltet nach seiner Entlassung die Vergabe von Kleinkrediten einer internationalen Hilfsorganisation im Hochland.

Die Ausstellung der Scheidungsformulare dauert aber erheblich länger als erwartet, und so entsteht die unerwartetete Möglichkeit zu einem langen Spaziergang und Gespräch – zunächst recht oberflächlich und distanziert über neutrale Themen wie Familien, Beziehungen und Beruf, mit zunehmender Dauer jedoch über ihre gemeinsame Zeit in der Sierra, ihre Liebe, ihre damaligen Ideale und ihre Geheimnisse.

Die Kamera begleitet dieses Gespräch die ganze Zeit über frontal auf Laura und Ramon fokussiert – dies ist ausgesprochen spannend und liegt an den hervorragenden Darsteller_innen, die für ihre Leistung im Film bereits mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurden.

Die Spannung steigert sich in der zweiten Hälfte des Films. Als das Ex-Paar eine Gruppe Jugendlicher beim Aufbrechen von Lauras Autos erwischt und Ramón zur Selbstjustiz greift, ist die Vergangenheit plötzlich wieder präsent und die Persönlichkeiten beider Protoganist_innen und ihre Motive erscheinen in einem anderen Licht.

Das Ende soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Sehenswert ist der Film für alle, die sich für die aktuelle gesellschaftliche Situation in Peru, vor allem aber für die Auseinandersetzung mit der Zeit des Terrorismus interessieren.

Rezensent_in: Astrid Becker, Leiterin der FES Peru

Drama, Peru, 2016, 81 Minuten

Regie: Joel Calero

Schauspieler_innen Katerina D’Onofrio, Lucho Cáceres

Weltvertrieb: http://www.habanerofilmsales.com/portfolio/la-ultima-tarde

Arbeitseinheit: Stimmen aus Lateinamerika und der Karibik


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