SpezialModul-Seminar: EU-Hospitanz

Bild: Parliament Brussels von: fill Licence: CC0 1.0

Das Hospitanzprogramm Europäische Union gehört zum Spezial-Modul Hospitanzprogramme. Es richtet sich an Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten.

Wichtig: Interessierte an diesen Programmen bewerben sich bitte mit einem begründenden Anschreiben, Lebenslauf und Nachweisen journalistischer Praxis bei der Leiterin der JournalistenAkademie Carla Schulte-Breidenbach. 

 

Weitere Informationen erhalten Sie per Mail bei Marion.Fiedler(at)fes.de

EU-Hospitanzprogramm in Brüssel 2011 - "Europa besser verstehen"

Einblicke in die Europapolitik: EU-Hospitanzprogramm in Brüssel mit Einführungsseminar "Europa besser verstehen" in Bonn

Zwei Tage Bonn, fünf Tage Brüssel, viel Theorie und noch mehr praktische Exkursionen. Auch in diesem Jahr konnte die Journalisten-Akademie der FES den Teilnehmenden des EU-Seminar- und Hospitanzprogramms wieder die Möglichkeit bieten, ihre Kenntnisse über das institutionelle System und die Politik der EU zu erweitern, kreative Europaberichterstattung praktisch zu erproben und sich vor Ort ein Bild von den Herausforderungen der journalistischen Tätigkeit im europäischen Kontext zu machen. Nach Ansicht der Teilnehmenden ist nicht nur das Europaverständnis geschärft worden. Die in Brüssel gewonnen Eindrücke haben auch große Neugier geweckt und konnten die Scheu vor journalistischen Annäherungen an die EU nehmen.

Fotostrecke zum Hospitanzprogramm

Impressionen zum Seminar

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

"Eine Woche in Europa": Die Teilnehmenden berichten

Ein europäisches Wochenende in Bonn Bad Godesberg

Freitag, 7. Oktober – Sonntag, 9. Oktober 2011

von Daniel Hadwinger
Am Freitag gegen 15 Uhr finden sich alle zufrieden und erwartungsvoll im Konferenzraum des Gustav-Stresemann-Instituts – unserer Tagungsstätte für dieses Wochenende – ein. Die Zusammensetzung unserer Gruppe ist sehr gemischt, es finden sich neben erfahrenen Journalisten im Hörfunk, TV und Print auch Studierende und Promovierende. Die folgenden Tage versprechen also durchaus interessant zu werden und das Klima in der Gruppe ist von Anfang an sehr gut. Unser Seminarleiter in Bonn, Thomas G. Becker, Journalist und Jurist, der lange für das ARD-Studio in Brüssel arbeitete, gibt eine kurze Einführung über die EU-Institutionen und uns wird bewusst, wie wenig wir von Brüssel wissen. Umso eifriger stürzen wir uns in die Aufgabe des kommenden Wochenendes: die Produktion einer Sonderbeilage zur Euro-Krise 2011. In Teams soll in den nächsten beiden Tagen die Geschichte Europas, die Euro-Krise, Europa im Alltag und Europa vor 1945 erarbeitet werden. Trotz der großen Aufgabe ist die Stimmung in der Gruppe nach dem Abendessen beruhigend gemütlich.

Am Samstag geht es an die Arbeit. Heute wird wohl der arbeitsreichste Tag des Seminars. Nach einer Abstimmung in der Gruppe und einer Redaktionskonferenz geht es – wie in einer normalen Redaktion - zuerst an die Recherche. Einige Teams durchforsten das Internet und führen Telefoninterviews mit Wirtschaftsexperten und Historikern, während ein anderes Team in die Bonner Innenstadt fährt, um die Menschen dort zur „EU im Alltag“ zu befragen. Eine motivierende Pause ist am Nachmittag der Vortrag von Petra Schmitt-Wilting aus dem WDR-Studio Brüssel. Sie berichtet über den praktischen Studio-Alltag, die Masse an Informationen und die geringe Anzahl an Korrespondenten und analysiert, warum die EU in den Medien nur wenige und dann zumeist negative Schlagzeilen macht. Danach gehen Recherche und Schreiben weiter – bei vielen sogar bis in den späten Abend hinein, da bis Sonntagmittag alles fertig sein muss.

Am Sonntag geht es in den Endspurt. Unsere Artikel müssen geschliffen, bebildert und vor allem gekürzt werden. Der Hinweis unseres Seminarleiters „Kill your darling“ soll die kreative Köpfe wohl darauf hinweisen, dass Kürzen manchmal brutal sein kann, aber trotzdem notwendig ist. So lernen wir an diesem Wochenende neben EU-Fakten, auch das Schreiben. Die Freude ist groß als die Schlussredaktion am Mittag tatsächlich alle Artikel absegnet und der Nachmittag nun der Erholung dienen soll.

Und hier ist das Ergebnis: Europa vor dem Abgrund? Sonderbeilage zur Europakrise


Belgien ist nicht nur Pommes!

Montag, 10. Oktober 2011

von Andreas Becker
Ab heute wird mit Vorurteilen aufgeräumt. Ist Belgien nur Pommes, Brüssel provinziell, die EU intransparent und bürokratisch? Im Europabüro der Friedrich-Ebert-Stiftung vollführt Dr. Andrä Gärber einen wahren Parcours-Ritt, im Galopp, aber fest im Sattel. Der eloquente Volkswirt und Büroleiter des FES Büros Brüssel erläutert uns seine Sicht auf die aktuelle Lage der EU in der Schuldenkrise: Die Union steht am Scheideweg. Um in der globalisierten Wirtschaftswelt zukünftig eine Rolle spielen zu können, braucht Europa eine vertiefte Integration, die Abgabe von nationalen Befugnissen. Im Gespräch mit Algara Stenzel und Hildegard Caspari-Persch aus der Pressestelle der SPD-Delegation im Europäischen Parlament gewinnen wir erste praktische Einblicke in die Pressearbeit im Machtzentrum der EU. Nach diesen Impulsen entzaubern wir gemeinsam mit unserem Seminarleiter Dr. Torsten Schäfer schon am ersten Abend einen Mythos. Belgien ist nicht nur Pommes. Dazu gibt es Muscheln und Bier!


Ein neuer Kosmos tut sich auf

Dienstag, 11. Oktober 2011

von Gisela Dietz
Die belgische Hauptstadt zeigt sich an diesem Morgen grau und regnerisch. Wir werden das Europäische Parlament erkunden und ich bin gespannt auf die Eindrücke, die uns heute erwarten. Bereits vor dem Eingang, unter dem Regenbogen aus tausenden Kunstblüten, ahne ich, was sich in dem futuristischen Glasbau verbirgt: Ein riesiger, in sich geschlossener Kosmos mit eigener Dynamik. Wenig später stelle ich fest, ich habe mich nicht getäuscht. Das Innere ist eine echte pfadfinderische Herausforderung mit riesigen Hallen und Treppenhäusern, Konferenzräumen und Fraktionsbüros, dazwischen Kunst, Lobbyisten und vor allem eines, geschäftige Menschen. Wir werfen einen Blick in den leeren Plenarsaal. Dort soll morgen eine wichtige Sitzung stattfinden. Heute begnügen wir uns mit dem Verkehrsausschuss, wandern weiter zum Entwicklungsausschuss und lauschen den Berichten und Debatten. Am späten Nachmittag soll ein Besuch in den Arbeits- und Senderäumen der Deutschen Welle folgen. Doch schon jetzt wird mir klar, warum die Berichterstattung über die EU so schwierig ist. Alles um uns herum ist mindestens siebenundzwanzig Mal größer als in einem nationalen Parlament und an die Gebäude in Straßburg mag ich in diesem Zusammenhang nicht einmal denken.


Einzigartig, faszinierend und verwirrend

Mittwoch, 12. Oktober 2011

von Jutta Prohaska
Der Mittwoch steht noch einmal ganz im Zeichen des europäischen Parlaments. Unser Tag beginnt mit der Teilnahme an der S&D Fraktionssitzung. In diesen Tagen einer Diskussion von SozialdemokratInnen aus ganz Europa beizuwohnen, verspricht interessant zu werden und es geht wahrlich lebhaft zu: Bei kleinen Seitenhieben des Fraktionsführers Martin Schulz auf die politische Gegenseite bleibt selbst den Dolmetschern ein Grinsen nicht verwehrt. Bei der Frage, wie sich die europäische Sozialdemokratie in der europäischen Schuldenkrise positioniert, wird es dagegen sehr ernsthaft. Für mich am faszinierendsten ist aber tatsächlich die Leistung der Dolmetscher zu beobachten. Erst sie bringen es fertig, dass die Sprachunterschiede keine Barriere für eine gemeinsame europäische Politik mehr darstellen.

Anschließend gehen wir auf einer kurzen Stippvisite bei der deutschen Delegation der S&D-Fraktion vorbei. Dort geht es weitaus ruhiger und gelassener zu. Ob es an der Mittagszeit liegt? Jedenfalls zeigt sich jetzt, eine der wesentlichen Besonderheiten des europäischen Parlaments: Die Politiker hier sind alle Fachpolitiker und Experten für ihren Bereich. Bis ins kleinste Detail wird aus den Ausschüssen berichtet und die eigene Position erklärt, sei es zum Glücksspielmonopol oder zur Fischerei.

Nachmittags steht der Besuch des Plenums auf dem Plan. Topthema: Natürlich die Schuldenkrise. Nach einer guten Stunde zuhören, mache sich die Erschöpfung der vielen Gespräche bemerkbar und wir genießen eine kurze Auszeit, bis wir uns abends in einem Restaurant unweit des Parlaments wieder treffen. Auf Einladung der deutschen Delegation der S&D-Fraktion diskutieren wir gemeinsam mit den Europaabgeordneten Jutta Steinruck und Ulrike Rodust bis in den späten Abend über die Arbeit im Parlament, über das Leben in Brüssel und über den Unterschied zwischen nationalen und europäischen Abgeordneten. Mein Eindruck: Brüssel – und damit meine ich die europäische Politik – ist einzigartig, faszinierend und verwirrend zugleich.


Der "Umwelttag"

Donnerstag, 13. Oktober 2011

von Lena S.
Nach einem geselligen Abend machen wir uns am Donnerstagmorgen vom Hotel auf den Weg zum Brüsseler Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung. Dort treffen wir uns mit zwei Lobbyisten, Claus Mayr vom NABU Bundesverband und Saskia Richartz von Greenpeace. Beide vertreten ihre Verbände in Brüssel und versuchen dort auf die Politik Einfluss zu nehmen. Sie stellen ihre Arbeit in einem kurzen Vortrag vor und beantworten anschließend unsere neugierigen Fragen. Das Thema Umwelt ist ein besonders geeignetes Beispiel, um den Einfluss der EU-Politik auf regionale Gegebenheiten zu verdeutlichen, da Faktoren, die die Umwelt beeinflussen, wie Schadstoffe, aber auch Tiere und Pflanzen keine nationalen Grenzen kennen.

In der Mittagspause lassen wir uns im Park die Sonne auf den Bauch scheinen und beobachten dabei eine Schar grüner Papageien, die es sich ebenfalls hier gemütlich gemacht haben. Sie sind irgendwann aus einem Zoo ausgebüchst und vermehren sich dank des milden Klimas in Brüssel hervorragend.

Nach einem Besuch von Alexander von Witzleben - Pressereferent der EU-Kommission in der Generaldirektion Industrie und Unternehmen - am Nachmittag, erzählt uns Seminarleiter Dr. Torsten Schäfer noch Genaueres über die Recherche zur EU-Umweltpolitik. Da die vielen Informationen unsere Köpfe dann doch etwas zum Rauchen bringen, belohnen wir uns anschließend mit einem gemeinsamen Abendessen – unserem letzten in Brüssel.


Au revoir, Brüssel!

Freitag, 14. Oktober 2011

von Zhibo Xu
Zwei Flaggen bewegen sich im gleichen Rhythmus im Wind, eine ist blau mit zwölf, kreisförmig angeordneten golden Sternen, die andere ist halb gelb, halb schwarz, in der Mitte ein Wappen mit drei Löwen. Unter den Flaggen liegt der Eingang zu unserer letzten Station in Brüssel: die Landesvertretung von Baden-Württemberg. Nachdem wir einen großen Saal mit gläserner Decke durchquert haben, werden wir im Garten der Repräsentanz willkommen geheißen und erfahren, wie die deutschen Länder versuchen, auf die europäische Politik Einfluss zunehmen. Nach dem Vortrag werden wir ins hauseigene „Schwarzwaldstüble“ zu Brezeln und Apfelsaft „made in Baden-Württemberg“ eingeladen und können uns dabei auf die „von Baden-Württemberg gesicherte Qualität“ verlassen.

Den Abschluss unserer Reise nach Brüssel finden wir zurück im FES-Büro im Gespräch mit Detlef Fechtner von der Börsenzeitung und Christian Trippe, dem Studioleiter der Deutschen Welle in Brüssel. Das Gespräch bietet eine hervorragende Gelegenheit die ereignisreiche Woche noch mal Revue passieren zu lassen - ein schöner Abschluss einer spannenden Zeit!

"Das Ministerium ist Mensch geworden": Ein Interview mit Teilnehmer Daniel Hadwinger

Daniel Hadwiger studiert im 5. Semester Geschichte und Europäische Literatur in Mainz und Dijon. Er möchte im Anschluss an sein Bachelor-Studium gerne einen Master in Europastudien machen und überlegt Journalist zu werden. Wir haben ihn zu seinen Eindrücken des EU-Hospitanzprogramms befragt.

Journalistenakademie: Daniel, warum hast Du Dich für das EU-Hospitationsprogramm beworben?

Daniel: Ich finde die Kombination von Journalismus mit dem Thema Europa großartig. Seit dem Abitur interessiere ich mich genau dafür. Ich habe lange nach einer Weiterbildungsmöglichkeit auf diesem Gebiet gesucht und bin froh fündig geworden zu sein.

Ich habe während meines Freiwilligendienstes in Frankreich bei einer Zeitung gearbeitet, wo ich eine sogenannte „europäische Rubrik“ gestalten konnte. Während dieser Zeit habe ich mich also bereits mit der Europäischen Union aus journalistischer Perspektive beschäftigt und bin von der EU nach wie vor fasziniert.

Journalistenakademie: Das hört sich ja schon fast euphorisch an. In der Presse kommt die EU ja momentan nicht gut weg. Die EU-Berichterstattung wird von der Schuldenkrise in den Euroländern dominiert. Was macht für Dich die Faszination an der EU aus?

Daniel: Mich interessiert vor allem der kulturelle Aspekt der europäischen Einigung. Ich bin sehr beeindruckt von dem Kulturreichtum, den Europa bietet und der durch die europäische Integration für mich und andere Europäer zugänglicher wird.

Ich sehe darin übrigens auch große Chancen im journalistischen Bereich. Die vielen Klischees, die es über Franzosen, Deutsche, Italiener oder Polen gibt, sind meiner Meinung nach immer ein guter Aufhänger für einen Beitrag in den Medien.

Journalistenakademie: Hat sich Dein Eindruck von der EU hier in Brüssel verändert?

Daniel: Für mich ist hier noch mal ganz klar geworden, dass die EU einen riesigen Einfluss auf den Alltag von jedem von uns hat. Das fängt natürlich damit an, dass Frieden für meine Generation eine Selbstverständlichkeit geworden ist, Trinkwasser ist ein anderes gutes Beispiel, aber es gibt auch viel banalere Dinge. Auf was Brüssel alles tatsächlich Einfluss hat, ist mir hier noch mal sehr deutlich vor Augen geführt geworden.

Außerdem ist durch die Woche hier und die persönlichen Gespräche mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments und Vertretern der Kommission die Scheu gewichen sich Brüssel auch für journalistische Vorhaben anzunähern. Man könnte fast pathetisch sagen: Das Ministerium ist Mensch geworden. (lacht)

Journalistenakademie: Wie beurteilst Du die Berichterstattung über die EU nachdem was Du hier in Brüssel erfahren hast?

Daniel: Verglichen damit, wie sehr das, was hier täglich stattfindet, die Menschen in der EU beeinflusst, finde ich, dass sehr wenig über die EU berichtet wird. Ich glaube es ist wichtig, dass die Medien versuchen die EU öfter auf den konkreten Alltag der Menschen herunter zu brechen.

Journalistenakademie: Willst Du immer noch Journalist werden?

Daniel: Ich will es noch dem Studium auf jeden Fall versuchen, auch wenn das natürlich sehr schwer werden wird und viele Unsicherheiten damit verbunden sind. Aber mein Interesse ist wirklich groß. Und dann würde ich es natürlich gerne im europäischen Umfeld arbeiten.

Journalistenakademie: Haben sich Deine Erwartungen an das Hospitationsprogramm erfüllt?

Daniel: Ja, auf jeden Fall!

  • Kontakt

    Leitung

    Carla Schulte-Breidenbach

    Kontakt

    Marion Fiedler
    Godesberger Allee 149
    53175 Bonn

    0228/883-7124
    0228/883-9210

    E-Mail-Kontakt

  • Team
    Bild: von FES 

    Treten Sie mit uns in Kontakt! Möchten Sie...

    • Informationen und eine Beratung zu unseren Seminarinhalten, oder...
    • Auskünfte zu der Seminarorganisation und Anmeldung?

    Wir freuen uns, wenn Sie mit uns in den Austausch treten.

    Hier finden Sie unsere thematischen Ansprechpartner_innen

    weiter

Die Antworten auf Ihre wichtigsten Fragen finden Sie übersichtlich in unserem FAQ.

nach oben