Wirtschaft und Menschenrechte

Vor allem in den Ländern des globalen Südens sind ungerechte Löhne und fehlende soziale Sicherungsleistungen, Zwangsarbeit, die Diskriminierung von Frauen, die Verfolgung und Unterdrückung von Gewerkschaften und mangelhafte Sicherheitsstandards Alltag in der Arbeitswelt. Gute Arbeit weltweit zu stärken ist deshalb eine Kernaufgabe, um Menschenrechte durchzusetzen und Ungleichheit zu reduzieren. Mit unserer Arbeit zum Thema Wirtschaft und Menschenrechte wollen wir hierzu einen Beitrag leisten.

Global agierende Konzerne sind heute wichtige Akteure der Globalisierung, die zum Teil über erhebliche ökonomische und politische Macht verfügen. Weltweit arbeiten etwa 450 Millionen Menschen in globalen Wertschöpfungsketten. Im Kampf um lukrative Produktionsbedingungen, Abbaurechte und billige Rohstoffe bleiben jedoch nicht selten menschenrechtliche Standards auf der Strecke. Die Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen haben zumeist keine Möglichkeiten, gegen die Unternehmen vorzugehen. Vor Ort sind die staatlichen Strukturen oft zu schwach oder die Regierungen nicht willens, die Menschenrechte durchzusetzen. Und in den Heimatländern der Konzerne gilt die Achtung der Menschenrechte im Ausland als freiwillige Angelegenheit. Ziel muss es deshalb sein, den Betroffenen den Zugang zu Recht zu ermöglichen und die Staaten in die Lage zu versetzen, dass sie die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht von Unternehmen kontrollieren und Verstöße ahnden können – auch über Grenzen hinweg.

In den letzten Jahren ist sehr viel Bewegung in die Debatte gekommen. Ausgehend von den VN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die nicht-verpflichtende Standards für die menschenrechtliche Verantwortung von Unternehmen und zentrale Elemente einer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht definieren, gibt es in Deutschland eine Reihe von Initiativen, die die Frage der Menschenrechte in globalen Wertschöpfungsketten angehen. In ihren beiden Schwerpunkthemen zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht und zu globalen Standards greift die FES gemeinsam mit ihren zivilgesellschaftlichen und gewerkschaftlichen Partnern diese Initiativen und Themen auf.

Alle Neuigkeiten zum Thema "Unternehmensverantwortung und Menschenrechte"

Handbuch der Menschenrechtsarbeit

Handbuch der Menschenrechtsarbeit

Ein Überblick über die Organisationen und Institutionen des Menschenrechtsschutzes - digital und als PDF-Dokument. weiter

Unsere Schwerpunkte

Unternehmerische Sorgfaltspflicht

Der relativ neue Begriff der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht fordert Unternehmen auf, in ihren globalen Geschäftstätigkeiten Menschenrechte zu achten. Die konkrete Ausgestaltung dieses Konzepts wird – auf der Grundlage der VN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte – ein kontinuierlicher Prozess sein. Eine wichtige Etappe ist dabei der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte, den die Bundesregierung aktuell erarbeitet. Die FES setzt sich in diesem Rahmen aber auch im Zusammenhang mit anderen Initiativen dafür ein, Wege zu finden, wie eine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht politisch und rechtlich umgesetzt werden kann. Mit unseren Beratungsangeboten wie dem Gesprächskreis "Gute Arbeit Weltweit", Gutachten und Veranstaltungen legen wir konkrete Vorschläge vor, unterstützen politische Entscheidungsträger_innen und tragen die Debatte in die breite Öffentlichkeit. Ziel ist es, verbindliche, das heißt auch gesetzliche Regelungen für unternehmerische Sorgfaltspflichten zu formulieren und durchzusetzen.

Ganz konkret geht uns auch darum, für Betroffene den Zugang zu Recht zu verbessern, wie z.B. im Rahmen des Prozesses von pakistanischen Kläger_innen gegen den deutschen Textilhändler KiK vor dem Landgericht Dortmund. Hintergrund ist der Brand in der Fabrik von Ali Enterprises im September 2012 in Karachi, bei dem 260 Menschen starben. Hauptkunde der Fabrik war KiK. Die FES bringt zusammen mit ihren Partnern die Perspektiven aus dem globalen Süden zur Frage des Zugangs zu Recht in die deutsche Diskussion.

Globale Standards

Zertifizierungssysteme (Audits) können wichtige Instrumente sein, um soziale Standards durchzusetzen. Allerdings wächst auch die Kritik vor allem an der mangelnden Effizienz bestehender Verfahren. Die FES diskutiert deshalb auch zusammen mit Unternehmensvertreter_innen die Reichweite von Audits und lotet alternative Möglichkeiten der Standardsetzung aus. Die FES engagiert sich auch im Textilbündnis, einer Multi-Stakeholder Initiative, in der Vertreter_innen der Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften gemeinsam versuchen, soziale und ökologische Standards in den Produktionsländern zu verbessern.  Die Arbeit der FES konzentriert sich hier in erster Linie auch auf die Zusammenarbeit mit deutschen und internationalen Gewerkschaften.

Wir unterstützen den jährlichen erscheinenden Bericht „Dirty Proftis“ der NGO Facing Finance, der Investor_innen sensibilisieren möchte, in nachhaltige Unternehmen zu investieren. Die NGO deckt in ihren Berichten Verwicklungen von Unternehmen und Finanzhäusern auf, die in Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen stehen. Die FES unterstützt diese Arbeit, um sich auch für Standards in der Kredit- und Bankenbranche zu engagieren.

Aktuelle Beiträge

| Menschenrechte

IPG-Journal: Der Nicht-Aktions-Plan

Bei der Sorgfaltspflicht von Unternehmen setzt Deutschland weiterhin auf Freiwilligkeit. Vorbild wird es damit nicht.


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20.01.2017 | Menschenrechte

Schwerpunkt: Wirtschaft und Menschenrechte

Das IPG-Journal veröffentlicht im Januar 2017 zahlreiche Beiträge zum Thema - ein Überblick.


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Menschenrechte | Veranstaltung, Rückblicke, Interview

FES Podcast 50 Jahre UN-Sozialpakt

Im Dezember 2016 wurde einer der zentralen UN-Menschenrechtspakte 50 Jahre alt. Ein Podcast dokumentiert unsere Konferenz und kritische Fragen.


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Dienstag, 06.12.16 bis Mittwoch, 07.12.16 - Hiroshimastraße 17, 10785 Berlin | Globale Politik, Globale Politik, Menschenrechte | Veranstaltung, Rückblicke

50 Jahre UN-Sozialpakt - Ein Pakt gegen Ausbeutung und Not?

Im Dezember 2016 wurde einer der zentralen UN-Menschenrechtspakte 50 Jahre alt. Ein Podcast dokumentiert unsere Konferenz und kritische Fragen.


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Publikationen zum Thema

Terwindt, Carolijn; Saage-Maass, Miriam

Liability of social auditors in the textile industry

Berlin

Publikation herunterladen (330 KB, PDF-File)


Grabosch, Robert; Scheper, Christian

Corporate obligations with regard to human rights due diligence

policy and legal approaches
Berlin

Publikation herunterladen (1,3 MB PDF-File)


Grabosch, Robert; Scheper, Christian

Die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht von Unternehmen

politische und rechtliche Gestaltungsansätze
Berlin

Publikation herunterladen (900 KB, PDF-File)


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