Projektinformation zur Retrodigitalisierung des Sozialdemokratischen Presseservices

Bild: Titelblatt SPD Pressemitteilung Nr. 71.1980 vom 31.01. 1980

Der Sozialdemokratische Presseservice erschien von 1958 bis 1998 mit wechselnden Titelbezeichnungen:

  • Pressemitteilungen und Information der SPD von 1958 - 1976
  • Sozialdemokraten. Service, Presse, Funk, TV von 1976 - 1986
  • Service der SPD für Presse, Funk, TV von 1986 - 1989
  • Presseservice der SPD von 1989 - 1998

Der Presseservice war eine "Abspaltung" vom Sozialdemokratischen Pressedienst, der von 1946 bis 1995 publiziert wurde und eher programmatische Dokumente veröffentlichte. Der Sozialdemokratische Pressedienst wurde bereits 2000 bis 2001 mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft retrodigitalisiert und kann online abgerufen werden.

Der Service war ein Produkt des neuen Medienzeitalters. Er brachte kurze und "schnelle" Informationen für Presse, Funk und Fernsehen. Gleichzeitig druckte er Interviews und Stellungnahmen sozialdemokratischer Politiker und Politikerinnen ab, die den Print- und Hörmedien gegeben wurden. Auf diesem Gebiet liegt die besondere Stärke des Dienstes.

Viele Interviews von Willy Brandt, Herbert Wehner, Gustav Heinemann oder Helmut Schmidt sind auf anderem Wege nur extrem schwer oder überhaupt nicht zu ermitteln. Gedruckte Pressedienste verlieren generell schon nach kurzer Zeit ihren Gebrauchswert. Es existiert weder ein Wochenregister, noch ein Monatsregister, noch ein Gesamtregister.

Diese skizzierten Defizite sind durch das Retrodigitalisierungsprojekt vollständig beseitigt. Das einzig erhaltene Exemplar wurde durch die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung DIN-gerecht verfilmt. Mit Hilfe eines externen Dienstleisters, der holländischen Firma DMP, wurde der gesamte Film als "digitale Images" retrodigitalisiert. Dieser Service allein hätte jedoch den Benutzungskomfort noch nicht entscheidend verbessert. Deshalb wurden alle inhaltserschließenden Elemente der einzelnen Beiträge (Verfasser und Titel) neu "abgeschrieben", in einer Datenbank abgespeichert und mit den Dokumenten verknüpft. Alle Daten wurden zusätzlich durch eine bibliothekarische Fachkraft redaktionell bearbeitet. Indiziert sind neben den Verfassern Personen, die im Titel genannt werden. Viele Verfasser- und Personennamen wurden mit zusätzlichen biographischen Daten angereichert.

Die einzelnen Meldungen haben oftmals nur einen Formaltitel. ("Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion erklärt...") Deshalb wurde die Stichwortsuche intellektuell zusätzlich mit sinntragenden Stichworten aus dem Inhalt angereichert. Durch die fachlich-inhaltliche Bearbeitung gewinnt die elektronische Quellenedition ihren "eigentlichen" Nutzen. Der Recherchekomfort wurde durch den Einsatz eines automatischen Indexierprogramms MILOS weiter optimiert. Wer z.B. nach dem Stichwort "Tagung" sucht, bekommt auch alle Titel mit den Stichworten "Kongress" bzw. "Konferenz" angeboten.
(s. Maschinelle Indexierung von Massendaten - eine MILOS Anwendung in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung / Walter Wimmer)

Die Bibliothek hat bei der Retrodigitalisierung des Presseservice die Nutzbarkeit im Vergleich zu früheren Projekten nochmals deutlich gesteigert. Die mit 72 dpi aufgelösten Benutzungsversionen sind auf Grund ihrer an die Möglichkeiten des Bildschirms angepassten Auflösung für den Ausdruck nur eingeschränkt nutzbar. Hier hat der Benutzer unseres WEB Angebots zwei Möglichkeiten: Er kann sich die hochaufgelösten Originaldateien als Attachment einer automatisch generierten E-Mail schicken lassen. Alternativ kann er aus den Originaldateien on the fly eine PDF Datei generieren lassen. Hierbei kommen neben einigen Zeilen PERL Code ein Freewareprogramm zur Konvertierung vom TIFF- ins Postscript-Format sowie das bekannte Programm Ghostscript zum Einsatz. Beide Angebote erfordern jedoch, dass die Originaldateien vom WEB Server aus direkt zugreifbar sind. Dies konnte auf dem Server der Bibliothek sicher gestellt werden.

Der Sozialdemokratische Presseservice ist eine exzellente Quelle für die bundesdeutsche Nachkriegsgeschichte. Dies gilt nicht nur für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Der Dienst spiegelt die gesamte Zeitgeschichte über den abgedeckten Zeitraum von vierzig Jahren wider. Ob Mauerbau, neue Ostpolitik oder Wiedervereinigung: Wer sich mit der jüngsten deutschen Geschichte auseinandersetzt, wird die retrodigialisierte Quellenedition mit großem Gewinn benutzen.

Für Kritik und Anregungen sind wir jederzeit dankbar.

nach oben