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FES / Public History / Projekte / Editionsprojekt Gewerkschaftsgeschichte

Projekt Edition „Der deutsche Gewerkschaftsbund 1975-1982“ im Rahmen der „Quellen zur Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung im Zwanzigsten Jahrhundert“

Das Projekt setzt die Edition der „Quellen zur Geschichte der deutschen Gewerkschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert“, von denen bisher 16 Bände erschienen sind, fort, deren jüngster Band über die erste Hälfte der Zeit der sozialliberalen Koalition kürzlich erschienen ist.
Ziel des Projekts ist die Unterstützung der Gewerkschaftsgeschichtsschreibung als Teil der allgemeinen Zeitgeschichte Deutschlands, indem zentrale Quellen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zugänglich gemacht werden. Die Gewerkschaften finden gegenwärtig in den Gesamtdarstellungen zur Politik- und Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik zu geringe Beachtung.
Es werden die Bundesvorstandsprotokolle und ausgewählte Protokolle der Bundesausschusssitzungen des DGB ediert und in ihren gewerkschafts-, wirtschafts-, politik-, gesellschafts- und kulturgeschichtlichen Kontext eingeordnet. Dies soll die Anschlussfähigkeit zwischen Gewerkschaftsgeschichte und zeithistorischer Forschung unterstützen, denn Editionen erzeugen Nachfrage nach vertiefter Recherche und bieten Ansätze zu einer ersten Deutung der Bestände.
Die Edition fügt sich in die gegenwärtige Fachdebatte über die Zeit „nach dem Boom“ ein, in der ein „Strukturbruch revolutionären Ausmaßes“ stattgefunden habe (Raphael/Doering-Manteuffel) und knüpft damit an die Vorarbeiten des AdsD zur Erforschung und Diskussion der „Arbeitnehmerinteressen in Krisenzeiten“ an. Im Mittelpunkt stehen einerseits die realhistorischen Krisenfolgen des Strukturbruchs von 1973/74, denen sich die DGB-Gewerkschaften insgesamt stellen mussten (Deindustrialisierung, rapider Wandel der Arbeitswelt und der Beschäftigungsstruktur durch Rationalisierungs- und Digitalisierungswellen der Produktion, Globalisierung der Produktionsstrategien mit weitreichenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und den Sozialstaat). Gleichzeitig entdeckten die DGB-Gewerkschaften im Untersuchungszeitraum den Betrieb als traditionelles Handlungsfeld der Gewerkschaften neu und gestalteten die Bewältigung der Krisenfolgen aktiv und durch Aushandlung im Betrieb im Rahmen der „anderen Demokratie“ (Milert/Tschirbs) mit.
Auch gesellschaftspolitisch setzte der DGB Wegmarken. In die Quellenauswahl soll einfließen, wie der DGB die „Arbeitnehmerinteressen in Krisenzeiten“ vertrat. Eine wichtige Leitfrage für die Quellenauswahl wird sein, ob die langen 1970er Jahre, nämlich das „sozialdemokratische Jahrzehnt“, auch das goldene Zeitalter der deutschen Gewerkschaftsbewegung waren oder ob ein Rückgang des gewerkschaftlichen Einflusses auf die sozialliberale Regierungspolitik angesichts der wirtschaftspolitischen Herausforderungen der Zeit zu bemerken ist, in der die Reformpolitik weitaus stärker an ihrer Machbarkeit gemessen wurde. Als beispielhafte Phänomene des Berichtszeitraums können die in der Mitbestimmungsauseinandersetzungen „enttäuschten Erwartungen“ des DGB, die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen auf den Strukturbruch in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik reagiert wurde oder wie die Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung und Rationalisierungsschutz aufgenommen wurden, dargestellt werden. Auch die Frage, inwiefern Gewerkschaften sich in Krisenzeiten stärker in die Rolle eines Co-Managements im Rahmen einer Standortpolitik gedrängt sahen, spielt eine Rolle.

Projektbearbeiter ist Herr Dr. Johannes Platz.

Tel. ++49(0)228/883-8025 | johannes.platz[at]fes.de

Gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung.