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Titelschrift:Nachrichten aus dem Archiv

Dr. Christoph Stamm

Die Edition der SPD-Parteivorstandsprotokolle der Ära Schumacher ist abgeschlossen

Mit dem im Februar 2011 erschienenen dritten Band der Edition der Protokolle des Parteivorstandes der SPD für die Jahre ab 1946 ist die Ära des Parteivorsitzenden Kurt Schumacher (gestorben im August 1952) abgedeckt. Die Gesamtkonzeption der Edition und die ersten beiden Bände für die Jahre 1946-1948 und 1948-1950 wurden von Willy Albrecht erarbeitet, während der neue Band von Christoph Stamm, wissenschaftlicher Mitarbeiter im AdsD, herausgegeben und bearbeitet wurde.
Umzug des SPD-Parteivorstandes von Hannover in die 'Baracke' nach Bonn, 1951
	  © AdsDDer Band enthält in 21 Dokumenten die Verlaufsprotokolle der Sitzungen des SPD-Parteivorstandes und der gemeinsamen Sitzungen von Parteivorstand, Parteiausschuss und Kontrollkommission der SPD in der Zeit vom Parteitag im Juni 1950 bis zum Parteitag im September 1952. Gelegentlich wurden zu diesen Sitzungen auch Vertreter von anderen Parteigremien, sozialdemokratische Mitglieder von politischen und parlamentarischen Gremien oder externe Fachleute eingeladen. Der Parteivorstand traf sich in der Regel etwa alle ein bis zwei Monate, während die Abstände zwischen den gemeinsamen Sitzungen stark schwankten. In einigen Fällen wurden Grundsatzreden des Parteivorsitzenden Kurt Schumacher und des Wirtschaftsexperten Erik Nölting in den gemeinsamen Sitzungen der Spitzengremien kurz nach den Sitzungen im Wortlaut in Heftform publiziert. Diese Volltexte der Redebeiträge, die im Umfang jeweils weit über die entsprechenden Passagen in den Protokollen hinausgehen, werden in den Anlagen zu den jeweiligen Dokumenten mit abgedruckt, da diese Broschüren nur selten in Bibliotheken überliefert sind und in ihnen die Gedankengänge der Vortragenden vollständiger als in den Protokollen wiedergeben sind.
Sitzung des SPD-Parteivorstandes in Hannover; Kurt Schumacher, Egon Franke, Alfred Nau und Fritz Heine, 1950
	  © AdsDErgänzt werden die internen Verlaufsprotokolle durch die direkt nach den Sitzungen veröffentlichten Berichte über die Sitzung(en). In der Regel wurde durch den geschäftsführenden Parteivorstand ein offizielles Kommuniqué herausgegeben, das jeweils als Anlage 1 A zu den einzelnen Dokumenten abgedruckt wird. Darüber hinaus erschien üblicherweise in der auf eine Sitzung des Parteivorstandes oder eine gemeinsame Sitzung der Spitzengremien folgenden Nummer des „Neuen Vorwärts“ ein ausführlicher Bericht über die Sitzung. Diese Berichte werden jeweils als Anlage 1 B abgedruckt, da sie sehr häufig den Gang der Diskussion ausführlicher darstellen als Protokoll oder Kommuniqué, oder  auch andere Schwerpunkte setzen. Offizielle Beschlüsse der Sitzungen werden ebenfalls in den Anlagen abgedruckt ebenso wie andere Dokumente, die in den Protokollen erwähnt werden und ihnen auch ursprünglich als Anlage beifügt  waren. Als Beispiel sei ein Bericht Herbert Wehners über eine kleine deutsche Delegation erwähnt, die sich im Herbst 1950 am Rande der UN-Vollversammlung bemühte, die Frage der weiterhin festgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen zur Sprache zu bringen.
Die Sitzungsprotokolle dieser Jahre und ihre Anlagen sind geprägt von den Konflikten zwischen der Regierung Adenauer und der SPD-Opposition in außen- und deutschlandpolitischen Fragen: Beitritt der Bundesrepublik zum Europarat und Mitarbeit der SPD im Europarat trotz prinzipieller Ablehnung des Gremiums, Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion), Vorbereitung eines deutschen Verteidigungsbeitrags für den Westen und Abschluss des Vertrages über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft, das Verhältnis zu den Besatzungsmächten, der beste Weg zu einer deutschen Wiedervereinigung (u.a. „Stalin-Noten“) sowie die Auseinandersetzung mit der DDR und der SED.
SPD-Parteitag in Dortmund, Wahl von Erich Ollenhauer zum SPD-Vorsitzenden, 1952
	  © Jupp Darchinger im AdsDAußen- und Sicherheitspolitik wurden vom Parteivorsitzenden Kurt Schumacher und seinem Stellvertreter Erich Ollenhauer immer im Zusammenhang mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Machtfragen gesehen, so dass auch die Innenpolitik in den Beratungen den ihr gebührenden Platz fand. Im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik bestimmten die Themen Mitbestimmung, Sozialisierung, Betriebsverfassungsgesetz, Lastenausgleich, Flüchtlinge und Vertriebene die Diskussionen. In der Sozialpolitik wie in der Europapolitik sorgten teilweise heftige Differenzen zwischen der SPD und dem Deutschen Gewerkschaftsbund für Beratungsbedarf. Unter dem Aspekt der Parteipolitik und der Wahlaussichten und -ergebnisse wurden die innerparteilichen Probleme der SPD, das Verhältnis zu den anderen Parteien und Bewegungen links und rechts von der SPD sowie die Entwicklungen in den Bundesländern und in Berlin behandelt.
Der Band wird ergänzt durch tabellarische Übersichten über die Teilnahme der einzelnen Gremienmitglieder an den Sitzungen, Kurzbiographien der Mitglied des Parteivorstands 1950-1952, ein Personen- und Sachregister sowie Abkürzungs- und Quellen- und Literaturverzeichnis.

Christoph Stamm (Hg.)
Die SPD unter Kurt Schumacher und Erich Ollenhauer 1946-1963
Sitzungsprotokolle der Spitzengremien
Band 3: 1950-1952
696 Seiten, Hardcover
Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH, Bonn
ISBN 978-3-8012-4103-2
€ 64,00