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16.02.1881: Hans Vogel geboren

Hans Vogel, 1945

Hans (Johann) Vogel, der als Sohn eines Schuhmachermeisters in Oberartelshofen im Kreis Hersbruck/Mittelfranken geboren wurde, ist heute auch innerhalb der SPD weitgehend vergessen. Dabei führte er die Partei in ihrer wohl schwierigsten Phase, nämlich der Zeit von Verfolgung und Exil in den Jahren des Nationalsozialismus.

Nach einer Lehre als Holzbildhauer und den anschließenden üblichen Wanderjahren engagierte sich Hans Vogel ab 1907 politisch als Vorstandsmitglied des sozialdemokratischen Wahlvereins in Fürth. Schon vorher war er seiner Gewerkschaft, dem Bildhauerverband, beigetreten. Von 1908 bis 1927 fungierte Vogel hauptamtlich als Sekretär des SPD-Bezirksverbandes Franken. 1912-1918 gehörte Vogel dem Bayerischen Landtag an und blieb nach der Spaltung der SPD bei den Mehrheitssozialisten. Nach der Revolution, während der er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates Nürnberg war, wechselte er als Mandatsträger auf die Reichsebene. Nach der Mitgliedschaft in der Nationalversammlung 1919-1920 war Vogel bis 1933 Mitglied des Reichstags. In der Partei stieg er bis 1931 zu einem der drei Vorsitzenden neben Otto Wels und Artur Crispien auf. Politisch vertrat er einen demokratischen Reformsozialismus und setzte sich für die Zusammenarbeit mit den bürgerlich-demokratischen Parteien ein. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging Vogel wie ein Teil der anderen Parteivorstandsmitglieder erst nach Saarbrücken und dann nach Prag ins Exil. In den parteiinternen Auseinandersetzungen engagierte sich Vogel für die Anerkennung des Exil-Parteivorstands in Prag als dem legitimen Führungsgremium der Partei, bis das faktische Verbot der SPD im Deutschen Reich im Juni 1933 die Frage entschied.

Neben Otto Wels zum 2. Vorsitzenden der Exil-SPD (Sopade) gewählt, arbeitete Vogel mit am Aufbau einer illegalen Organisation der SPD in Deutschland, versuchte Widerstandsgruppen zu unterstützen und betrieb die Bekanntmachung der Unterdrückungsmaßnahmen der NS-Regierung unter den Parteien der Sozialistischen Internationale und im Ausland allgemein. Aufgrund der politischen Lage der Tschechoslowakei wechselte der Sopade-Vorstand im Frühsommer 1938 nach Paris. Nach dem Tode von Otto Wels im September 1939 wurde Hans Vogel alleiniger Vorsitzender der Exil-SPD. Nach dem Beginn des deutschen Angriffs im Westen im Mai 1940 wurde Vogel, obwohl 1937 von Deutschland ausgebürgert, von den französischen Behörden als feindlicher Ausländer interniert, aber auf Intervention von Leon Blum wieder freigelassen. Er konnte nach Großbritannien fliehen, wo sich auch der Sopade-Vorstand wieder etablierte. Im März 1941 übernahm Vogel den Vorsitz der „Union Deutscher Sozialistischer Organisationen in Großbritannien“, in der sich neben der SPD die seit 1925 von ihr abgespaltenen Gruppen „Neu Beginnen“, Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK) und Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) zusammenfanden. Der „Union“ war unter den Kriegsbedingungen praktische politische Arbeit kaum möglich, zumal sie auch durch den um sich greifenden „Vansittartismus“, der alle Deutschen gleichermaßen für die Gräuel der NS-Herrschaft verantwortlich machte, zunehmend von der Labour Party isoliert war. Die Union konzentrierte sich auf programmatische und organisatorische Vorarbeiten für den Wiederaufbau eines demokratischen Deutschland und einer neuen SPD. Die Wiedergründung der SPD in Deutschland nach der militärischen Niederlage des NS-Regimes erfolgte jedoch schließlich unabhängig vom Exil-Parteivorstand, dessen Mitglieder anfangs nicht ins besetzte Deutschland einreisen oder zurückkehren durften. Hans Vogel sollte zu der auf Initiative von Kurt Schumacher am 5. und 6. Oktober 1945 in Wennigsen bei Hannover tagenden ersten Parteikonferenz der SPD nach Kriegsende fahren, woran ihn eine plötzliche schwere Erkrankung hinderte. Vogel konnte nur ein Grußwort und Vertreter entsenden und starb am 6. Oktober 1945 in London. Die Konferenz erkannte das Mandat der Londoner Exil-Parteivorstands als Treuhänder der Partei in der Zeit der Verfolgung an und bestätigte damit auch die aufopferungsvolle Arbeit von Hans Vogel.

Weitere Informationen zu Hans Vogel finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.