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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / März / Hans-Jochen Vogel neuer Fraktionsvorsitzender

08.03.1983: Hans-Jochen Vogel zum neuen Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gewählt

Hans-Jochen Vogel

Am 8. März 1983 wurde der Berliner Bundestagsabgeordnete Hans-Jochen Vogel in der konstituierenden Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion mit 177 von 181 abgegebenen Stimmen zu ihrem neuen Vorsitzenden und damit zum Oppositionsführer im Deutschen Bundestag gewählt. Die Fraktion folgte mit dieser Entscheidung den Empfehlungen der Partei- und Fraktionsspitze, die den in der vorgezogenen Bundestagswahl vom 3.3.1983 unterlegenen SPD-Kanzlerkandidaten einstimmig als Nachfolger des aus dem Bundestag ausscheidenden Herbert Wehner vorgeschlagen hatte.

Der am 3.2.1926 in Göttingen geborene promovierte Jurist Hans-Jochen Vogel begann seine politische Laufbahn 1960 als jüngster Oberbürgermeister in München und konnte in der Folgezeit u.a. als Vorsitzender der bayerischen SPD (1972-1977), als Abgeordneter des Deutschen Bundestages für München (1972-1981), als Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau im Kabinett Willy Brandt (1972-1974), als Bundesjustizminister im Kabinett Helmut Schmidt (1974-1981) und als Regierender Bürgermeister (1981) und Oppositionsführer (1981-1983) in Berlin bereits umfangreiche politische Erfahrungen sammeln. Mit dem Fraktionsvorsitz übernahm Hans-Jochen Vogel die "Kärrnerarbeit" in einem Amt, das 13 Jahre lang von dem "Zuchtmeister" der Partei Herbert Wehner geprägt und ganz auf dessen Person zugeschnitten war. Mit großer Kompetenz, der ihm eigenen Sachlichkeit und beachtlichem Durchsetzungsvermögen gab Hans-Jochen Vogel der Fraktion eine neue organisatorische und personelle Struktur, die sie nach der enttäuschenden Wahlniederlage wieder zu einer arbeitsfähigen parlamentarischen Gemeinschaft werden ließ und mit konstruktiver Oppositionsarbeit der konservativen Regierung in allen Bereichen mit sozialdemokratischen Gegenvorstellungen antwortete. Die Fraktion wurde in Arbeitskreise gegliedert, deren Vorsitzende auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende mit klaren Weisungsbefugnissen waren. Die Präsenz aller Politikbereiche im Geschäftsführenden Fraktionsvorstand ermöglichte eine rasche Abstimmung und Einigung und jedem Regierungsmitglied stand ein fester Oppositionssprecher gegenüber, den auch die Öffentlichkeit in zunehmendem Maße zur Kenntnis nahm. Trotz gelegentlichem Unmut innerhalb der Fraktion über seinen "oberlehrerhaften" Führungsstil wurde Hans-Jochen Vogel im Verlauf seiner fast neunjährigen Amtszeit bei jeder Wiederwahl deutlich das Vertrauen ausgesprochen.

Die "Integrationsfigur" der SPD, von 1987 bis 1991 auch als Parteivorsitzender, schaffte es nach den verlorenen Bundestagstagswahlen 1983 und 1987 Partei und Fraktion vor Resignation oder Frustration zu bewahren und die sozialdemokratischen Vorstellungen vor allem in den "großen" politischen und historischen Entwicklungen während seiner Amtszeit einzubringen, der deutschen Einigung und dem Golfkonflikt. Hans-Jochen Vogel stellte 1991 sowohl sein Amt als Partei- als auch als Fraktionsvorsitzender zu Verfügung, um "die jüngere Generation der SPD-Politiker in die Führungspflicht zu nehmen". Er schied "mit dem schlichten Gefühl der Dankbarkeit" für die ihm gegebenen Möglichkeiten deutsches Schicksal innerhalb der SPD und deren Führung mitzugestalten. Seine Nachfolge im Deutschen Bundestag übernahm am 12. November 1991 der damalige SPD-Schatzmeister Hans-Ulrich Klose.

Bis zum Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag am Ende der 12. Wahlperiode 1994 gestaltete der "einfache" Berliner Abgeordnete u.a. als Sprecher seiner Fraktion wesentlich die Arbeit der Gemeinsamen Verfassungskommission von Bundestag und Bundesrat mit.