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18.10.1990: Heinz Oskar Vetter gestorben

Heinz Oskar Vetter wird am 21. Oktober 1917 in Bochum-Werne als Sohn eines Kommunalbeamten geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und eines berufsvorbereitenden Internats beschließt er entgegen der familiären Tradition eine Ausbildung zum Maschinenschlosser in der Bergau-Maschinenindustrie aufzunehmen. Diese schließt er 1937 erfolgreich ab. Zwei Jahre später holt er das Abitur am Gymnasium nach.

1939 wird Heinz Oskar Vetter als Oberleutnant der Luftwaffe in den Kriegsdienst eingezogen und während seiner Dienstzeit mehrmals verwundet. Im September 1944 gerät er in englische Kriegsgefangenschaft, aus der er im April 1946 aufgrund seiner Kriegsverletzung entlassen wird. Zeitweise liegt der Grad seiner Versehrtheit bei 80 Prozent. Nichts desto trotz fühlt sich Vetter nach seiner Zeit in Gefangenschaft „geradezu verpflichtet, unmittelbar beruflich tätig zu werden“ (Götz 1978:46). Schon 14 Tage nach seiner Rückkehr fährt er seine erste Schicht als Grubenschlosser in der Steinkohlezeche Bochum-Werne.

Mit der gewerkschaftlichen Idee kommt Vetter während der Zeit seiner Kriegsgefangenschaft in Kontakt, als er mit englischen Metall und Landarbeitern diskutiert. „Mit welcher Selbstverständlichkeit sie ihre gewerkschaftliche Zugehörigkeit empfanden und gewerkschaftliche Demokratie praktizierten, hat mich doch sehr gefangen genommen“ (Götz 1978:47). Direkt nach seiner Rückkehr tritt Vetter in die Gewerkschaft ein. Durch die enge kollegiale Arbeit in der Grube erkennt er, dass die gewerkschaftliche Interessenvertretung für den einzelnen Arbeitnehmer unerlässlich ist und eine Voraussetzung für das berufliche Leben darstellt. Das gewerkschaftliche Wirken, das damals weit über die betrieblichen Bereiche hinausging, berührt ihn sehr. Er will dabei „auf keinen Fall abseits stehen“ (ebd.), sondern sich aktiv an der Gewerkschaftsarbeit beteiligen.

In gewerkschaftlichen Kursen nimmt Vetter wissbegierig geistige und politische Bildungsinhalte auf. Auf diese Weise wächst sein Bewusstsein dafür, dass es hier nicht nur um eine interessante Beschäftigung für junge Leute geht, sondern dass die Vertretung der menschlichen Interessen eine große Bedeutung und einen „tiefen inneren Wert“ (Götz 1978:48) hat.

1952 übernimmt er seine erste hauptamtliche gewerkschaftliche Funktion als Sekretär der IG Bergbau und Energie und tritt der SPD bei. 1964 wird er 2. Vorsitzender. Als Vorstandsmitglied der Gewerkschaft hat er mit der großen Strukturkrise des Bergbaus im Ruhrgebiet, in der rund 300.000 Stellen abgebaut werden, zu kämpfen. Hier erreicht er durch konsequenten Widerstand, dass in der Bundesrepublik eine Energiepolitik entwickelt wird, „die diesen Namen auch verdient[e]“ (Götz 1978:50).

Vetter ist bekannt dafür, dass er „nie den Weg des geringsten Widerstandes“ (Sozialdemokratischer Pressedienst, 18.10.1990, S. 2) geht. Sondern er ist „immer bereit, auch unbequeme Wege zu gehen, wenn sie in Richtung einer solidarischen und sozial gerechten Gesellschaft“ (ebd.) führen.

Am 21. Mai 1969 wird er als Nachfolger von Ludwig Rosenberg zum neuen Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gewählt und bleibt es bis 1982. 1970 wird er außerdem Präsident des Europäischen Bundes Freier Gewerkschaften (EBFG) und amtiert ab 1974 als Präsident des Europäischen Gewerkschaftsbundes in Brüssel.

Unter anderem setzt er sich für die paritätische Mitbestimmung und ein einheitliches europäisches Unternehmensrecht ein. Seine Maxime lautet, „daß Politik sich immer an den Interessen der Menschen auszurichten habe. [...] Als Mitglied im Ausschuß für Recht und Bürgerrecht, als Flüchtlingsbeauftragter des Sozialistischen Fraktion im Europa Parlament und als Berichterstatter zu Asyl- und Flüchtlingsfragen hat sich Vetter gerade jenen Menschen zugewandt, die aus politischen, religiösen und rassischen Gründen verfolgt und diskriminiert werden“ (Sozialdemokratischer Pressedienst, 20.10.1987, S. 5). Auch seine unkonventionellen und kritischen Gedanken gehörten zu den Fähigkeiten, die Willy Brandt in seinem „Dank an den Weggenossen“ anlässlich Heinz Oskar Vetters 60. Geburtstag hervorhob: „Gute Weggenossen sind nicht solche, die immer nur im Gleichschritt sich bewegen. Gute Weggenossen sind jene, die Seite an Seite in dieselbe Richtung wollen“ (Sozialdemokratischer Pressedienst, 19.10.1977, S. 2).

Weitere Informationen zu Heinz-Oskar Vetter finden Sie unter "Bestände" auf unserer Homepage.