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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / September / Vereinigungsparteitag SPD und USPD

24.09.1922: Vereinigungsparteitag von SPD und USPD

Erinnerungsbriefmarke von 1923

Am 24. September 1922 trafen sich in Nürnberg 146 Delegierte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und 135 der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Sie vereinbarten den Zusammenschluss zu einer zunächst "Vereinigte Sozialdemokratische Partei Deutschlands" genannten einheitlichen Organisation, deren Namensbestandteil "Vereinigte" später wieder wegfiel.

Die Mitglieder beider Parteien knüpften große Hoffnungen an diesen Schritt. Artur Crispien, Reichstagsabgeordneter und Mitvorsitzender der USPD, sprach in seiner Rede davon, dass der Kapitalismus der Welt den Frieden nicht bringen könne, sondern dieser nur werden könne durch den Triumph des Sozialismus. Aber schon bevor der Sozialismus zum Sieg gelangen könne, hätten die Sozialdemokraten nach Linderung der Not zu streben und mitzuhelfen, provisorische Lösungen zu finden. Auch auf internationalem Boden müssten wirtschaftliche und politische Reformen für die Völker errungen werden. Der für die SPD sprechende ehemalige Reichskanzlers Hermann Müller sagte: "Die Republik zu erhalten erfordert die ganze Wachsamkeit des Proletariats. Aus dem Kampf für die Republik ist die Wiedervereinigung der deutschen Sozialdemokratie erwachsen." Die aus der Revolution vom November 1918 entstandene und in der Verfassung von Weimar 1919 konstituierte demokratische deutsche Republik war bedrängt durch terroristische Attentate von Rechtsextremisten, die Verweigerung der Monarchisten und Deutschnationalen, durch kommunistischen Putschismus, eine zusammenbrechende Währung und die Armeen der Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Ihr Einmarsch drohte, wenn Deutschland seinen Reparationszahlungen nicht nachkam. Die Vereinigung der beiden Parteien überwand teilweise die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung, die sich ab 1914 aus den tragischen Auseinandersetzungen über die Haltung zum Krieg ergeben und 1917 ihren Ausdruck in der Gründung der USPD gefunden hatte. Ganz konnte die Spaltung nicht überwunden werden, denn der Graben zur KPD blieb unüberbrückbar. Genau betrachtet war die USPD von 1922 nur noch ein Rest der ursprünglichen USPD. Ihr linker Flügel hatte sich bereits Ende 1920 mit der KPD vereinigt und sich damit den leninistischen Prinzipien der uneingeschränkten und unwiderruflichen zentralistischen Herrschaft der kommunistischen Partei unterworfen.

Die Hoffnungen der wiedervereinigten SPD auf eine dauerhafte demokratische Republik und einen dauerhaften Frieden sollten sich nicht erfüllen. Sie endeten schließlich 1933 mit der Herrschaft der Nationalsozialisten und dem Verbot der Partei und 1939 mit einem erneuten Weltkrieg.