Das Layout dieser Seite wird mit CSS umgesetzt. Wenn Sie diesen Hinweis sehen, kann Ihr Browser CSS nicht darstellen.
Die Seite bleibt trotzdem voll funktionsfähig.
Hier finden Sie einen standard-konformen Browser: www.mozilla.org.
FES / AdsD / Das Historische Stichwort / März / Urabstimmung zum Zusammenschluss von SPD und KPD

31.03.1946: Urabstimmung von Berliner Sozialdemokraten zu dem Zusammenschluss von SPD und KPD

Flugblatt mit einem Aufruf an die SPD-Mitglieder Berlins, bei der Urabstimmungam 31.3.1946 gegen die Verschmelzung von SPD und KPD zu stimmen

Aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), die 1914 nach heftigen innerfraktionären Debatten der Bewilligung von Kriegskrediten zugestimmt hatte, spalteten sich 1917 die parteiinternen Gegner dieser Bewilligung ab und gründeten die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD). Aus deren linken Flügel bildete sich zunächst die Spartakusgruppe, deren Wortführer zum Jahreswechsel 1918/19 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gründeten.

Die KPD lehnte die von der SPD befürwortete parlamentarische Demokratie ab und propagierte eine Staatsform nach sowjetischen Vorbild.

Unter der Annahme, dass diese Spaltung der politischen Arbeiterbewegung die spätere Machtergreifung Hitlers erst möglich gemacht habe, wurde nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands (SBZ) beschlossen, die unterschiedlichen „Lager“ zu einer gemeinsamen Partei zu vereinigen um somit eine gestärkte politische Linke zu erreichen.

Es schien auch zunächst so, als ob die KPD den sowjetischen Zielen abschwören würde, was sie der SPD näher brachte. So gab es Anfangs auch innerhalb der SPD eine große Zahl von Befürwortern eines solchen Zusammenschlusses.

Da in der SBZ die KPD von der politischen Führung Moskaus aufgebaut und beeinflusst war und somit eine prosowjetische Haltung einnahm, schrumpfte die Zustimmung zu einer Vereinigung seitens der SPD jedoch sehr bald. Die KPD hingegen betrieb das Vorhaben der Verschmelzung mit Nachdruck, da sie fürchtete, bei den ersten Wahlen aufgrund ihrer Haltung hinsichtlich der sowjetischen Besatzungspolitik deutlich an Stimmen zu verlieren.

In den Westsektoren von Berlin wurde am 31. März 1946 eine Urabstimmung durchgeführt, an der die Parteimitglieder der SPD für oder gegen einen Zusammenschluss beider Parteien bzw. für eine engere Zusammenarbeit votieren konnten.

Etwa 70% der Stimmberechtigten beteiligten sich, wovon sich über 80% gegen einen Zusammenschluss entschieden. Über 60% sprachen sich aber für eine Zusammenarbeit aus.

Diese Abstimmung fand ausschließlich in den Westsektoren Berlins statt, in dem Ostsektor war eine solche Einbeziehung der Parteimitglieder nicht vorgesehen. Mehr noch: es wurden in der SBZ Redeverbote über Kritiker der Vereinigung verhängt, andere Gegner des Zusammenschlusses wurden massiv unter Druck gesetzt, manche verhaftet und einige gar getötet.

Erich Ollenhauer sprach 1961 von 20.000 Sozialdemokraten, die Opfer dieser „Maßregelungen“ wurden.