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03.02.1961: Minna Specht gestorben

Minna Specht wurde am 22. Dezember 1879 als jüngstes von sieben Kindern bei Hamburg geboren. Sie besuchte zuerst eine Privatschule, später eine Mädchenschule und absolvierte von 1896-99 eine Seminarausbildung zur Lehrerin.
Da ihr die Reglementierung der Unterrichtsgestaltung nicht gefiel übernahm sie anfangs eine Stelle als Privaterziehern bevor sie dann 1902 an der Privaten Henkelsche Schule für Höhere Töchter unterrichtete, wo sie in ihrer Unterrichtsgestaltung mehr Freiheiten besass.
1906-09 studierte sie in Göttingen und München Geschichte, Geographie, Geologie und Philosophie und kehrte anschließend an die Privatschule zurück. 1914 studierte sie erneut in Göttingen, diesmal Mathematik.
1917 gründete Minna Specht zusammen mit Leonard Nelson, den sie während ihres Studiums in Göttingen kennen gelernt hatte, den Internationalen Jugendbund (IJB), in dem sich ehemalige Angehörige der Jugendbewegung, junge Wissenschaftler und Freunde Nelsons trafen um zu philosophieren und über Politik zu sprechen. Der IJB stellte hohe Anspruche an seine Mitglieder: Verzicht auf Alkohol und Nikotin, vegetarische und zölibatäre Lebensweise sowie Kirchenaustritt. Diese Forderungen sollten die Willensstärke und Charakterfestigkeit der Mitglieder fördern.
1918 ging Minna Specht an das Landerziehungsheim von Hermann Lietz nach Haubinda. Ihre Bestrebung war aber zusammen mit Leonard Nelson eine eigene Bildungseinrichtung zu gründen, die eine philosophisch-wissenschaftliche Akademie zur Ausbildung von Führungspersönlichkeiten sein sollte. Dafür bauten sie ab Ende 1922 ein Gelände in Nordhessen aus, 1924 übernahm Minna Specht die Leitung der Schule, widmete sich aber mehr der Erwachsenenbildung. Die Hauptaufgabe der Schule sollte es sein, die Schüler zu freien und mutigen Persönlichkeiten zu erziehen, die auch als Erwachsene zu ihren Überzeugungen standen. 1931 wurde die Erwachsenenabteilung der Schule „Walkemühle“ geschlossen, da sich Lehrer und Schüler ganz auf die politische Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten konzentrieren sollten.
Minna Specht siedelte nach Berlin um und leitete dort das außenpolitische Ressort der ISK Tageszeitung „Der Funke“ unter Leitung von Willi Eichler. 1932 ging Minna zurück zur Walkemühle, diese wurde jedoch 1933 von den Nationalsozialisten besetzt und als „NS-Amtswalter- und SA-Führer-Schule“ genutzt.
Minna Specht siedelte 1934 nach Dänemark über und eröffnete dort eine Schule für die Kinder der ehemaligen Walkemühle, etwa die Hälfte der Kinder die dort unterrichtet wurden stammten aus jüdischen Familien. Die Schule siedelte 1938/40 nach England über, kurze Zeit später wurden Minna Specht und andere deutsche Lehrer interniert und die Kinder auf andere Familien oder Kinderheime verteilt.
Im Sommer 1941 wurde Minna Specht aus dem Lager entlassen und lebte in England, wo sie sich ihren Lebensunterhalt mit Forschungsarbeiten und Nachhilfestunden verdiente. Des Weiteren beschäftigte sie sich mit Ideen zur Nachkriegsordnung und neuen Konzepten zur Schulpolitik im Nachkriegsdeutschland.
Nach dem Krieg entschloss sie sich den Neuaufbau des Landerziehungsheims der Odenwaldschule zu übernehmen., wo sie im Frühjahr 1946 mit ihrer Arbeit begann. Sie leitete die Schule bis 1951, musste die Leitung dann aber aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.
Anschließend gründete sie zusammen mit Martha Friedländer die pädagogische Schriftenreihe „Kindernöte“, war 1952-54 Mitglied des UNESCO-Instituts für Pädagogik und bis 1959 Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission.
Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Minna Specht in Bremen, wo sie am 3. Februar 1961 starb.

Weitere Informationen zu Minna Specht finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.