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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Mai / Sozialdemokratischer Hochschulbund (SHB) gegründet

09.05.1960: Sozialdemokratischer Hochschulbund (SHB) gegründet

Das Entstehen des Sozialdemokratischen Hochschulbundes (SHB) vor 50 Jahren ist höchst unterschiedlich beschrieben worden: als „Gründung“, als „Gegen-Gründung“, als „Abspaltung“ vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) oder als „Spaltung“ des SDS. Im SDS, dessen Vorsitz zeitweise Helmut Schmidt übernommen hatte, kam es Ende der 1950er Jahre zu einem deutlichen Linksruck, der sich u.a. in der Ablehnung der Wiederbewaffnung und des Godesberger Programms der SPD von 1959 manifestierte. Ferner unterhielt der SDS offizielle Beziehungen zur Freien deutschen Jugend (FDJ) in der DDR. In Abrenzung zum SDS hatten sich bereits im selben Jahr unabhängige sozialdemokratische Hochschulgruppen in Heidelberg und Saarbrücken gebildet. Im Januar 1960 fasste der SPD-Parteivorstand den Beschluss, „sozialdemokratische Studentengruppen, die nicht dem SDS angehören in gleicher Weise zu fördern wie bisher den SDS“. Im Mai 1960 schlossen sich so oppositionelle Gruppen im und außerhalb des SDS zu einem alternativen Hochschulbund zusammen.. Am 9. Mai 1960 versammelten sich etwa 50 Delegierte in Bonn, gründeten den SHB und bekannten sich in einer Grundsatzerklärung zum Godesberger Programm der SPD und zum „freiheitlichen Sozialismus“. Zwischen der SPD-Spitze und der neuen verbündeten Organisation an den Hochschulen kam es jedoch bald ebenfalls zu Konflikten. So forderte der SHB 1964 – und damit vor der „Neuen Ostpolitik“ des späteren sozialdemokratischen Bundeskanzlers Willy Brandt – zum Missfallen des Parteivorstandes und vieler Parteimitglieder etwa die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Bereits 1965 stellte der SPD-Parteivorstand seine Kontakte zum SHB wieder ein und entzog ihm 1967 die finanzielle Unterstützung.

Unter dem Einfluss der Studentenrevolte von 1968 bewegte sich der SHB in den folgenden Jahren noch weiter nach links. Der SDS wiederum löste sich am 21. März 1970 selbst auf.

Im Grundsatzprogramm von 1972 bekannte sich der SHB zur marxistischen Weltanschauung, zur Strategie der Gewerkschaftlichen Orientierung (GO) in der Hochschulpolitik und der prinzipiellen Aktionseinheit von Sozialdemokraten und Kommunisten. Die GO-Politik beruhte auf einer Analyse, die für den Großteil der StudentInnen den Weg in die Lohnabhängigkeit und somit eine Annährung an die Klassenlage der Arbeiter voraussagte. Daher sollten die StudentInnen auf ein Bündnis mit der arbeitenden, gewerkschaftlich organisierten Klasse orientiert werden. In „Aktionseinheit“ mit dem Marxistischen Studentenbund Spartakus verfolgte der SHB diese Strategie bis in die 1980erJahre hinein.

1972 verbot die SPD dem SHB gerichtlich, den Begriff „sozialdemokratisch“ im Namen zu führen. Der SHB nannte sich fortan Sozialistischer Hochschulbund. Ab 1973 bildeten sich dann in Opposition zum Kurs des SHB die ersten Juso-Hochschulgruppen und entwickelten sich in der Folge zu einem der größten Studierendenverbände der Bundesrepublik.

Ende der 1980er Jahre geriet der SHB in finanzielle und organisatorische Schwierigkeiten. Hinzu kam, dass der Verband mit der Auflösung des Real existierenden Sozialismus in der DDR und der Öffnung des Ostblockes zentrale Bezugspunkte verlor und in der Debatte um das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens Verständnis für die chinesischen Machthaber äußerte. Daraufhin trat der „Offene Kreis“ im SHB, der sich aus Protest gegen die dogmatische Haltung des Bundesvorstands und die undemokratischen Verbandsstrukturen gebildet hatte und dessen Schwerpunkte in Aachen und Köln lagen, aus dem SHB aus. Der arg ausgezehrte Verband versuchte daraufhin noch einmal sein Bestehen zu sichern und schmiedete Pläne für einen gemeinsamen sozialdemokratischen Hochschulbund mit den Jusos. Als die Pläne 1990 scheiterten dauerte es nur noch zwei Jahre, bis sich der SHB-Bundesvorstand auflöste und den Mitgliedern die Mitarbeit bei den Juso-Hochschulgruppen empfahl.