Das Layout dieser Seite wird mit CSS umgesetzt. Wenn Sie diesen Hinweis sehen, kann Ihr Browser CSS nicht darstellen.
Die Seite bleibt trotzdem voll funktionsfähig.
Hier finden Sie einen standard-konformen Browser: www.mozilla.org.
FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Juni / Seliger-Gemeinde gegründet

04.06.1951: Seliger-Gemeinde in Oberbayern gegründet

Die "Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten" wurde 1951 gegründet und nannte sich nach dem 1. Vorsitzenden der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) in der Tschechoslowakei, Josef Seliger. Nach Annektion des Sudetenlandes durch Hitler-Deutschland 1938 wurde diese Partei verboten, viele ihrer über 80.000 zählenden Mitglieder wurden von den Nationalsozialisten verhaftet, anderen gelang die Flucht und emigrierten, vornehmlich nach Skandinavien und England, aber auch bis hin nach Kanada. Dort schlossen sie sich zu sog. Treugemeinschaften zusammen, bei denen nach der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945/46 weitere Gesinnungsfreunde Aufnahme fanden. Zusammen mit den in die Westzonen Deutschlands, ab 1990 auch mit den in die frühere SBZ geflohenen und den in den Exilländern verbliebenen sudetendeutschen Sozialdemokraten nimmt die Seliger-Gemeinde als Gesinnungsgemeinschaft das politische und geistige Erbe der früheren DSAP wahr.

Logo DSAP

Gründungsprotokoll

 

 

 

 

Logo Seliger-Gemeinde

 

 

 

Logos der DSAP und der Seliger-Gemeinde


Gründungsprotokoll der Seliger-Gemeinde vom 4.6.1951

1. Bundesversammlung

 

 

 

 

 

1.Bundesversammlung der Seliger-Gemeinde in Brannenburg/Oberbayern, 10./11. November 1951

Richard Reitzner

 

Richard Reitzner, 1893 Einsiedl - 1962 München; Lehrer; 1938 Emigration England, Leiter der Emigrationsgruppe sudetendeutscher Sozialdemokraten; 1946 - 1948 stellv. Staatssekretär für Flüchtlingswesen in Bayern; ab 1947 stellv. Landesvors. SPD Bayern; 1949 - 1962 MdB; 1951 Gründungsmitglied Seliger-Gemeinde und deren erster Vorsitzender.

 

 

 

 

Ernst Paul

Ernst Paul, 1897 Steinsdorf - 1978 Gallpach; Schriftsetzer; ab 1919 Funktionär des sudetendeutschen Sozialistischen Jugendverbandes und der Sozialistischen Jugendinternationale, Sekretär der DSAP, Redakteur des "Sozialdemokrat" Prag, Vorsitzender der "Republikanischen Wehr"; 1939 Emigration Schweden, Leiter der dortigen Treuegemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten; 1948 Rückkehr nach Deutschland, 1949 - 1951 Chefredakteur "Allgemeine Zeitung", Stuttgart; 1949 - 1969 MdB, Mitglied des Europarates; Mitbegründer der Seliger-Gemeinde, Präsidiumsmitglied und langjähriger Leiter des Seliger-Archivs.

 

 

 

 

 

 

Wenzel Jaksch

Wenzel Jaksch, 1896 Langstrobnitz - 1966 Wiesbaden; Maurer; aktiv in der Arbeiterjugendbewegung und dann der Sozialdemokratie Österreichs; 1920 als Verbandsfunktionär nach Teplitz-Schönau berufen, dann zum Redakteur beim "Sozialdemokrat", Prag, bestellt; Wahl 1924 in den Parteivorstand der sudetendeutschen Sozialdemokratie, 1929 in das Prager Parlament, 1938 zum letzten Vorsitzenden der DSAP; ab 1939 Emigration über Polen, Schweden nach England, wo er sich an die Spitze des Kampfes gegen die Benesch-Dekrete setzte; nach seiner Rückkehr 1949 nach Deutschland Leiter des Hess. Landesamtes für Vertriebene, ab 1953 MdB und späterer Präsident des Bundes der Vertriebenen; seit 1951 bis zu seinem Tode im Vorstand der Seliger-Gemeinde.

 

Josef Seliger

Josef Seliger, 1870 Schönborn bei Reichenberg - 1920 Teplitz; Textilarbeiter; mit jungen Jahren Anschluss an die Arbeiterbewegung Böhmens, 1894 Redakteur der neugegründeten Teplitzer "Volksstimme"; sein unermüdliches Engagement für die Arbeiterbewegung macht ihn bald zum eigentlichen Führer der deutschen Sozialdemokratie Böhmens; 1907 und 1911 Wahl in den österreichischen Reichsrat; nach dem 1. Weltkrieg stelltvertretender Landeshauptmann in der deutsch-böhmischen Landesregierung; nach Abtretung der deutschen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens an die tschechoslowakische Republik und Bildung der deutschen Sozialdemokratie dieses Landes erster Vorsitzenden der DSAP, 1920 Mitglied der Prager Nationalversammlung.
Zu Ehren seiner Verdienste um die Sozialdemokratie und seiner Bemühungen um die Aussöhnung der verschiedenen Volksgruppen in seiner Heimat trägt die Seliger-Gemeinde seinen Namen.

 

 

Volkmar Gabert

Volkmar Gabert, 1923 Dreihunken/Teplitz, Mitglied der sozialistischen Arbeiterjugend;1938 Emigration mit seinen Eltern nach Großbritannien; Arbeiter und Mitglied des Exilvorstandes der sudetendeutschen Sozialdemokraten; 1946 Rückkehr nach Deutschland, Engagement bei der bayerischen SPD für Flüchtlingsangelegenheiten, 1950 - 1957 Landesvorsitzender der bayerischen Jungsozialisten, 1950 - 1978 Mitglied des Bayerischen Landtages, von 1962 - 1976 Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion sowie von 1976 - 1978 Vizepräsident des Bayerischen Landtages; 1963 - 1972 Parteivorsitzender der SPD in Bayern und ab 1964 Mitglied des SPD-Bundesparteivorstandes; 1979 - 1984 Europa-Abgeordneter; neben weiterer öffentlichen Ämtern seit Gründung der Seliger-Gemeinde 1951 Mitglied des Vorstandes und derzeitiger Bundesvorsitzender; 1998 Ernennung zum Mitglied des Verwaltungsrates für den deutsch-tschechischen Zukunftsfonds