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22.02.1904: Arno Scholz geboren

Arno Scholz, 1954

Am 22. Februar 1904 wurde der spätere Journalist und Verleger Arno (Arnold) Scholz in Rixdorf bei Berlin geboren. Sein Vater, ein gelernter Portefeuiller, war in Gewerkschaft und SPD aktiv und nahm 1921 bis 1933 das Amt des Bezirksbürgermeisters von Berlin-Neukölln wahr. Arno Scholz selbst trat 1919 der Sozialistischen Schülersektion und dem Verein Arbeiterjugend und 1922 der SPD bei. Im selben Jahr wurde er auch schon zum 2. Vorsitzender des Vereins Arbeiterjugend von Groß-Berlin gewählt. Nach einer Mechanikerlehre wendete sich unter dem Eindruck seiner ersten politischen Erfahrungen dem Beruf des Verlegers und Journalisten zu. Scholz absolvierte ab 1922 eine Verlagskaufmannslehre in dem 1915 von Alexander Helphand ("Parvus") gegründeten Verlag für Sozialwissenschaft, einem Unternehmen, das zwar von sozialistischem Geist durchdrungen, aber nicht von einer Partei finanziell abhängig war. Bereits 1923 zeichnete Scholz verantwortlich für die Redaktion der Wochenzeitschrift "Die Glocke", und 1924 übertrug Helphand dem Zwanzigjährigen die Leitung einer Druckerei. Berufliche und politische Arbeit gingen für Scholz ineinander über und führten ihn auch zum Engagement in der demokratischen Selbstschutzverband "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold".

Nach dem Tode von Helphand Ende 1924 konnte sich sein Verlag auf die Dauer nicht halten, und Scholz fand ein neues Betätigungsfeld als politischer Reporter der maßgebenden Berliner SPD-Zeitung "Vorwärts". 1930 wechselte er nach Hannover an die sozialdemokratische Zeitung "Volkswille". In Hannover kämpfte er gegen die stärker werdenden Nationalsozialisten unter anderem durch die Mitbegründung der "Jungen Front" und der "Eisernen Front" aus SPD, Arbeitersportlern und "Reichsbanner".

Ab 1933 wurde Arno Scholz von den NS-Machthabern politisch verfolgt und durfte seinen Beruf nicht weiter ausüben. Nach einer Verhaftung musste er sich verpflichten, von Hannover wieder nach Berlin zu gehen, und fand dort, nach einer Zeit ohne Einkommen, als Betreiber eines Werbebüros und ab 1938 einer Klischeeanstalt ein Auskommen. Weil seine dortige Arbeit als kriegswichtig galt, wurde Scholz nicht zum Wehrdienst eingezogen. Trotz mehrerer kurzzeitiger Verhaftungen und Verhöre überlebte Scholz die NS-Zeit und den Krieg.

1945 gehörte Scholz zu den Wiederbegründern der SPD in Berlin-Wilmersdorf und übernahm dort den Posten des 2. Vorsitzenden. Beruflich fasste er als deutscher Geschäftsführer des britischen Nachrichtenblattes "Der Berliner" Fuß. Die Anfang 1946 sich zuspitzende Frage einer Vereinigung von KPD und SPD zur SED in Berlin und der sowjetischen Zone rief dann alle Energien von Scholz wach, der ein scharfer Gegner dieses Zusammenschlusses unter kommunistischem Vorzeichen war. Da etwa 80 % der veröffentlichten Meinung in Berlin einen Zusammenschluss befürworteten, strebte Scholz ein publizistisches Gegengewicht an. Zusammen mit dem früheren SPD-Reichstagspräsidenten Paul Löbe und Annedore Leber, der Witwe des sozialdemokratischen Widerstandskämpfers Julius Leber, erhielt er von den Briten die Lizenz zur Herausgabe einer populären SPD-nahen Tageszeitung. Der "Telegraf" erschien am 22. März 1946 zum ersten Mal. Scholz fungierte auch als Chefredakteur und gab dem Blatt besonders durch seine Leitartikel Profil. Auch innerhalb der SPD half Scholz dabei mit, dass sich die SPD in den Westsektoren der Vereinigung mit den Kommunisten widersetzen konnte. Ende 1946 erreichte der "Telegraf", der politisch von den Briten gestützt wurde, eine Auflage von 550.000, von denen über 100.000 in die sowjetische Zone gingen. Bei den Stadtverordnetenwahlen am 20. Oktober 1946 stimmten bei einer Wahlbeteiligung von 92 % in Groß-Berlin 48,7 % der Wähler für die SPD und nur 19,8 % für die SED. Die sowjetischen Stellen schrieben dies nicht zuletzt der Agitation des "Telegraf" zu.

Vom Erfolg des "Telegraf" ermutigt, baute Arno Scholz in den nächsten Jahren seinen Zeitungsverlag zu einem Pressekonzern, dem Druck- und Verlagshaus Grunewald, aus, indem er auch eine Jugend- und eine Frauenzeitschrift sowie eine Illustrierte und ein Satireblatt ins Leben rief. Während der Berliner Blockade und während des gesamten "Kalten Krieges" trugen die Presseerzeugnisse von Scholz dazu bei, dem Westen die Meinungsführerschaft in Groß-Berlin zu behaupten. Als aber ab 1952 die Zeitungen des Ullstein-Verlages (später Springer) "Berliner Morgenpost" und "BZ" wieder erschienen, begann der Absatz des "Telegraf" zurückzugehen. Ab Ende der 1960er Jahre war der "Telegraf" die einzige Berliner Tageszeitung, die die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition unterstützte. Gegner dieser Politik riefen zur Abbestellung auf und hatten damit nicht geringen Erfolg.

Scholz engagierte sich anfangs auch parteipolitisch und saß von 1948 - 1950 in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Er gehörte dem Kuratorium Unteilbares Deutschland an und war in Berlin Vorsitzender des Landeskuratoriums und Präsidiumsmitglied im Bundeskuratorium. 1970 wurde Scholz zum Stellvertretenden Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger gewählt. Auch als Autor zahlreicher Bücher trat er in Erscheinung.

Arno Scholz starb am 30. Juli 1971 in Berlin. Die Mehrheit der Geschäftsanteile seiner Verlagsgruppe übernahm die SPD, konnte den wirtschaftlichen Abwärtstrend aber nicht stoppen und stellte den "Telegraf" zum 30. Juni 1972 ein. Das umfangreiche Fotoarchiv und die Presseausschnittsammlung des "Telegraf" gingen in die Bestände des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung ein.

Weitere Informationen zu Arno Scholz finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.