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23.10.1977: Ludwig Rosenberg gestorben

Ludwig Rosenberg, 1952Ludwig Rosenberg war zwischen 1962 und 1969 Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes. An der Trauerfeier am 27.10.1977 im Robert-Schumann-Saal, Düsseldorf, nahmen deutsche und ausländische Gewerkschafter, führende Vertreter des öffentlichen Lebens und des Diplomatischen Corps teil. Gedenk- und Dankesworte sprachen neben Gerd Muhr, Alfons Lappas, Herbert Ehrenberg auch der SPD-Vorsitzende Willy Brandt, und würdigten Rosenbergs Verdienste am Wiederaufbau des sozialen Lebens in der Bundesrepublik. Er war nicht von jenem Typus, wie man sich gemeinhin einen Gewerkschaftsvertreter vorstellt. Umfassend gebildet, literarisch beschlagen, geistreich und gern auch zu einem scharf gewürzten Schlagabtausch in der Diskussion bereit, verkörperte er eher den Intellektuellen als den Gewerkschaftsfunktionär. 1903 in Berlin als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren, engagierte er sich in jungen Jahren als aktiver Demokrat im Republikanischen Jugendbund und anschließend im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und in der SPD. 1925 trat er dem Gewerkschaftsbund der Angestellten (GdA) bei, in dem er 1928 seine erste hauptamtliche Funktion übernahm. Durch die Nationalsozialisten wurde er 1933 aus seinem Amt vertrieben und zu einer 13jährigen Emigrationszeit in England gezwungen. In Großbritannien war er Dozent der Arbeiter-Bildungsgesellschaft, arbeitete für Zeitungen und Zeitschriften, war Mitglied in der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter und im britischen Arbeitsministerium für die Betreuung deutschsprachiger Emigranten zuständig. Durch Fürsprache von Walter Auerbach berief Hans Böckler ihn 1946 in das Gewerkschaftssekretariat der Britischen Zone, Bielefeld, sowie danach in dem Zweizonen-Gewerkschaftsrat, Frankfurt/M., als gleichberechtigten Sekretär neben Fritz Tarnow. Hier kämpfte er gegen die Demontage sowie um bessere Lebensbedingungen für die arbeitende Bevölkerung. Zugleich knüpfte er erste internationale Beziehungen auf gewerkschaftlicher Ebene. Auf dem Gründungskongress des DGB 1949 wurde Rosenberg in den Geschäftsführenden Bundesvorstand gewählt, in dem er die Abteilung Ausland übernahm. Er führte den DGB in den Kreis der internationalen Gewerkschaftsbewegung zurück, setzte sich für die Kriegsgefangenen ein, wurde zu einem Vorkämpfer für die Einigung Europas und später zu einem Wegbereiter für die ersten Kontakte zu Israel. Als politisch wie literarisch Interessiertem war es ihm in diesen Jahren ein Anliegen, sich in Bonn für die Übernahme der Pflege von Heinrich Heines Grab in Paris durch die Bundesregierung einzusetzen. 1954 übernahm er die Leitung der Abteilung Wirtschaftspolitik im DGB-Vorstand und arbeitete entscheidende Grundlagen für die gewerkschaftliche Wirtschaftspolitik aus, die in dem 1963 verabschiedeten DGB-Grundsatzprogramm ihren Niederschlag fanden. Wirtschaftsdemokratie, Mitbestimmung und Kontrolle ökonomischer Macht sah er als Lebensfrage für die freiheitliche Gesellschaftsordnung an. 1959 wurde er stellvertretender DGB-Vorsitzender und wirkte von 1960 bis 1962 als Präsident des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Auf dem DGB-Bundeskongress 1962 wurde er zum Vorsitzenden gewählt. Als DGB-Vorsitzender gelang es Rosenberg durch seinen persönlichen Einsatz, das Ansehen und den Einfluss der deutschen Gewerkschaften im In- und Ausland wesentlich zu festigen und zu verstärken. 1969 löste ihn Heinz-Oskar Vetter ab, weil er nicht mehr für dieses Amt kandidierte. Zwanzig Jahre gehörte er dem Vorstand des DGB an. Die Probleme, die ihn während seines aktiven Lebens am meisten bewegten, hat er noch einmal 1973 in seinem Buch "Sinn und Aufgabe der Gewerkschaften" zusammengefasst. Es waren Fragen der Macht, der gesellschaftlichen Reformen, vor allem aber die Mitbestimmung, für die er auch während seiner Zeit als Vorsitzender mit Energie und nicht ohne Leidenschaft eintrat. Am 23.10.1977 starb Ludwig Rosenberg im Alter von 74 Jahren.

Weitere Informationen zu Ludwig Rosenberg finden Sie auf unserer Homepage im Historischen Stichwort vom Juni und direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.