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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / September / Dresdener Parteitag der SPD

13.09.1903-20.09.1903: Dresdener Parteitag der SPD

Tagesordnung des Parteitages, 4.Taktik der Partei a)Reichstagswahlen, b) Vizepräsidialfrage, c) Die revisionistischen Bestrebungen

Der Parteitag der SPD in Dresden wurde, was er sein sollte: ein Scherbengericht über den Revisionismus. Als Revisionisten wurden alle Parteimitglieder bezeichnet, die -wie Eduard Bernstein- glaubten, den wirtschaftlichen Entwicklungen und der neu gewonnen Macht der organisierten Arbeiterbewegung dadurch Rechnung zu tragen, dass sie die Begriffe und Vorstellungen eines erstarrten Marxismus, der das Parteiprogramm seit 1891 prägte, einer kritischen Prüfung unterzogen. Zwar war der marxistische Jargon immer noch geeignet, die Herzen höher schlagen zu lassen und die Gemüter zu erhitzen: "Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen." (Bebel auf dem Parteitag). Aber als Doktrin hinderte der Marxismus die Partei, auf die vielfältigen, neuen Probleme eine angemessene Antwort zu finden. Unklar war das Verhältnis zur Landarbeiterschaft und zum Mittelstand. Zwiespältig blieb das Verhältnis zu Staat und Parlamentarismus. Immer spannungsreicher gestaltete sich das Verhältnis zur Gewerkschaftsbewegung, die mit einem neuen Selbstbewusstsein der Partei gegenübertrat.
Schon auf dem Breslauer Parteitag hatte Bruno Schönlank festgestellt: "Es geht eine Revision der Vorstellungsweise in der Partei vor; wir haben aufgehört, die Partei allein des Industrieproletariats zu sein... Die Revision unserer Vorstellungen geht unaufhaltsam weiter, und der verbissenen Fanatismus der Parteidogmatiker in der Partei fängt langsam an zu bröckeln." Diese Hoffnung erwies sich allerdings als verfrüht. Denn der verbissene Fanatismus organisierte sich erst so richtig, als Bernstein 1899 in seinem Buch ‚Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie' die marxistischen Vorstellungen genau dieser Revision unterzogen hatte. Und es waren die Parteidogmatiker, die das Geschehen auf dem Dresdner Parteitag bestimmten. Mit 288 gegen 11 Stimmen wurde die ‚Resolution gegen den Revisionismus' angenommen. Vor allem von der Vorstellung eines ‚naturnotwendigen Geschichtsverlaufs' der dann in der großen, alles klärenden Revolution münden sollte, wollten die Delegierten nicht lassen. Eduard Berstein dagegen wollte einen ‚kritischen Sozialismus', der seine Ziele und Vorraussetzungen einer ständigen Prüfung unterzieht. Ein Aufklärer, dem eine sich kritisch prüfende Arbeiterbewegung wichtiger war als jede dogmatische Zielsetzung. Mit seinen Vorstellungen konnte sich Bernstein auf dem Görlitzer Parteitag von 1921 durchsetzen. Immerhin hatte die deutsche Sozialdemokratie das Glück, als es Not tat, mit Eduard Bernstein einen Aufklärer vom Schlage Lessings zu haben, der die Wahrheit ja auch lieber suchen wollte, als sie zu besitzen.