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22.03.1979: Paul Nevermann gestorben

Paul Nevermann 1959

Am 22. März 1979 starb der Präsident des Deutschen Mieterbundes und ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg an seinem Altersruhesitz in Puerto de la Cruz auf Teneriffa an einem Gehirnschlag.

Paul Nevermanns Aufstieg aus einfachen Verhältnissen zu hohen öffentlichen Ämtern war beispielhaft für eine sozialdemokratische politische Karriere. Am 5. Januar 1902 als Sohn des ungelernten Brauereiarbeiters Johann Nevermann und seiner Ehefrau, der Lehrerstochter Louise geb. Bannier in Klein-Flottbek (heute Hamburg) geboren, absolvierte er 1917-1921 eine Lehre als Schlosser und Maschinenbauer. 1918 wurde er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und des Metallarbeiterverbandes, 1920 der SPD. Nevermanns erstes Wahlamt war das des Vorsitzenden des Lehrlingsrates seines Lehrbetriebes. 1923 arbeitslos geworden, hatte er das Glück, Schüler des ersten Arbeiter-Abiturientenkurses zu werden, den der Hamburger Senat einrichtete. Im Zuge dieses Pionierkurses eines zweiten Bildungsweges schaffte Nevermann 1926 das Abitur. Ehrgeiz und Begabung reichten aber weiter: Er studierte als Werkstudent in Hamburg und Innsbruck Rechtswissenschaften und schloss mit Promotion (1930) und zweiter juristischer Staatsprüfung (1932) ab.

Noch nach der Machtübernahme Hitlers wurde Paul Nevermann 1933 demonstrativ zum ehrenamtlichen Senator in Altona gewählt, aber fast im selben Augenblick von den Nationalsozialisten wieder abgesetzt. Kurz darauf wurde er wegen seiner Weigerung, in die NSDAP einzutreten, als Assessor aus dem Staatsdienst im Hamburger Arbeitsamt entlassen. Anschließend stand er ein Jahr unter Polizeiaufsicht. Er ließ sich als Rechtsanwalt in Hamburg nieder und vertrat vom NS-Regime Verfolgte. Ab 1935 durfte er in "Hochverratsprozessen" nicht mehr als Verteidiger wirken. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Nevermann wie viele andere Regimegegner zeitweise verhaftet und in ein Konzentrationslager gesteckt.

Nach Ende des NS-Regimes 1945 war Nevermann kurze Zeit Direktor des Hamburger Landesfürsorgeamtes. Sein Engagement für das soziale Wohl der Einwohner der zerstörten Stadt bestimmte auch seine weiteren politischen Stationen: Ab November 1945 Senator für die Sozialbehörde, 1946-1953 und 1957-1960 Senator für das Bau- und Wohnwesen. Dazwischen fungierte Nevermann 1953-1957 als Oppositionsführer der SPD in der Bürgerschaft. Auf der Parteiebene war Nevermann ab 1945 Mitglied im Vorstand der Hamburger SPD und ab 1946 Vorsitzender des sozialpolitischen Ausschusses beim SPD-Parteivorstand. Nachdem er 1950-1953 schon als Zweiter Bürgermeister amtiert hatte, übernahm Nevermann 1960 von Max Brauer das Amt des Ersten Bürgermeisters und Präsidenten des Senats. Beliebt und populär füllte er diese Funktion aus und musste unter anderem die Folgen der Sturmflutkatastrophe von 1962 bewältigen, als in Hamburg 287 Tote zu beklagen waren. 1965 gab es einen protokollarischen Höhepunkt für die Stadt mit dem Staatsbesuch der britischen Königin Elisabeth II. Dass Nevermanns von ihm bereits getrennt lebende Ehefrau dabei nicht die Rolle einer "First Lady" ausfüllen wollte, gab den Ansatzpunkt für eine politische Affäre. Ihr machte Nevermann nach Ende des Staatsbesuchs durch seinen Rücktritt ein Ende.

Paul Nevermann ging aber nicht in den Ruhestand, sondern wurde noch 1965 Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der SPD für Städtebau und Wohnungspolitik. Trotz seines Rücktritts als Erster Bürgermeister wählte ihn die Hamburger SPD 1966 zum Vorsitzenden der SPD-Landesorganisation, wobei der nicht unbeachtliche Gegenkandidat Helmut Schmidt hieß. 1970 erklärte Nevermann den Verzicht auf eine Wiederwahl als Landesvorsitzender. Bis 1974 war er noch Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Die Jahre seines Alters ab 1967 waren für Paul Nevermann erfüllt von der Arbeit als Präsident des Deutschen Mieterbundes, als der er mithalf, viele Verbesserungen im Sinne der Mieter in das damalige neue Mietrecht einzubringen.

Weitere Informationen zu Paul Nevermann finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.