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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / November / Alfred Nau geboren

21.11.1906: Alfred Nau geboren

Am 21. November 1906 wurde Alfred Nau in Barmen (heute Wuppertal) als Sohn eines Angestellten der Konsumgenossenschaft geboren. Seit den Zeiten seiner Lehre als Versicherungskaufmann war er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und trat 1923 der SPD bei. Ab 1928 Angestellter des SPD-Parteivorstands in Berlin, wurde er ein enger Mitarbeiter der für die Parteikasse verantwortlichen Vorstandsmitglieder Konrad Ludwig und Siegmund Crummenerl. Nach der Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten 1933 ging Nau anfangs mit einem Teil des Parteivorstands nach Prag. Bald kehrte er jedoch zurück und arbeitete nach dem Verbot der SPD wieder als Versicherungskaufmann. Die Reisen als Bezirksvertreter boten ihm die Möglichkeit, auf seine eigenen Vorbereitungen für illegale Netze von SPD-Anhängern aufzubauen und den Widerstand gegen die NS-Herrschaft zu fördern. Wegen dieser Aktivitäten wurde er mehrere Male für insgesamt 14 Monate inhaftiert. 1942-1945 musste Nau Kriegsdienst leisten, war aber so weniger einem neuerlichen Zugriff der Gestapo ausgesetzt.

Mitglieder des SPD-Parteivorstandes 1947 v.l. Kurt Schumacher, Egon Franke, Erich Ollenhauer, Alfred NauAlfred Nau übte in der SPD nach 1945 einen bedeutenden Einfluss auf die Parteiorganisation und das gesamte Parteileben aus. Seinem Naturell entsprechend stand er jedoch nur selten im Rampenlicht. So wurde Nau schon im November 1945 Mitglied des "Büros Dr. Schumacher" in Hannover, der Keimzelle für den Wiederaufbau der SPD in Westdeutschland, die später ihre Zentrale nach Bonn verlegte. 1946 wählte ihn der erste Nachkriegsparteitag in den besoldeten, geschäftsführenden Parteivorstand, wo er die Funktion des "Parteikassierers" übernahm. Damit schloss er an seine Tätigkeit im Parteivorstand von vor 1933 an. Von 1958 bis 1975 fungierte Nau als Schatzmeister und war somit Mitglied des Parteipräsidiums. Nau stellte unter anderem durch die Einführung einer Staffelung der Mitgliedsbeiträge nach Einkommen die Finanzen der Partei auf eine solide Grundlage. Als im Dezember 1966 viele führende Politiker der SPD in die Bundesregierung eintraten, unterstützte sie Nau, der selbst nie ein öffentliches Amt anstrebte, in der Form, dass er 1967/68 das Amt eines "geschäftsführenden Präsidiumsmitgliedes" wahrnahm. Als Schatzmeister der Partei war Nau auch der hinsichtlich Finanzen entscheidend Verantwortliche für die parteieigenen Presseunternehmen. Als die Zuschüsse aus der Parteikasse für diese Unternehmen ein nicht mehr tragbares Ausmaß annahmen, konnte Nau den Niedergang der Parteipresse nicht abwenden. Vor allem in der Pressepolitik ist wohl auch der Grund dafür zu sehen, dass Nau auf dem Parteitag 1973 erst im zweiten Wahlgang als Schatzmeister wiedergewählt wurde.

SPD-Schatzmeister Alfred Nau 1956 1975 kandidierte er nicht mehr. Welche Wertschätzung er in der Partei aber weiterhin genoss, lässt sich daraus ableiten, dass er bis zu seinem Tode als einziges Ehrenmitglied dem Parteivorstand angehörte. Die Sozialistische Internationale ernannte Nau zu einem ihrer Ehrenpräsidenten.

Neben Funktionen u.a. als Beiratsmitglied bei Unternehmen der Gemeinwirtschaft leistete Alfred Nau auch für die Friedrich-Ebert-Stiftung verdienstvolle Arbeit an zentraler Stelle. Schon als jungem Volontär im Parteivorstand war ihm neben seinen anderen Aufgaben das Sekretariat der 1925 ins Leben gerufenen Institution anvertraut worden. 1946 maßgeblich an der Wiedergründung der 1933 verbotenen Stiftung beteiligt, leitete er sie als Vorsitzender bzw. Vorstandsvorsitzender bis zu seinem Tode. Unter seiner Ägide wuchs das Arbeitsfeld der Stiftung weit über die ursprüngliche Aufgabe als Unterstützungseinrichtung für bedürftige Studenten aus Arbeiterkreisen hinaus in Bereiche wie Erwachsenenbildung, sozialwissenschaftliche Forschung und Entwicklungshilfe. Das 1969 gegründete "Archiv der sozialen Demokratie" gehörte zu Naus persönlichen Anliegen. Die erste, 1956 gegründete Heimvolkshochschule der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bergneustadt trug seinen Namen.

Richtfest des Erweiterungsbaus der Friedrich-Ebert-Stiftung, Vorsitzender der FES Alfred Nau 1974Zu seinem Tode würdigten neben vielen anderen Bundespräsident Karl Carstens und der SPD-Vorsitzende Willy Brandt Alfred Naus lebenslangen Einsatz für die Demokratie.

Am 21.11.2006 fand in Bonn-Bad Godesberg eine Kranzniederlegung am Grab von Alfred Nau auf dem Waldfriedhof Heiderhof, sowie eine Gedenkveranstaltung im Erich-Ollenhauer-Haus in Bonn, Ollenhauerstr. 1 statt.
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Weitere Informationen zu Alfred Nau finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.