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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / April / Alex Möller geboren

26.04.1903: Alex Möller geboren

Alex Möller, 1957

In seinem Spitznamen "Genosse Generaldirektor", den er auch als Titel für seine 1978 erschienenen Memoiren benutzte, spiegelt sich die Spannbreite des Wirkens von Alex Möller zwischen Parteipolitik der SPD und privater Versicherungswirtschaft. Seine Verankerung in diesen beiden Bereichen bildete die Basis für seine Rolle in der staatlichen Finanzpolitik.
Geboren in Dortmund als Sohn des späteren Mitbegründers der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamter trat Möller nach dem Realschulabschluss 1919 in den Eisenbahndienst ein und arbeitete nebenher journalistisch für das "Dortmunder Tageblatt". 1922 wurde er Mitglied der SPD und ging 1923 als Mitarbeiter der Zentrale der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbeamter nach Berlin. Journalistisch blieb er durch Beiträge für die Wochenzeitschrift "Die Welt am Montag" des pazifistischen Publizisten Helmut von Gerlach tätig. Hauptberuflich Bezirkssekretär des späteren Einheitsverbandes der Eisenbahner geworden, vertrat Möller 1928-1933 als jüngstes Mitglied des Preußischen Landtags den Wahlkreis Halle/Merseburg für die SPD. 1933 befürwortete er vergeblich einen Generalstreik gegen die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Im Zuge der Zerschlagung der Gewerkschaften wurde Möller im Mai 1933 zeitweise verhaftet und später mehrfach in "Schutzhaft" genommen. Gezwungen sich einen neuen Beruf zu suchen, übernahm er eine Außendiensttätigkeit für eine österreichische Versicherung. 1935 heiratete Möller Lieselotte Klemenz, die 1959 starb. 1936 wechselte er beruflich zur "Karlsruher Lebensversicherung AG". Mit dem selben großen Einsatz, den er auch bei allen seinen anderen Aktivitäten zeigte, brachte er es schon 1938 zum Filialdirektor und wurde 1943 Abteilungsleiter und 1944 stellvertretendes Vorstandsmitglied in der Zentrale in Karlsruhe. Durch die alliierten Militärbehörden wurde Möller 1945 die Gesamtverantwortung für die Karlsruher Lebensversicherung AG übertragen und diese Ernennung später durch den Aufsichtsrat bestätigt. Bis 1969 fungierte er als Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender und führte das Unternehmen erfolgreich durch den Neuaufbau.
Neben der beruflichen Tätigkeit ging Möller nach Ende der NS-Herrschaft auch wieder seiner zweiten Leidenschaft, der Politik, nach. Er war 1946 Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung des damaligen Landes Württemberg-Baden und gehört dann bis 1961 für die SPD dem entsprechenden Gremium und dem Landtag von Baden-Württemberg an, zuletzt als Vorsitzender der SPD-Fraktion. 1961 wechselte er in den Bundestag, wurde 1964 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und war Vorsitzender des Arbeitskreises "Öffentliche Finanzwirtschaft" des Bundestages. Gestützt auf seine regionale Hausmacht (1962-1966 auch Landesvorsitzender der SPD) gehörte Möller in den Bundestagswahlkämpfen 1961, 1965 und 1969 zu denen, die von den Wahlkampfstrategen besonders herausgestellt wurden und die Regierungsfähigkeit der SPD personifizieren sollten. Als profunder Kenner von Finanzfragen mit großer Praxiserfahrung war Möller jemand, wie ihn die SPD brauchte und die Wirtschaft respektierte. Die Mitgliedschaft im Präsidium der SPD, dem maßgeblichen Führungsgremium der Partei, in den Jahren 1964 bis 1973 dokumentierte Möllers wichtige Rolle in der Partei auf Bundesebene.
Den Lohn für sein politisches Engagement erhielt Alex Möller mit der Berufung zum Bundesminister der Finanzen im ersten Kabinett von Willy Brandt im Oktober 1969. Als solcher brachte Möller wichtige Initiativen zur Neuordnung des Steuerrechts in Gang, trat aber in einem schmerzlichen Prozess schon am 13.5.1971 von seinem Ministerposten zurück. Aufgrund seiner Auffassung von solider Finanzpolitik wollte er die Art der Finanzierung der Reformpolitik der sozialliberalen Koalition nicht mittragen. Er wollte die Politiker der Regierungskoalition wachrütteln in der Hoffnung, dass es sein Nachfolger hinsichtlich stabilitätsorientierter Politik leichter haben würde. Möller diente seiner Partei weiter, u.a. als Vorsitzender des Seniorenrats der SPD, und auch der Bundesregierung, indem er z.B. 1977 auf Bitten seines Freundes, des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, als persönlicher finanzpolitischer Berater des ägyptischen Präsidenten Anwar es-Sadat fungierte.
Alex Möller starb am 2.10.1985 in Karlsruhe. Mit ihm verschwand eines der markanten Gesichter, die die erste Regierungsphase der SPD in der Bundesrepublik geprägt hatten.