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09.05.1994: Heinz-Werner Meyer gestorben

Heinz-Werner Meyer, 1992

Gewerkschafter aus Leidenschaft und Überzeugung

Der erste Vorsitzende des gesamtdeutschen DGB, Heinz-Werner Meyer, starb am 9. Mai 1994 in einem Siegburger Krankenhaus im Alter von 61 Jahren, an einem Herzinfarkt. Die große Wertschätzung, die er bei seinen Verhandlungspartnern in Politik und Wirtschaft genoss – als Mensch und DGB-Vorsitzender – wurde auf der Trauerfeier am 16.5.1994 im Haus der Ruhrfestspiele deutlich. Führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nahmen an der Trauerfeier teil. Unter ihnen waren Bundespräsident Richard von Weizäcker, Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, Bundeskanzler Helmut Kohl, die Ministerpräsidenten Johannes Rau, Kurt Biedenkopf, Manfred Stolpe, der SPD Vorsitzende Rudolf Scharping, Verfassungsgerichts-Präsident Roman Herzog , die Bundesminister, Norbert Blüm, Klaus Kinkel und Günter Rexroth, Fritz Verzetnitsch, Präsident des Europäischen Gewerkschaftsbundes sowie viele seiner Weggefährten.

„Nach Hans Böckler ist Heinz Werner Meyer der zweite Vorsitzende des DGB, der seine Aufgabe nicht zu Ende bringen konnte. Hans Böckler führte die deutschen Gewerkschaften aus der Nachkriegszeit in die entstehende Bundesrepublik, Heinz-Werner Meyer... (in eine neue Epoche)... die nicht nur unser Land sondern ganz Europa nachhaltig verändert.“ Mit diesen Worten würdigte Hermann Rappe , der Vorsitzende der IG Chemie-Papier-Keramik als dienstältester Gewerkschaftsvorsitzende die Verdienste des überraschend verstorbenen DGB-Vorsitzenden.

Wer war nun dieser Mann, dem diese große Ehre zu Teil wurde. 1922 geboren als „Hamburger Jung“ hatte auch ihm das Fernweh gepackt, wenn er im Hamburger Hafen die großen Pötte sah. „Klar wollte ich zur See fahren (...) aber die Verhältnisse erlaubten es nicht. (...) für mich vielleicht ein Glück, denn ob ich wie mein Großvater auf großer Fahrt zufrieden gewesen wäre wisse er nicht“, gestand er in einem Interview Gerd Goch für die Zeitschrift Landtag intern (NRW), erschienen am 19.3.1979. Sein Lebensweg nahm aber einen völlig anderen Verlauf.

Nach dem Krieg warb der Bergbau mit großem Aufwand um Nachwuchs. Hans-Werner Meyer ging mit 16 Jahren ins Ruhrgebiet und wurde mit Leib und Seele Bergmann. Auf der Schachtanlage „Monopol“ in Kamen machte er seine Ausbildung und legte 1951 seine Knappen- und 1954 seine Hauerprüfung ab. Schon als Lehrling trat er der Gewerkschaft bei, wurde Jugendleiter und Jugendsprecher und kam in den Bezirksvorstand der IG Bergbau und Energie (IG BE). Nach der Hauerprüfung schickte ihn die Gewerkschaft auf den Weiterbildungsweg. Von 1955 bis 1957 besuchte er die „Akademie für Gemeinwirtschaft in Hamburg" (heute: Hochschule für Wirtschaft und Politik) und legte dort das Examen als Volkswirt (grad.) ab.

Anschließend begann seine hauptamtliche gewerkschaftliche Laufbahn als Jugendsekretär beim Hauptvorstand der IG BE in Bochum. Er wurde Leiter der Abteilung Organisation seiner Gewerkschaft und 1984 zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Ein Jahr später erfolgte seine Wahl zum Vorsitzenden der IG BE als Nachfolger von Adolf Schmidt. Zeit seines Lebens war er an arbeitsrechtlichen Fragen außerordentlich interessiert. Besonders wertvoll waren seine Kenntnis und seine Erfahrungen in seiner Tätigkeit von 1970 bis 1982 als ehrenamtlicher Arbeitsrichter, davon lange Zeit im 3. Senat des Bundesarbeitsgerichts. In der Zeit von 1975 bis 1985 war er, der 1953 in die SPD eingetreten war, Abgeordneter im Nordrhein-Westfälischen Landtag, davon 5 Jahre als wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. In der Zeit von 1987 bis 1990 war er Mitglied des Deutschen Bundestage (Wahlkreis Recklinghausen I). Nach seiner Wahl zum DGB-Vorsitzender verzichtete er auf eine weitere Kandidatur für den Deutschen Bundestag.

Er bezeichnete sich selbst als „Mann des Ausgleichs“. Auch Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit wurde ihm nachgesagt. Als Vorsitzender der IG BE hatte er bewiesen, dass für die deutschen Bergleute als Beschäftigte einer schrumpfenden Branche zumindest soziale Absicherungen aushandeln konnte. Im zähen Ringen mit der Bundesregierung und den europäischen Behörden sammelte er Erfahrungen, die er als DGB-Vorsitzender brauchen konnte. Polarisierung, Zuspitzung von Konflikten war nicht die Sache von Heinz-Werner Meyer. Seine Parole lautete: „Verhandeln statt demonstrieren, Verträge statt Streik“

14. DGB-Bundeskongress in Hamburg; Wahl von Heinz-Werner Meyer zum neuen DGB-VorsitzendenAuf dem 14. ordentlichen Bundeskongress des DGB 1990 in Hamburg wurde er mit 64,16 % der Delegiertenstimmen zum Nachfolger von Ernst Breit gewählt. Als DGB-Vorsitzender konzentrierte er seine Kräfte auf Problemlösungen, nicht auf persönliche Profilierung. Das galt für die Bewältigung des deutschen Einigungsprozesses ebenso, wie für die Reform des DGB – die beiden herausragenden Aufgaben seiner Amtsperiode. Immer wieder hatte er gegenüber der Bundesregierung und den Arbeitgeberverbänden gedrungen, den Umbruchprozess sozial zu flankieren und die industrielle Zukunft Ostdeutschlands sicherzustellen. Die Reform des DGB nach innen und die Öffnung der Gewerkschaftsbewegung nach außen, das war der Arbeitsauftrag, den er sich selbst gegeben hatte und den er bis zu den für November 1996 geplanten außerordentlichen DGB-Reform-Kongress erfüllen wollte. Er konnte jedoch nur die Weichen für die DGB-Reform stellen..

Heinz-Werner Meyer war ein Gewerkschafter aus Überzeugung und Leidenschaft. Das Schicksal der arbeitenden Menschen zu bessern und soziale Gerechtigkeit durchzusetzen war das Leitmotiv seines gewerkschaftlichen Handelns.