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29.03.1826: Wilhelm Liebknecht geboren

Am 29.3.1826 erblickte Wilhelm Liebknecht in Gießen das Licht der Welt und wurde im Laufe seines Lebens zu einer der bedeutendsten Figuren der frühen deutschen Sozialdemokratie. Doch anders als etwa sein Weggefährte August Bebel kam Wilhelm Liebknecht nicht aus ärmlichen Verhältnissen, sondern aus einer Beamten- und Gelehrtenfamilie. Seine Kindheit war daher weniger durch materielle Not gekennzeichnet, als vielmehr durch die bitteren Erfahrungen einer grausamen und ungerechten Welt. Neben dem frühen Tod seiner Eltern war für ihn besonders prägend, dass sein Großonkel Friedrich Ludwig Weidig, der zusammen mit Georg Büchner eine sozialrevolutionäre Flugschrift verbreitete, ins Gefängnis geworfen und gefoltert wurde und schließlich dort starb. Das ist auch der Grund, weshalb Wilhelm, nicht wie sein Vater den Beamtenweg einschlug, sondern sich für den Kampf gegen die repressiven monarchischen Systeme entschied.

Liebknecht war sowohl geistig bewandert als auch praktisch veranlagt. Denn neben seinem Studium der Philologie, Theologie und Philosophie absolvierte er auch zwei Handwerkslehren zum Zimmermann und Büchsenmacher. Letzteres vor allem deshalb, weil er zeitweilig darüber nachdachte, ins freie Amerika auszuwandern. Das änderte sich jedoch mit dem Beginn der Februarrevolution 1849 in Paris. Endlich sah Liebknecht die Möglichkeit gekommen, eine demokratische Veränderung für Europa zu erwirken. Bei dem Versuch, die Revolution auch nach Deutschland zu tragen, wurde er allerdings im Zuge des sogenannten Struve-Aufstands in Lörrach verhaftet. Im Gefängnis lernte er sodann Ernestine Landolt, die Tochter des Gefängnisaufsehers, kennen und verliebte sich in sie. Sie wurde später seine erste Frau. Nach 7 Monaten Untersuchungshaft wurde er wieder entlassen und schloss sich der Badischen Volkswehr an, um die Revolution und die gerade erst errichtete badische Republik zu verteidigen. Die Volkswehr wurde allerdings im Juli 1849 von der preußischen Armee besiegt und Liebknecht musste fliehen. In der Schweiz lernte er Friedrich Engels kennen und in England schließlich auch Karl Marx. Mit Marx, der Liebknecht nachdrücklich beeinflusste, verband ihn eine innige Freundschaft, die aber auch von heftigen inhaltlichen Auseinandersetzungen geprägt war. So betonte Liebknecht im Gegensatz zu Marx: „Der Sozialismus ohne Demokratie ist Aftersozialismus wie die Demokratie ohne Sozialismus Afterdemokratie. Der demokratische Staat ist die einzig mögliche Form der sozialistisch organisierten Gesellschaft.“

1862 wurde Liebknecht und anderen 1848er-Revolutionären die Amnestie gewährt. Er kehrte nach Deutschland zurück, schloss sich Ferdinand Lassalles „Allgemeinem Deutschen Arbeiterverein“ (ADAV) an und schrieb zeitweise auch für die ADAV-Parteizeitung „Der SocialDemokrat“. Doch im Grunde war der revolutionär eingestellte Liebknecht zu radikal für die reformerische Partei Lassalles. Die Differenzen wurden mit der Zeit überdeutlich, so dass Liebknecht 1865 aus dem ADAV ausgeschlossen wurde. Er ging nach Leipzig und lernte dort den 14 Jahre jüngeren August Bebel kennen, den er mit den Marxschen Theorien vertraut machte. Am 19.8.1866 gründeten sie die Sächsische Volkspartei – ein Zusammenschluss von Sozialisten und Linksliberalen. Bereits ein Jahr später konnten Bebel und Liebknecht als gewählte Abgeordnete in den Reichstag des Norddeutschen Bundes einziehen. Allerdings starb im selben Jahr auch seine Frau Ernestine. Seine zweite Frau Natalie heiratete er 1868. Mit ihr bekam er unter anderem auch seinen Sohn Karl Liebknecht.

1869 wurde die Sächsische Volkspartei aufgelöst und die meisten Mitglieder gingen zur überregionalen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) über. Als im Jahr darauf der deutsch-französische Krieg begann, verhehlte Liebknecht nicht seine antimonarchistische, antimilitaristische und internationalistische Grundhaltung: „Als prinzipielle Gegner jedes dynastischen Krieges, als Sozialrepublikaner und Mitglieder der Internationalen Arbeiterassoziation, die ohne Unterschied der Nationalität alle Unterdrücker bekämpft, alle Unterdrückten zu einem großen Bruderbunde zu vereinen sucht, können wir uns weder direkt noch indirekt für den gegenwärtigen Krieg erklären.“ Die Solidarität mit der Pariser Kommune brachte schließlich Liebknecht und Bebel eine zweijährige Haftstrafe wegen Hochverrats ein.

1874 wurde Liebknecht wieder Reichstagsabgeordneter, nun des neu gegründeten Deutschen Kaiserreichs. Die veränderten Realitäten mit einem deutschen Gesamtstaat warf die Frage nach dem Sinn zweier konkurrierender sozialdemokratischer Parteien im Reichstag auf. So fusionierten in Gotha ein Jahr später die SDAP und die ADAV zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP). Liebknecht und Wilhelm Hasenclever gründeten den „Vorwärts“ als neue Parteizeitung und wurden deren Chefredakteure.

Im Zuge des Sozialistengesetzes, das 1878 in Kraft trat, wurde auch Liebknecht trotz Reichstagsmandat vor Repression nicht geschont. Umso unnachgiebiger stand er für seine Vorstellungen ein und kritisierte mit Vehemenz die Politik Bismarcks. 1896 wurde der mittlerweile 70-jährige Liebknecht ein letztes Mal verhaftet. Er bekam wegen „Majestätsbeleidigung“ vier Monate. Insgesamt musste er aufgrund seiner antimonarchistischen Haltung sechs Jahre im Gefängnis verbringen. Doch dies konnte seinen Willen nicht brechen. Im Gegenteil: Stets trat er mit Entschiedenheit für Ziele wie Frieden, Völkerverständigung – vor allem in der 1. und 2. Internationale – und die Emanzipierung der Arbeiter ein. In diesem Zusammenhang prägte Liebknecht in Anlehnung an Francis Bacon den Ausspruch „Wissen ist Macht. Macht ist Wissen“. Emanzipation und Demokratisierung waren somit für ihn untrennbar miteinander verbunden.

Welche Bedeutung dieser „Soldat der Revolution“ für die junge Sozialdemokratie hatte, bezeugen diejenigen, die ihm das letzte Geleit gegeben haben. Als Wilhelm Liebknecht am 7.8.1900 in Berlin starb, nahmen 120.000-150.000 Menschen an seinem Trauerzug teil.