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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Februar / Heinz Kühn geboren

18.02.1912: Heinz Kühn geboren

Heinz Kühn, 1956Heinz Kühn geboren „Wer Köln nicht gesehen hat, hat Deutschland nicht gesehen“ – Am 18. Februar 1912 wurde in der Domstadt am Rhein Heinz Kühn geboren. Die Stadt und deren Arbeitermilieu prägten den Sohn eines Tischlers schon in jungen Jahren. Inspiriert durch seinen in Sozialdemokratie und Gewerkschaft aktiven Vater und kritisch beäugt von seiner streng katholischen Mutter engagierte sich Kühn während der Schulzeit bei der SPD-Jugendorganisation „Rote Falken“ und anschließend bei der „Sozialistischen Arbeiter-Jugend“. Im Alter von 18 Jahren trat er der SPD bei. Nach erfolgreichem Schulabschluss studierte Kühn in Köln Staatswissenschaften und Nationalökonomie. Unter dem Eindruck der zunehmend gewaltsam ausgetragenen politischen Kämpfe der Weimarer Zeit trat er 1931 dem „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ bei. Dem Terror von SS und SA, der sich in Form von Beleidigungen und Prügeleien bis hin zu Morden immer weiter Bahn brach, stellten sich gerade die jungen Reichsbannermitglieder, oft in zahlenmäßiger Unterlegenheit, entgegen. Mutig und entschlossen wollte Kühn die Republik verteidigen. 1933 geriet er dabei ins Visier der neuen nationalsozialistischen Obrigkeit. Eine Verhaftung und Haussuchung führte ihm seine lebensbedrohliche Situation vor Augen. Nur wenige Monate nach Beginn des NS-Regimes floh Kühn nach Prag und im Juni 1936 nach Brüssel, wo er an der Exilzeitung „Freies Deutschland“ mitarbeitete, um das Unrecht und die Verbrechen der Nationalsozialisten öffentlich anzuklagen. Kühn beschrieb sich in seinen Erinnerungen als „einfachen Fußsoldaten der Demokratie, der sich auf manchen Kampffeldern gegen Hitler herumgeschlagen hat, vielleicht ganz mutig, nicht eben erwähnenswert heroisch“. Nach Kriegsende kehrte Kühn zurück ins weitgehend zerstörte Köln und arbeitete als Redakteur bei der „Rheinischen Zeitung“ und für den „Norddeutschen Rundfunk“. 1948 konnte er einen Sitz im nordrhein-westfälischen Landtag erlangen. Von 1953 bis 1963 war er Mitglied des Deutschen Bundestags, anschließend kehrte er in den Landtag zurück. Im Jahr 1966 wurde Kühn Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen. Er war damit der erste einer fast vier Jahrzehnte andauernden Periode sozialdemokratischer Landeschefs: Johannes Rau, Wolfgang Clement und Peer Steinbrück folgten ihm bis 2005 nach. Von allen seinen Parteigenossen fühlte sich Heinz Kühn mit Willy Brandt am engsten verbunden. Beide waren sie durch den Niedergang der Weimarer Republik, den Widerstand gegen das NS-Regime und die Zeit im Exil geprägt worden. Dennoch beschrieb Kühn diese Verbindung weniger als Freundschaft, wie es in den Gazetten der Bonner Republik oft dargestellt wurde, sondern vielmehr als vertrauensvolles Verhältnis aufgrund gleicher Gesinnung. Auf Initiative Brandts wurde Kühn 1973 neben Helmuth Schmidt stellvertretender Vorsitzender der SPD.

Heinz Kühn und Günter Grass, 1970 Von Herzproblemen geplagt reichte Kühn 1978 seinen Rücktritt als Ministerpräsident ein – doch der Politik blieb er treu. Von 1979 bis 1984 fungierte er als Abgeordneter im Europaparlament. Zudem wurde er zum ersten Ausländerbeauftragten der Bundesregierung berufen. In einer 1979 veröffentlichten 66 Seiten starken Denkschrift, die bald als „Kühn-Memorandum“ bezeichnet wurde, zog er zukunftsweisende Schlüsse: Die Bundesrepublik sei und werde in Zukunft verstärkt ein Einwanderungsland womit ein Konzept der dauerhaften Integration an die Stelle der zeitlich begrenzten Anwerbung von Gastarbeitern treten müsse. Dazu sei es von großer Bedeutung die Bedingungen der ausländischen Kinder und Jugendlichen im vorschulischen, im schulischen und im beruflichen Ausbildungssektor nachhaltig zu verbessern. Kühns Ansatz und sein Verständnis der Problematik als „gemeinschaftliche Aufgabe“ erscheinen auch nach mehr als 30 Jahren zeitgemäß.

Heinz Kühn und Willy Brandt bei der Einweihung der FES 1969Noch im Alter von über 70 Jahren blieb Heinz Kühn gesellschaftspolitisch aktiv. Von 1983 bis 1987 war er Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung, für welche er sich seit ihrer Wiederbegründung 1947 intensiv eingesetzt hatte. Am 12. März 1992 starb Heinz Kühn in Köln, der Stadt die ihn und die er Jahrzehnte lang geprägt hatte.

Weitere Informationen zu Heinz Kühn finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.

Kranzniederlegung zum 100. Geburtstag von Heinz Kühn direkt hier,