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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Januar / Sozialdemokraten in Berlin-Plötzensee ermordet

23.01.1945: Sozialdemokraten in Berlin-Plötzensee ermordet: Theodor Haubach und Ludwig Schwamb

Am 23. Januar 1945 wurden in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee die Sozialdemokraten Theodor Haubach und Ludwig Schwamb ermordet.

Beide standen in Kontakt mit den Verschwörern des 20. Juli 1944.

Theodor Haubach, geb. am 15. September 1896 in Frankfurt am Main, verbrachte seine Jugend in Darmstadt, wo er sich einem Kreis expressionistischer Dichter und Künstler anschloss, zu dem auch Carlo Mierendorff zählte. 1914 meldete sich Haubach als Kriegsfreiwilliger; während des Krieges wurde er mehrfach verwundet. Nach dem Krieg arbeitete er einige Zeit im Butzbacher Arbeiter- und Soldatenrat mit und schrieb Beiträge für die von Mierendorff gegründeten Zeitschrift „Das Tribunal. Hessische radikale Blätter“.

1919 begann er mit dem Studium der Philosophie und Soziologie in Heidelberg, das er mit der Promotion bei dem Philosophen Karl Jaspers abschloss. Im Frühjahr 1923 übersiedelte Haubach, der inzwischen in die SPD eingetreten war, nach Hamburg. 1924 übernahm er dort eine Stelle als Redakteur an der sozialdemokratischen Zeitung „Hamburger Echo“. Drei Jahre später wurde er als Abgeordneter in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Als überzeugter Anhänger der Weimarer Republik engagierte sich Haubach intensiv im republikanischen Schutzbund Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Ab 1929 arbeitete er als Pressereferent des Reichsinnenministers Carl Severing, ab 1930 für den Berliner Polizeipräsidenten Albert Grzesinski. In den letzten Jahren der Weimarer Republik schloss er sich dem Kreis der Religiösen Sozialisten um Paul Tillich und um die Zeitschrift „Neue Blätter für den Sozialismus“ an.

Während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft war Haubach mehrfach inhaftiert. Er versuchte zunächst, sich eine berufliche Existenz als Versicherungsvertreter aufzubauen und ging systematisch an den Aufbau eines Netzwerks illegaler Kontakte. Nach seiner Verhaftung im November 1934 und anschließender Gestapo-Haft wurde er in das Konzentrationslager Esterwegen verschleppt. Nach seiner Freilassung 1936 versuchte Haubach mühselig, sich erneut eine Existenz aufzubauen und nahm wieder Kontakte zu alten Freunden auf. Ab 1938 arbeitete in der Berliner Verwaltung einer Papierfabrik, die einem Bekannten aus Darmstadt gehörte. Trotz phasenweiser Zurückhaltung bei illegalen Aktivitäten und einer weiteren kurzfristigen Inhaftierung 1939 intensivierte Haubach in den folgenden Jahren Kontakte zum Kreisauer Kreis, übernahm im Oktober 1942 die Ausarbeitung eines Positionspapiers für die Kreisauer, arbeitete aber auch mit Carlo Mierendorff an einem sozialdemokratischen Konzept für den Widerstand; auch zu Claus Graf Schenk von Stauffenberg bestand Verbindung. In den Plänen der Verschwörer war Haubach für die Funktion eines Regierungssprechers vorgesehen.

Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 zog sich Haubach zu Freunden nach Süddeutschland zurück. Nach seiner Rückkehr nach Berlin wurde er am 9. August 1944 verhaftet. Am 15. Januar 1944 wurde Theodor Haubach zum Tod verurteilt und am 23. Januar in Berlin-Plötzensee ermordet.

Ludwig Schwamb wurde am 30. Juli 1890 in Undenheim (Rheinhessen) geboren. Nach dem Abitur an der Oberrealschule in Mainz studierte er in Gießen und Berlin Rechtswissenschaften. Wie Theodor Haubach meldete sich auch Ludwig Schwamb 1914 freiwillig zum Kriegsdienst. Das Kriegserlebnis beschleunigte vermutlich seine politische Entwicklung hin zur Sozialdemokratie, der er kurz nach Kriegsende beitrat. 1924 zum Regierungsassessor ernannt, war er u.a. in den Finanzämtern in Alzey und Oppenheim tätig. 1928 wurde Schwamb persönlicher Referent des sozialdemokratischen hessischen Innenministers Wilhelm Leuschner. Im Sommer 1933 wurde Schwamb aus politischen Gründen entlassen und unter Polizeiaufsicht gestellt. Er übersiedelte nach Berlin, wo er eine Stelle als Syndikus einer Schuhfabrik fand. In Berlin nahm Schwamb erneut Kontakt zu seinen früheren Freunden auf, vor allem zu Wilhelm Leuschner, später auch zu dem aus der Haft entlassenen Carlo Mierendorff sowie zu Julius Leber, Theodor Haubach, Gustav Dahrendorf, Adolf Reichwein und Ernst von Harnack. Nachdem seine Wohnung in Berlin ausgebombt worden war, ging Schwamb nach Süddeutschland zurück und baute von Frankfurt und Aschaffenburg aus ein konspiratives Netz von Kontakten zu Sozialdemokraten und Gewerkschaftern in dieser Region auf. Bei den Umsturzplänen zum 20. Juli 1944 war er als politischer Beauftragter für den Wehrkreis XII (Wiesbaden) vorgesehen.

Ludwig Schwamb wurde nach dem Attentat am 23. Juli 1944 in Frankfurt am Main zusammen mit seiner Frau verhaftet, die jedoch wenige Tage später wieder freikam. Nach mehrmonatiger Haft wurde er zum Tod verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Weitere Informationen zu Ludwig Schwamb finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.

Ludwig Schwamb im Online-Katalog Bibliothek der FES

Theodor Haubach im Online-Katalog Bibliothek der FES

Literatur:

Peter Zimmermann: Theodor Haubach (1896-1945). Eine politische Biographie, München, Hamburg 2004;
Axel Ulrich: Ludwig Schwamb, Jakob Steffan und andere südwestdeutsche Mitstreiter Wilhelm Leuschners im antinazistischen Widerstand, in: Niersteiner Geschichtsblätter, 12, 2006, S. 21-50.