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19.02.2003: Der Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde im Alter von 79 Jahren gestorben

Volkmar Gabert

Der langjährige frühere SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Volkmar Gabert ist am Mittwochmorgen nach langer schwerer Krankheit in München verstorben. Er wäre in wenigen Wochen, am 11. März, 80 Jahre geworden.
Der Bundeskanzler und Parteivorsitzende der SPD, Gerhard Schröder, würdigte Gabert in einem Schreiben an seine Witwe: "Für die Modernisierung Bayerns hat er sich unermüdlich eingesetzt und aus der Opposition heraus mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit große Fortschritte - wie die Einführung der christlichen Gemeinschaftsschule - erreicht.
Mit seiner Wahl in das erste Europäische Parlament 1979 erweiterte Volkmar Gabert als überzeugter Europäer seinen politischen Wirkungskreis: Er arbeitete auch in dieser Funktion weiter an der Aussöhnung mit den Ländern Osteuropas und hat sich mit seiner Arbeit vor allem in der Tschechischen Republik hohe Achtung erworben.
Volkmar Gabert wird uns als standhafter Mitstreiter, überzeugter Sozialdemokrat und liebenswürdiger Freund in guter Erinnerung bleiben."
"Volkmar Gabert gehörte in Bayern und darüberhinaus zu den herausgehobenen politischen Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts", würdigten im Namen der BayernSPD und der SPD-Landtagsfraktion Landesvorsitzender Wolfgang Hoderlein und Fraktionsvorsitzender Franz Maget den Verstorbenen. "Volkmar Gabert erfuhr seine politische Prägung in der Zeit des Widerstands gegen den Nationalsozialismus und der Verfolgung der sudetendeutschen Sozialdemokraten durch das Hitler-Regime und in der anschließenden Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat", stellen Hoderlein und Maget in ihrem Nachruf fest. "Unvergessen bleibt nicht zuletzt Volkmar Gaberts Einsatz bei den beiden Volksbegehren zur Gemeinschaftsschule und zur Rundfunkfreiheit, die beide entscheidend von ihm ausgingen", würdigen seine beiden Amtsnachfolger. "Bis zum Ende seines Lebens galt sein politischer Einsatz vor allem der Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen."
Am 11. März 1923 in Teplitz-Schönau geboren, wo er Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportverbandes und der "Roten Falken" war, emigrierte Gabert als 15jähriger mit seinen Eltern nach Großbritannien, wo er Mitglied des Exilvorstandes sudetendeutscher Sozialdemokraten war. Seit 1945 in Bayern lebend begann in den 50er Jahren Gaberts Aufstieg in der bayerischen SPD: 1950 wurde er erstmals als Abgeordneter in den Bayerischen Landtag gewählt, dem er bis 1979 als MdL für München angehörte. Von 1962-1976 stand Gabert als Vorsitzender an der Spitze der SPD-Landtagsfraktion, von 1963-1972 war er Landesvorsitzender der bayerischen SPD. Mit 35,3 Prozent bei der Landtagswahl 1962 und 35,8 Prozent bei der Landtagswahl 1966 erzielte er für die bayerische SPD die besten Ergebnisse bei Landtagswahlen seit dem Krieg.
Nachdem Gabert, der von 1964-1979 auch Mitglied des SPD-Parteivorstands auf Bundesebene war, 1976 den Fraktionsvorsitz an Helmut Rothemund abgegeben hatte, war er bis 1979 Vizepräsident des Bayerischen Landtags, um dann bei der ersten Direktwahl zum Europaparlament 1979 noch für eine Wahlperiode bis 1984 als Europaabgeordneter seine Parlamentariertätigkeit zu beenden.
Von 1971-1988 leitete Gabert als Geschäftsführender Vorsitzender die Arbeitsgemeinschaft der demokratischen Sozialisten im Alpenraum. Von 1971-1989 war er zudem Vorsitzender der Georg-von-Vollmar-Akademie, danach deren Ehrenvorsitzender. Seit 1986 stand er an der Spitze der Seliger-Gemeinde, dem Zusammenschluss sudetendeutscher Sozialdemokraten. Das Seliger-Archiv gehört zu den Beständen des AdsD (Archive im Archiv).

Weitere Informationen zu Volkmar Gabert finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.