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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / August / Walter Freitag geboren

14.08.1889: Walter Freitag geboren

Walter Freitag, neben Hans Brümmer und Wilhelm Petersen Vorsitzender der IG Metall bis 1952 und nach Hans Böckler und Christian Fette der dritte Vorsitzendes des DGB von 1952 bis 1956, wurde am 14. August 1889 in Remscheid geboren. Auf der Gedenkveranstaltung zu seinem 100. Geburtstag würdigte der damalige stellvertretende DGB-Vorsitzende Gerd Muhr Walter Freitag als einen entschiedenen Kämpfer für die Verwirklichung und den Erhalt der Einheitsgewerkschaft und unterstrich seine Verdienste um den Wiederaufbau einer starken und parteipolitisch ungebundenen Arbeitnehmervertretung im Nachkriegsdeutschland. Wer war nun Walter Freitag, der sich selbst als Praktiker bezeichnete, von Theorie nicht viel hielt und dafür seine Stärke aber die Taktik war?

Als Sohn eines Schlossers erlernte er nach dem Besuch der Volksschule den Beruf des Werkzeugdrehers. Nach seiner Lehre organisierte sich der achtzehnjährige im Deutschen Metallarbeiter-Verband (DMV) und ein Jahr später in der SPD. Gleich bei Kriegsbeginn 1914 wurde er für drei Jahre zum Heeresdienst eingezogen. 1917 erwirkte ein Remscheider Werk seine Freistellung vom Kriegsdienst und er arbeitete dann bis zum November 1918 als Dreher.

Nach dem Krieg wurde er von den Remscheider Arbeitnehmern in den Arbeiter- und Soldatenrat berufen, trat der Unabhängigen Sozialdemokratie (USPD) bei und wurde 1922 Mitglied der Mehrheitssozialdemokratie. 1931 wurde er Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Hagen-Schwelm-Lüdenscheid und gehörte dem Preußischen Landtag 1932/33 an.

Anfang 1919 wählte ihn der DMV zum Sekretär in Remscheid. Als der Verband ein Jahr später eine bezirkliche Reorganisation vornahm, übertrug man ihm das Amt des Bezirksleiters in Hagen, welches er bis zur Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten 1933 inne hatte.

Schon vor 1933 brachte ihn seine gewerkschaftliche und politische Tätigkeit in Konflikt mit den Nationalsozialisten. Im Sommer 1933 wurde er verhaftet und im Herbst in das Konzentrationslager Neusystrum bei Papenburg im Emsland eingeliefert. Er überstand als „Moor-Soldat“ die Grausamkeiten seiner Peiniger und wurde ein Jahr später ins KZ Lichtenberg bei Torgau an der Elbe überführt. Hier traf er mit Wilhelm Leuschner, Hermann Lüdemann und anderen zusammen, zu denen er auch nach seiner KZ-Zeit Kontakt hielt. Als Freitag aus dem KZ entlassen wurde, bekam er ein Aufenthaltsverbot für das Gebiet Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis. Als Wohnsitz wurde Dortmund zugewiesen. Dem Arbeitsamt Dortmund war es bis 1941 verboten ihm irgendwelche Arbeit zu vermitteln. Bis zum Kriegsende blieb er in Dortmund unter ständiger Beobachtung durch die Gestapo.

Gleich nach Kriegsende betrieb er unter schwierigsten Umständen die neue Gründung einer Metallarbeitergewerkschaft in Industrierevier. Er organisierte und referierte im Gebiet von Hagen / Schwelm, förderte den Zusammenschluss der zunächst nur örtlich erlaubten Neugründungen auf zonaler Ebene und knüpfte Verbindungen mit dem Internationalen Metallarbeiter-Bund. In enger Verbundenheit mit Hans Böckler kämpfte er gegen die Demontage im Ruhrgebiet und setzte sich für die Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Montanbereich ein. Kurze Zeit nach der Gewerkschaftsgründung wurde er zunächst zum Vorsitzenden der IG Metall für das Gebiet von Hagen bis zum Siegerland und auf dem Vereinigungsverbandstag am 20./21.2.1947 in Peine gemeinsam mit Wilhelm Petersen (Hamburg) zum Vorsitzenden der IG Metall für die britische Besatzungszone gewählt. Ein Jahr später fand vom 19. bis 21.10.1948 in Lüdenscheid die Vereinigung der Industriegewerkschaften Metall für die amerikanische und britische Beasatzungszone statt. Gemeinsam mit Wilhelm Petersen und Hans Brümmer (Stuttgart) wurde er zum Vorsitzenden gewählt. Die Gründung der IG Metall für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland wurde durch die Aufnahme der Metallgewerkschaften der französischen Besatzungszone am 1.9.1949 vollzogen. Auf den folgenden Gewerkschaftskongressen der IG Metall 1950 und 1952 wurde Freitag zusammen mit Hans Brümmer als gleichberechtigter Vorsitzender in seinem Amt bestätigt.

Als 1952 dem bisherigen DGB-Vorsitzenden Christian Fette mangelnde Energie im Kampf gegen das Betriebsverfassungsgesetz, gegen den Vertrag zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und „unglückliche Äußerungen zur Wehrfrage" vorgeworfen wurden, entlud sich bei den Delegierten des Berliner Gewerkschaftskongresses die ganze Enttäuschung und Verbitterung über die empfindlichen Niederlage und sie sprachen dem unerbittlichen Ankläger gegen die angeblich zu laue Gewerkschaftspolitik, Walter Freitag, das Vertrauen aus. Einmalig, bis heute, in der Geschichte des DGB kam es deshalb zu einer Kampfabstimmung bei der Wahl zum DGB-Vorsitzenden und Walter Freitag wurde nach einer verwirrenden Satzungs- und Geschäftsordnungsdebatte mit 184 gegen 154 Stimmen bei 18 Enthaltungen zum DGB-Vorsitzenden gewählt.

Seine Amtszeit war geprägt von seinem Bemühen, den Arbeitnehmern eine gleichberechtigte Stellung und einen entsprechenden Einfluss in Wirtschaft und Gesellschaft zu verschaffen.

Aber auch innergewerkschaftliche Krisen bestimmten seine Amtszeit. So war es seinem Verhandlungsgeschick in erster Linie zu verdanken, dass die Einheit der Gewerkschaften durch dem DGB-Aufruf „Wählt eine besseren Bundestag“ in den kritischen Stunden nach der Bundestagswahl gewahrt blieb. Die Führungskrise des DGB 1955 ,hervorgerufen durch die Beurlaubung von Viktor Agartz, die Gründung der christlichen Gewerkschaften und die scharfen Auseinandersetzungen hinter den Kulissen um einen noch radikaleren Kurs des DGB, machten ihm zu schaffen. Als sein Gesundheitszustand immer schlechter wurde, forderte der damaligen DGB-Landesbezirksvorsitzende aus Bayern, Max Wönner, eine Absetzung von Walter Freitag.

Ein Jahr später, mit der Wahl Willi Richters auf dem Bundeskongress in Hamburg, endetet seine Amtszeit. Der Kongress hatte ihn zwar – er selbst konnte krankheitsbedingt nicht daran teilnehmen – mit Dankesworten verabschiedet, aber diese waren sehr „geschäftsmäßig" distanziert.

Parallel zu seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit lief seine politische Arbeit. So war Freitag von 1946 bis 1949 Landrat des Ennepe-Ruhr Kreises und gleichzeitig bis 1950 Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen. 1949 kandidierte er im Wahlkreis Ennepe-Ruhr – Witten für den ersten Deutschen Bundestag, wurde gewählt und vertrat diesen Wahlkreis bis 1953. Im Bundestag war er Ordentliches Mitglied des Ausschusses für Wirtschaftspolitik.

Walter Freitag starb am 7 Juni 1958 in Herdecke an einem Schlaganfall. Auf der Trauerfeier charakterisierte Willi Richter, sein Nachfolger im DGB, ihn so: „Sobald er den rechten Weg erkannt hatte, ging er ihn mit unerbittlicher Folgerichtigkeit.“

Tondokument: Walter Freitag nach seiner Wahl zum DGB-Vorsitzenden, 1952

Ernennungsurkunde von Walter Freitag zum Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Bundesbahn

Weitere Informationen zu Walter Freitag finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.