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19.03.1911: Erster Internationaler Frauentag

Am 19. März 1911 wurde in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn, der Schweiz und den USA zum ersten Mal der Internationale Frauentag gefeiert.

Ins Leben gerufen wurde der Internationale Frauentag ein Jahr zuvor auf der II. Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen. Dort stellte die amerikanische Sozialistin May Wood-Simons die von der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) veranstalteten Frauen(streik)tage vor, diese sollten für das allgemeine Frauenwahlrecht werben. Der erste amerikanische Frauentag war ein großer Erfolg, weil bürgerliche Frauenverbände zusammen mit Sozialistinnen und Gewerkschafterinnen für das Wahlrecht demonstrierten.

Die beiden deutschen Sozialdemokratinnen Clara Zetkin und Käte Duncker waren von der Aktionsform begeistert und sprachen sich für eine internationale Ausrichtung des Frauentags aus. So verabschiedete die Frauenkonferenz dann auch: „ Im Einvernehmen mit dem klassenbewussten Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient.“ Weitere Forderungen des Frauentags waren u.a. gleicher Lohn für gleiche Arbeit, die Einrichtung von Schulspeisungen.

In Deutschland wurde der Frauentag vor allem von der SPD und den Gewerkschaften getragen und war ebenfalls ein großer Erfolg. Allein in Berlin gab es 42 Veranstaltungen an denen ca. 42.000 Personen teilnahmen, auch kam es zu spontanen Kundgebungen. Obwohl die SPD schon vor der Jahrhundertwende für das Frauenwahlrecht eingetreten war, profitierte sie vom Frauentag, denn die Anzahl der weiblichen SPD-Mitglieder stieg von 82.642 1910 auf 107.693 bis 1911 an. Die sozialistische Frauenzeitung „Die Gleichheit“, die von Clara Zetkin herausgegeben wurde, gewann nach dem Frauentag fast 10.000 neue Abonnentinnen dazu. Der SPD-Vorstand nannte den Frauentag eine „wuchtige sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht“. Auch Clara Zetkin teilte diese Einschätzung und meinte, dass der Frauentag eine der größten Kundgebungen für das Frauenwahlrecht der letzten Jahre gewesen sei.

Durch den Erfolg des ersten Internationalen Frauentags bestärkt, wurde dieser auch während des Kaiserreichs und der Weimarer Republik veranstaltet. Jedoch taten sich die Sozialdemokraten nach der Gründung der KPD schwer, den Aktionstag zu organisieren. Da Clara Zetkin nun KDP-Mitglied war, und der Tag von der KPdSU für propagandistische Zwecke benutzt wurde.

Während der nationalsozialistischen Diktatur wurde der Frauentag zwar nicht offiziell verboten, aber an seine Stelle trat der Muttertag und legte damit eine konservative Rollenzuweisung fest.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Internationale Frauentag erstmals wieder in der DDR gefeiert. Frauen wurden als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft portraitiert, was nicht in allen gesellschaftlichen Bereichen der Lebenswirklichkeit entsprach. Jedoch näherte sich der Frauentag immer mehr den Ritualen des Muttertags an, private Gesten traten in den Vordergrund, wie z.B. die Hilfe im Haushalt. So wurde der Frauentag im Volksmund auch spöttisch der „sozialistische Muttertag“ genannt.

In der Bundesrepublik konnten die Feierlichkeiten am Frauentag nicht an die Erfolge der Vorkriegszeit anknüpfen. Die Vereinnahmung des Frauentags durch die DDR sorgten in der SPD und in den Gewerkschaften für große Skepsis, diese Tradition wiederzubeleben.

Erst ab den 1970er Jahren gab es wieder regelmäßige Veranstaltungen zum Frauentag. Angestoßen wurden sie von Gewerkschafterinnen, welche die alten Forderungen des Frauentags wiederaufnahmen, wie u.a. gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Nach der deutschen Wiedervereinigung erlebte der Frauentag eine erneute Renaissance, als die Debatte um den §218 wieder aufflammte. Mittlerweile ist der Internationale Frauentag als Institution fest in der Deutschlands verankert und lenkt in den Veranstaltungen den Blick auf globale politische, gesellschaftliche, rechtliche und wirtschaftliche Problemlagen von Frauen.