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28.10.2000: Josef Felder gestorben

„Ich war kein Held, sondern immer überzeugter Sozialdemokrat, der seine Pflicht tut!“ Mit diesen Worten kommentiert Josef Felder im Rückblick sein Nein zum Ermächtigungsgesetz der Nazis im Reichstag 1933.

Der am 24. August 1900 in Augsburg geborene Journalist und Politiker interessierte sich schon früh für Politik und die Entwicklungen in seiner Umgebung. Er trat immer für seine Überzeugungen, trotz Widerstand und Schwierigkeiten ein.

Nach dem Besuch der Volksschule in München und Mindelheim, wo Josef Felder einige Zeit von dem späteren nationalsozialistischen Politiker Julius Streicher unterrichtet wurde, den er als „aggressiv und unberechenbar“ charakterisierte, machte er ab 1913 eine Lehre als Setzer und Buchdrucker beim Mindelheimer Anzeigenblatt. Zu dieser Zeit war Felder schon politisch sehr interessiert und wollte gerne studieren, was aber mit 10 Geschwistern finanziell unmöglich war. Daher ließ ihn sein damaliger Chef kleinere Berichte und Reportagen für das Anzeigenblatt verfassen. 1917 legte er die Prüfung als Buchdrucker bei der Handwerkskammer für Schwaben und Neuburg mit der Note 1 ab und trat gleich darauf dem Verband deutscher Buchdrucker bei.

Da er von nun an auf eigenen Beinen stehen und seiner großen Familie nicht länger auf der Tasche liegen wollte, nahm er im Mai 1918 seine erste Stellung beim Badener Tagblatt an und verließ Mindelheim. Als er dort jedoch Ende 1918 zum Kriegsdienst eingezogen werden sollte, ging er von Baden nach München und nahm dort eine Stelle im Kunst- und Buchverlag Kastner und Callwey an. Dem erneuten Meldebefehl für den 11. November 1918 entkam er durch die Revolution in Bayern und der Proklamation des Freistaates Bayern, die er interessiert verfolgte und nach der er seinen Einberufungsbefehl zeriss.

Im Juli 1919 musste er München infolge der Demobilisierungsverordnung verlassen und kehrte nach Mindelheim zurück, wo er bis 1921 bei den Mindelheimer Neuesten Nachrichten und anschließend bis 1924 als Buchhalter im elterlichen Textilbetrieb arbeitete. Daneben war er von 1921-1924 auch Korrespondent der Schwäbischen Volkszeitung in Augsburg. 1924 wurde er wurde dort Radakteur und blieb es bis 1933.

Josef Felder schloss sich 1919 der USPD an, da ihm die SPD-Haltung in vielen Punkten zu zögerlich erschien und gründete den Ortsverein Mindelheim. Als dieser sich 1920, entgegen Felders Votum, für einen Anschluss an die Kommunistische Internationale entschied, wechselte Felder zur SPD und wurde dort bald mit der Betreuung der sozialistischen Arbeiterjugend im Allgäu und im Donautal betraut. 1926 bis zum Verbot im Juni 1933 war er SPD-Vorsitzender in Augsburg, saß von 1929 bis 1932 im Augsburger Stadtrat und war 1932 bis 1933 Abgeordneter des Reichstags. Dort stimmt er 1933 mit den 93 anderen, noch nicht in ‚Schutzhaft’ genommenen, Abgeordneten der SPD gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten und wurde seitdem politisch verfolgt.

Felder floh daraufhin zunächst nach Österreich, später in die Tschechoslowakei und kehrte 1934 nach Deutschland zurück, wo er von der Gestapo verhaftet und im KZ Dachau inhaftiert wurde. 1936 forderte der mit Felders Bruder bekannte Willy Bogner senior den schwer erkrankten Josef Felder als Buchhalter für seine Textil- und Sportartikelfirma an, wo er bis 1946 arbeitete, bis 1945 unter ständiger Überwachung durch die Nationalsozialisten.

1946 erhielt Felder die Lizenz für eine Zeitung und gab bis 1954 als Chefredakteur den Südost-Kurier in Bad Reichenhall heraus. 1955 bis 1957 war er Chefredakteur des Vorwärts und modernisierte diesen, stabilisierte die Leserzahl und fuhr wieder Gewinne ein.

Er war Gründungsmitglied des 1947 gegründeten Bayrischen Journalisten Verbands, des 1950 gegründeten Presse Clubs München und des 1952 gegründeten Internationalen Presse Instituts Zürich/London.

Josef Felder wollte sich nun auch wieder politisch engagieren und trat 1957 im Wahlkreis Erlangen zur Bundestagswahl an. Von da an saß er bis 1969 im Deutschen Bundestag und gehörte dort unter anderem dem Ausschuss für Kulturpolitik und Publizistik sowie dem Verteidigungsausschuss an. Bei den Bundestagswahlen 1965 und 1969 unterstützte er auch intensiv die Wahlkämpfe Willy Brandts.

1970 trat Josef Felder dann in den Ruhestand, war aber bis 1994 als Zeitzeuge im gesamten Bundesgebiet unterwegs und berichtete bei Veranstaltungen, Diskussionen und vor allem in Schulklassen über seine Erlebnisse in der Weimarer Republik, während des Zweiten Weltkrieges und den Neuaufbau der Bundesrepublik, vor allem um das demokratische Bewusstsein der jungen Generation zu stärken.

1995 stiftete die Bayrische SPD in Erinnerung an ihn den Josef-Felder-Preis für Gemeinwohl und Zivilcourage mit dem Bürger geehrt werden sollen, „die sich in hervorragender Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht und Zivilcourage bewiesen haben“.

Josef Felder erhielt verschiedene Ehrungen als Anerkennung und für seine Verdienste um die Demokratie u.a. 1964 den Bayrischen Verdienstorden, 1969 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschlands, 1980 den Stern zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und die Bayrische Verfassungsmedaille in Gold, 1985 den Goldenen Ehrenring der Stadt Erlangen, 1986 den Ehrenvorsitz der Bayrischen SPD und 1990 das Schulterband zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland sowie die Goldene Bürgermedaille der Stadt München.

Mit seinem Tod am 28. Oktober 2000 im Alter von 100 Jahren nach schwerer Krankheit, starb der letzte noch lebende Reichstagsabgeordnete der 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hatte, weswegen die Bundesregierung ihm zu Ehren am 6. November 2000 einen Trauerstaatsakt im Berliner Reichstag ausrichtete.

Weitere Informationen zu Josef Felder finden Sie unter "Bestände" auf unserer Homepage.