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22.02.1967: Fritz Erler gestorben

Fritz Erler (1913-1967)

Fritz Erler wäre ein herausragender Bundeskanzler gewesen - dies sagte Helmut Schmidt, der Erler im Amt des Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion nachfolgte, in seiner Trauerrede im Frühjahr 1967. Und Helmut Schmidt bekräftigte dieses Urteil im Gedenken an Erler 25 Jahre später, nachdem er selbst acht Jahre das Amt des Kanzlers innegehabt hatte. SPD-Politiker wie der 1931 geborene Abgeordnete und spätere Ministerpräsident von Hessen Holger Börner bezeichneten Erler als ihr eigentliches politisches Vorbild. Wer war dieser Fritz Erler, dessen Name heute kaum noch bekannt ist?
Am 14. Juli 1913 in Berlin als Sohn einer Schneiderin und eines Friseurs geboren, schloss sich Fritz Kurt Gustav Erler wie seine Eltern der SPD an. 1933 erlebte er als Vorsitzender der Sozialistischen Schülergemeinschaft von Groß-Berlin deren Auflösung durch das NS-Regime. Nach Abitur und Verwaltungsseminar ging er1935 als Inspektor zur Berliner Stadtverwaltung und wechselte 1938 in die Privatwirtschaft. Die berufliche Tätigkeit bildete nur die Fassade für die Arbeit Erlers im Untergrund gegen die NS-Herrschaft. Er hatte sich schon vor 1933 der Gruppe "Neu Beginnen" angeschlossen, die - auch im Konflikt mit der SPD - unter anderem die Wiederherstellung der Einheit der Arbeiterbewegung anstrebte.
Im November 1938 wurde Erler verhaftet und 1939 vom "Volksgerichtshof" wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu zehn Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt. Sein Leidensweg endete im April 1945, als er während eines Transports fliehen konnte. In Biberach (Württemberg), wo Erler sich verborgen gehalten hatte, setzten ihn die Besatzungsbehörden im Mai 1945 als Landrat ein. Seine Auffassungen deckten sich nicht immer mit denen der Besatzungsmacht, so dass diese Erlers Unterstützung für Deserteure aus der Fremdenlegion zum Anlass nahm, ihn Anfang 1946 mehrere Monate zu internieren. Nach einem einjährigen Zwischenspiel bei der Landesregierung von Württemberg-Hohenzollern in Tübingen wurde Fritz Erler 1947-1949 Landrat in Tuttlingen. 1946 gehörte er auch der Verfassungsgebenden Landesversammlung an und wurde 1947 Mitglied des ersten Landtags.
Bei der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 in den Deutschen Bundestag gewählt, fand Erler dort das seiner Persönlichkeit gemäße Betätigungsfeld. Intelligent, fleißig, verantwortungsbewusst und mit natürlicher Autorität ausgestattet, konnte Erler aus dem Stegreif wie gedruckt sprechen. 1951 rückte er in den Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion ein, 1956 in den SPD-Parteivorstand. Erler widmete sich vor allem dem in der damaligen SPD eher ungeliebten Bereich der Wehr- und Sicherheitspolitik. Seit 1958 Mitglied des SPD-Präsidiums, gehörte Erler zu den energischen Beförderern der organisatorischen und programmatischen Reformen der SPD in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre, die durch das "Godesberger Programm" von 1959 symbolisiert wurden. Als einer der ersten bekannte er sich in seiner Partei zu einer Verteidigungspolitik im Rahmen der NATO. Von seinen vielen Ämtern außerhalb des Parlaments seien das des Vizepräsidenten des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung, des Vizepräsidenten der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik und des stellvertretenden Präsidenten des Jugendsozialwerks erwähnt.
Nach dem Tode von Erich Ollenhauer wurde Fritz Erler am 3. März 1964 zum Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gewählt und behielt diesen Posten auch nach der Bundestagwahl 1965. Um die Jahreswende 1965/1966 erzwang ein erster schwerer Anfall seiner tödlichen Blutkrankheit eine längere Abwesenheit von der Politik. Nach dem Zerfall des Kabinetts Erhard unterstützte Erler noch vom Krankenlager aus den Eintritt der SPD in die Große Koalition, die ab 1. Dezember 1966 mit Willy Brandt als Außenminister und Vizekanzler zum ersten Mal an einer Bundesregierung beteiligt war. Im Bewusstsein dieses Erfolgs starb Fritz Erler am 22. Februar 1967 in Pforzheim.

Weitere Informationen zu Fritz Erler finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.