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17.10.1971: Willi Eichler gestorben

Willi EichlerAm 17. Oktober 1971 starb in Bonn Willi Eichler, einer der prägenden Theoretiker des demokratischen Sozialismus nach 1945.
Willi Eichler wurde am 7. Januar 1896 als Sohn eines Postbeamten in Berlin geboren. Nach Volksschule und Handelsschule machte er eine kaufmännische Lehre. Von 1915-1918 war Eichler Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg. 1923 trat Eichler der SPD und der Gewerkschaft bei. Innerhalb der sozialistischen Bewegung schloss sich Eichler der Gruppe um den neukantianischen Philosophie-Professor Leonard Nelson in Göttingen an und war ab 1923 als dessen Privatsekretär tätig. Dazu fungierte er als Vorstandsmitglied des von Nelson inspirierten Internationalen Jugendbundes (IJB), der sich als auf ethische Ideale gegründete Erziehungsgemeinschaft im Kampf für den Sozialismus mit strengen Anforderungen an die persönliche Lebensführung verstand. Nach Ausschluss des IJB aus der SPD 1925 organisierte Eichler zusammen mit Nelson eine neue Partei, den Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK). Nach Nelsons Tod 1927 wurde Eichler selbst Vorsitzender des ISK. Ab 1929 war Eichler zugleich Herausgeber des Parteiorgans "isk", 1932/33 Chefredakteur des ISK-Blattes "Der Funke". Im November 1933 musste Eichler vor der Verfolgung durch das NS-Regime flüchten. In Paris baute er die Auslandszentrale des ISK auf und gab die "Sozialistische Warte" und die "Reinhart-Briefe" heraus. Im April 1938 aus Frankreich ausgewiesen, führte ihn der Weg über Luxemburg nach Großbritannien. Dort trat er 1941 der "Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien" bei und war später Mitglied von deren Exekutive.
Nach Kriegsende leitete Eichler ab August 1945 aufgrund seiner politischen Erfahrungen in der Exil-Zeit den Zusammenschluss des ISK mit der SPD ein und kehrte nach Deutschland zurück, wo er sich am Wiederaufbau der SPD beteiligte. Bis 1949 war er Herausgeber der "Sozialistischen Pressekorrespondenz", 1946-1951 Chefredakteur der "Rheinischen Zeitung" in Köln und 1946-1971 Schriftleiter bzw. Herausgeber der theoretischen Monatszeitschrift "Geist und Tat". Im Mai 1946 wurde Eichler in den ersten Nachkriegs-Parteivorstand der SPD gewählt. 1946-1948 nahm er für die SPD ein Mandat im nordrhein-westfälischen Landtag wahr und wechselte 1948 bis 1949 in den Wirtschaftsrat für die Bizone in Frankfurt/Main. 1949-1953 vertrat Willi Eichler die SPD im ersten Deutschen Bundestag. Im Bereich der Partei war Eichler 1949-1953 Vorsitzender des SPD-Bezirks Mittelrhein und wurde 1952 zu einem der fünf besoldeten Mitglieder des Parteivorstands auf Bundesebene gewählt. Nach dem Ausscheiden aus dieser Funktion 1958 war Eichler hauptamtlich als Vorstandsmitglied der Friedrich-Ebert-Stiftung tätig.
Seine größte politische Wirkung entfaltete Eichler ab 1955 als Vorsitzender der Programmkommission für ein neues Parteiprogramm der SPD. Qualifiziert hatte er sich dafür durch zahlreiche Beiträge zu den grundlegenden Positionen des demokratischen Sozialismus. Das 1959 in Bad Godesberg verabschiedeten neue Parteiprogramm der SPD ("Godesberger Programm") brach endgültig mit marxistischen Vorstellungen wie Klassenkampf, Planwirtschaft und Glaube an die Zwangsläufigkeit historischer Prozesse, betonte den Pluralismus der Wurzeln ethischer Motivation, bekannte sich zur gesellschaftlichen Reform als dauernder Aufgabe und beförderte die Wandlung der SPD von einer alleinigen Vertretung der Arbeiterschaft zu einer Volkspartei.

Weitere Informationen zu Willi Eichler finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.

Otto Heinrich Greve mit Willi Eichler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mitglied des Parlamentarischen Rates, Otto Heinrich Greve, im Gespräch mit dem SPD-Vorstandsmitglied Willi Eichler, 1.9.1948