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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Januar / Georg Eckert gestorben

7.1.1974 - Georg Eckert gestorben

Georg Eckert, 1943Der Tod mit erst 61 Jahren riss Georg Eckert aus einem aktiven Leben, in dem sich in seltener Weise Wissenschaft, Arbeiterbewegung und Politik verknüpften. Geboren am 14. August 1912 in Berlin als Sohn eines Redakteurs und einer aus Russland stammenden Mutter, legte Georg Eckert 1931 die Reifeprüfung ab und das Studium von Geschichte, Geographie, Germanistik, Volks- und Völkerkunde. 1931 wurde Eckert auch Mitglied der SPD, nachdem er schon vorher der Sozialistischen Schülergemeinschaft angehört hatte. Anfang 1931 übernahm er einige Monate deren Reichsleitung und gab von 1930-1933 die "Sozialistische Schülerzeitung" heraus. Von März 1932 bis ins Frühjahr 1933 suchte er als Vorsitzender des Sozialistischen Studentenschaft der Universität Berlin den Nationalsozialisten entgegen zu treten, war deshalb stark gefährdet und setzte sein Studium ab Sommersemester 1933 in Bonn fort. Zwischenzeitlich wieder nach Berlin gewechselt und als Zwangsmitglied der Studenten-SA in gewisser Weise unverdächtig, beteiligte sich Eckert in Kontakt mit dem Exil-Parteivorstand der SPD in Prag an Widerstandsaktionen. 1935 promovierte Eckert wiederum in Bonn im Hauptfach Völkerkunde, um 1936 und 1938 beide Staatsexamina abzulegen und in den Berliner Schuldienst zu gehen. 1937 trat er zur Tarnung und mit Wissen der SPD der NSDAP bei. Widerstandsaktivitäten betrieb die Gruppe um Eckert bis zum Kriegsausbruch.

1940 zum Heer eingezogen, leistete Eckert ab 1941 Dienst als uniformierter Wehrmachtsbeamter. Während eines Urlaubs 1943 erlangte er in Bonn die Habilitation und die Venia Legendi. Nach der deutschen Besetzung Griechenlands als Leiter der Marinewetterwarte nach Saloniki kommandiert, gewann er als Landeskenner bei den deutschen Stellen Einfluss und konnte zugleich unter dem Deckmantel völkerkundlicher Studien Kontakte zur griechischen Widerstandsbewegung aufnehmen. Eckert war es in vielen Fällen möglich, Verfolgte zu retten und Vergeltungsmaßnahmen zu verhindern. Im Herbst 1944 vermittelte er zwischen der Wehrmacht und der Volksbefreiungsarmee ELAS den kampflosen Abzug der deutschen Truppen aus Saloniki und ging dann zur ELAS über. Eckert bildete ein "Antifaschistisches Komitee", das die in Saloniki verbliebenen deutschen Widerständler, Deserteure und Kriegsgefangenen der ELAS, die sich der Übergabe an die britischen Truppen entzogen hatten, in antifaschistischen Kompanien organisierte. Nach Ausbruch der griechischen Bürgerkriegskämpfe im Dezember 1944 entschlossen sich die Sozialdemokraten unter den Antifaschisten im Unterschied zu den Kommunisten, sich daran nicht zu beteiligen, sondern mit Hilfe der Briten als Kriegsgefangene nach Hause zu gelangen. Eckert kam über Rom im August 1945 nach Goslar, wo er wegen eines schweren Lungenabzesses in einer Spezialklinik behandelt wurde. So bald wie möglich schloss er sich wieder aktiv der SPD an.

Ab November 1946 bekleidete Eckert eine Dozentenstelle an der Kant-Hochschule in Braunschweig, der späteren Pädagogischen Hochschule, und wurde dort 1952 Professor für Geschichte und für Methodik des Geschichtsunterrichts. Er interessierte sich besonders für Fragen der Darstellung historischer Ereignisse und Zusammenhänge in Schulbüchern und gründete 1951 mit Hilfe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Braunschweig das Internationale Schulbuchinstitut, dessen Leiter er bis zu seinem Tode blieb. Maßgeblich war Eckert nach dem Warschauer Vertrag von 1970 an der gemeinsam von der Bundesrepublik und Polen betriebenen Revision der Geschichtslehrbücher beteiligt.

Auf dem Gebiet der historischen Forschung war Eckert in Westdeutschland einer der ersten, die sich nach dem Krieg der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung widmeten. Außer durch eigene Publikationen und Editionen wirkte er ab 1960 als der erste Leiter des von ihm mit initiierten Instituts für Sozialgeschichte Braunschweig (heute Braunschweig - Bonn) und gehörte zu den Initiatoren der Internationalen Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung in Linz/Österreich. Von 1961 bis 1969 trug er die alleinige Verantwortung für das im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichte Jahrbuch "Archiv für Sozialgeschichte".

In der SPD gehörte Eckert den Ausschüssen für Kulturpolitik und für Sicherheitsfragen an und war Mitglied der Kommission zur Vorbereitung des Godesberger Programms von 1959.

Seit 1949 war Eckert Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und wurde 1964 ihr Präsident. Zu seinen weiteren Ämtern gehörte das des Vorsitzenden des Ausschusses für Geschichtsunterricht der Arbeitsgemeinschaft deutscher Lehrerverbände, des Vorsitzenden der Wissenschaftlichen Kommission beim Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung und eines Vorstandsmitglieds im Deutschen Rat der Europäischen Bewegung.

Weitere Informationen zu Georg Eckert finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.